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Nur Vorurteile? Wer vegan lebt, sollte auf einige Äußerungen von Skeptikern gefasst sein

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Von: Anna Heyers

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Viele Menschen verzichten im Januar ganz bewusst auf tierischen Lebensmittel. Doch wie gesund ist eine vegane Ernährung eigentlich dauerhaft? Darüber gibt es viele Vorurteile.

Obwohl, oder vielleicht auch gerade weil immer mehr Menschen sich entscheiden, auf tierische Produkte zu verzichten, gibt es immer wieder Diskussionen um die vegane Ernährung. Besonders jetzt im Januar. Alles dreht sich dabei mehr oder weniger um die Frage, ob sie wirklich gesund ist – oder eben nicht. Denn es ist durchaus Fakt, dass einem vegan lebenden Menschen die Nährstoffe fehlen, die in Produkten wie Milch, Eiern, Fisch oder Fleisch vorhanden sind. Fakt ist aber auch, dass man in der heutigen Zeit nicht auf diese Stoffe verzichten muss. Vorurteile gibt es trotzdem massenhaft. Ein Auszug:

Eine rein pflanzliche Ernährung ist nicht gesund!
Menschen sind nicht dafür gemacht, nur Pflanzliches zu essen.
Es fehlen Vitamine wie D und B12.
Zu viel Tofu ist ungesund.
Der Hormonhaushalt von Männern wird von Soja gestört.
Veganer können bestimmte Nährstoffe wie Eisen, Kalzium oder ungesättigte Fettsäuren nicht ersetzen.

Vegan leben ist ungesund – ein bekanntes Vorurteil

Wahr ist, dass ein Mensch zum gesunden Leben eine ausgewogene Ernährung aus Kohlenhydraten und Proteinen, Fetten sowie Ballast- und Mikronährstoffen braucht. Das gilt natürlich auch für Veganer, für sie ändern sich nur die Bezugsquellen dieser Bestandteile. Statt auf Fleisch oder Fisch zu setzen, kommen jetzt mehr Gemüse und Obst, sowie Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkornprodukte auf den Tisch. In einigen Fällen ernähren sie sich so deutlich abwechslungsreicher und ausgewogener als Fleischesser.

Eine Lunchbox mit Quinoasalat, Tomaten, Gurke, Blaubeeren und Nüssen in der Hand eines Models.
Eine vegane Ernährung muss nicht langweilig sein – und ist in vielen Fällen sogar ausgewogener, als bei Menschen, die alles essen. (Symbolbild) © Larissa Veronesi/Imago

Eine positive Entwicklung, wie auch das amerikanische National Cancer Institut in einer Studie feststellte: „Veganer scheinen mit einem geringeren Risiko für frauenspezifische Krebserkrankungen sowie Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts verbunden zu sein.“ Auch das Risiko für Schlaganfälle, Alzheimer oder Herzkrankheiten wurde laut Studie gesenkt.

Viele meinen, dass der Mensch nicht nur von Pflanzen leben kann

In Diskussionen kommt auch immer wieder auf, dass der Mensch eigentlich nicht aufs reine Pflanzenessen ausgerichtet sei. Aber auch das stimmt nur bedingt, wenn man sich mal die anderen reinen Fleischesser der Natur so anschaut. Weder haben wir Reißzähne, noch schlucken wir die Fleischbrocken im Ganzen und fast unzerkaut hinunter. Stattdessen besitzt unser Speichel Enzyme, die schon beim Kauen anfangen, Nahrung zu verwerten.

Dr. Marie Ahluwalia ist Ärztin und Ernährungsmedizinerin vom Netzwerk Ernährungstherapie belegte beispielsweise, dass der Mensch auch große Mengen pflanzliche Nahrung zu sich nehmen kann. Sie selbst empfiehlt, sich zu 90 Prozent pflanzlich zu ernähren.

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Es fehlen wichtige Vitamine bei einer veganen Ernährung

Fest steht, dass bei Veganern häufig ein Vitamin-B12-Mangel festgestellt wird. Das Vitamin ist wichtig für die Blutbildung und ein gut funktionierendes Nervensystem. Zwar kommt es auch in der Natur vor, etwa in Sauerkraut, Algen oder Shiitake-Pilzen. Aber der menschliche Körper kann es nicht optimal verwerten. Aber der Mangel betrifft nicht nur Veganer. In Deutschland ist laut NDR etwa jeder Zehnte davon betroffen. Wer jedoch Fisch, Fleisch und Eier isst, kann den Mangel besser ausgleichen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, dass etwa Veganer ein entsprechendes Präparat einzunehmen.

Auch von einem Vitamin-D-Mangel sind nicht ausschließlich Veganer betroffen. Laut NDR leiden gut 30 Prozent der Deutschen im Winter darunter. Wie auch bei B12 sollte man sich einmal beim Arzt durchchecken lassen, denn bei Vitamin-D-Mangel gibt es ebenfalls entsprechende Präparate.

Man sagt, Soja verändert den Hormonhaushalt

Angeblich soll Soja den Hormonhaushalt von Männern durcheinander bringen und die Libido sowie die Qualität der Spermien einschränken. Hier stimmt, dass in Sojabohnen Isoflavone vorkommen, eine Gruppe von Pflanzenstoffen, die dem menschlichen Sexualhormon Östrogen ähneln. Die Annahmen zur Veränderung von Spermien, Libido und auch Hormonhaushalt beruhen größtenteils auf Zell- und Tierstudien. Beim Menschen wurde nichts davon bestätigt.

Ohne Zusatz-Nährstoffe leiden Veganer, oder?

Folsäure, Vitamin C oder Beta-Carotin sind für vegan Lebende in der Regel kein Problem. Im Vergleich stehen sie durchschnittlich sogar etwas besser da als der Rest der Bevölkerung. Schwieriger ist es bei Eisen, wo etwas nachgeholfen werden sollte. Da sollten beispielsweise Kichererbsen, getrocknete Aprikosen oder Hirse vermehrt auf dem Speiseplan stehen. Kalzium, üblicherweise etwa in Milchprodukten vorhanden, steckt unter anderem in Grünkohl, Spinat und manchen Mineralwasser-Sorten. Walnüsse, pflanzliche Öle und Leinsamen sind beispielhafte Quellen für ungesättigte Fettsäuren. Experten der DGE empfehlen zusätzlich zu Lein- und Rapsöl zu greifen, da stecken die Omega-3-Fettsäuren drin.

Ist die vegane Ernährung gesund oder nicht?

Die üblichen Vorurteile zum veganen Leben lassen sich leicht entkräften. Wie man sich am Ende ernährt, ist dann meist jedem selbst überlassen. Ob nun ein bisschen von allem, vegetarisch oder vegan ist dabei erst einmal egal. Wichtig ist nur, dass man so ausgewogen wie möglich isst und im Zweifel vor einer Umstellung immer mit einem Mediziner Rücksprache hält. Das gilt besonders, wenn man sein Baby ebenfalls vegan ernähren möchte.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteuren und Redakteurinnen leider nicht beantwortet werden.

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