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Angst und Depressionen: Kann Botox helfen?

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Von: Jasmin Farah

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Studien eines Chefarztes zeigen, dass Botox gegen Depressionen helfen soll. Spritzt man die Sorgenfalte weg, verschwinden negative Gefühle. So funktioniert es.

Hamburg – Es klingt im ersten Moment zu schön, um wahr zu sein: Nur eine Spritze genügt und Menschen mit psychischen Erkrankungen sind geheilt. Das Zaubermittel heißt: Botox! Das kennen viele aus der Schönheitschirurgie als Falten-Killer. Schließlich sorgt das Nervengift dafür, wenn es unter die Haut im Gesicht gespritzt wird, dass sich Gesichtsmuskeln entspannen und Falten geglättet werden.

Dass Botox aber auch gleichzeitig die Psyche entspannen kann, ist ein neuartiger Therapieansatz des Hamburger Chefarztes Dr. Axel Wollmer. Der leitet seit 2021 die Klinik für Gerontopsychiatrie (Alterspsychiatrie) an der Asklepios Klinik Nord-Ochsenzoll.

Angst und Depressionen: Kann Botox helfen?

Seine Studien zeigen, dass Botox im wahrsten Sinne des Wortes Angstzuständen und Depressionen die Stirn bieten kann. Heißt das also konkret: Spritzt man einfach die Sorgenfalten weg, verschwinden auch Trübsal und Sorgen? Ganz abwegig scheint das nicht zu sein. Denn bereits Evolutionsforscher Charles Darwin und der US-Psychologe William James haben gewusst, dass unsere Mimik nicht nur Gefühle ausdrückt, sondern auch verstärken kann. Dahinter steht die sogenannte „Facial-Feedback-Hypothese“.

Einer Frau mittleren Alters wird Botox in die Stirn gespritzt. (Symbolbild)
Botox soll nicht nur die Mimik entspannen, sondern infolgedessen die Person selbst auch. (Symbolbild) © Shotstop/Imago

Ein bekanntes Beispiel hierfür sei die „Zornesfalte“, bei der die beteiligte Muskulatur im Gesicht für einen Moment sehr stark angespannt wird. Das sendet wiederum ein Signal an das Gehirn. „Aus einer ursprünglich eher kühlen Emotion wird dadurch ein intensives Gefühl“, erklärt Dr. Wollmer gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“. Und genau diesen Vorgang versuche man mithilfe von Botox zu unterbrechen.

Angst und Depressionen: Erste Erfolge mit Botox erzielt

Denn wenn das Nervengift die Muskulatur blockiert, bleibt sie entspannt – und die betroffene Person auch. So die These. Doch so leicht ist es dann doch nicht: Schließlich spiele auch der Schweregrad der Depression und wie lange diese schon bestehe, eine große Rolle für den Erfolg der Therapie. Dennoch sollen bereits verschiedene Untersuchungen gezeigt haben, dass sich Betroffene bereits zwei Wochen nach einer Behandlung besser gefühlt und vier bis sechs Wochen später sogar nochmal eine deutliche Verbesserung im Wohlbefinden verspürt haben.

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„Wir setzen fünf Injektionen in die Stirn“, erklärt der Facharzt für Psychiatrie weiter. „Behandeln also den Bereich rund um das sogenannte dritte Auge, was man vielleicht aus der indischen Heilkunst kennt. Denn auch in der Schulmedizin wissen wir, dass der Muskel, der die Augenbrauen zusammenzieht, der Schlüssel ist, um negative Emotionen zu schwächen.“ Da allerdings auch bekannt ist, dass Botox nach einigen Monaten an Wirkung verliert, könnte es sein, dass man anschließend wieder für eine Unterspritzung kommen muss. Demnach wirke Botox laut Wollmer also eher wie ein „Depot-Anti-Depressivum“.

Angst und Depressionen: Botox bald als neue Methode zugelassen?

Doch das bedeutet ihm zufolge nicht, dass es keine Psychotherapie, Entspannungstechniken oder sogar Medikamente in Zukunft mehr brauche. Für ihn sind psychische Erkrankungen komplex, weshalb diese ganzheitlich mit verschiedenen Methoden behandelt werden müssen. „Botox kann eine davon sein“, erklärt der 50-Jährige. „Letzteres bezieht sich auf die Tatsache, dass die soziale Resonanz positiver ist, wenn man freundlich in die Welt schaut. Und wenn man freundlich in den Spiegel schaut, nimmt man sich selbst eben auch positiver wahr.“

Eine Zulassungsstudie stehe allerdings noch aus, weshalb die Methode laut Wollmer noch „als Experiment“ gesehen wird. Doch das kann sich ja bei weiteren Erfolgen vielleicht bald ändern. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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