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Bandscheibenvorfall oder Hexenschuss: Lähmungen können Hinweis sein

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Von: Natalie Hull-Deichsel

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Ein Bandscheibenvorfall betrifft vor allem ältere Menschen, kann aber auch bei Jüngeren auftreten. Die passende Therapie hilft gegen Schmerzen.

München – Rückenschmerzen sind unangenehm und haben viele Ursachen. Strahlen sie bis in die Beine oder Arme aus, können sie Anzeichen eines Bandscheibenvorfalls sein. Wie der Arzt die Diagnose stellt und welche Behandlungen Erfolg versprechen, erklärt die Redaktion.

Bandscheibenvorfall: So entsteht er und das hilft gegen die Schmerzen

Bandenscheibenvorfälle und Hexenschüsse sind nicht immer leicht zu unterscheiden
Bandenscheibenvorfälle und Hexenschüsse sind nicht immer leicht zu unterscheiden. (Symbolbild) © Monkey Business 2/IMAGO

Zwischen den einzelnen Wirbelkörpern unserer Wirbelsäule sitzen die Bandscheiben als Puffer. Sie bestehen aus einem elastischen Gallertkern und einem äußeren, stabilen Faserring. Sie dienen als Abstandhalter zwischen den Wirbelkörpern und dämpfen Stöße ab. Den Gallertkern können Sie sich wie eine Art Gelkissen vorstellen. 

Bei einem Bandscheibenvorfall – im Fachjargon als Discusprolaps bekannt – durchbricht der Gallertkern den Faserring. Die Folge: Der Gallertkern drückt auf die Nerven und löst Schmerzen aus. Eine Vorstufe ist die sogenannte Bandscheibenvorwölbung. Dabei wölbt sich der Gallertkern nach außen, durchbricht den Faserring aber noch nicht. 

Die Wirbelsäule unterteilt sich in die Lenden- (LWS), Brust- (BWS) und Halswirbelsäule (HWS). So erklären sich auch die Bezeichnungen für Bandscheibenvorfälle in der entsprechenden Region. In etwa 90 Prozent der Fälle tritt ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) auf. Seltener ist die Halswirbelsäule betroffen (HWS). Auch am Übergang von der Brust- zur Lendenwirbelsäule kann ein Bandscheibenvorfall entstehen.

Bandscheibenvorfall und seine Symptome

Die Schmerzen eines Bandscheibenvorfalls hängen davon ab, wo er auftritt, wie schwerwiegend er ist und welche Nerven betroffen sind. In manchen Fällen erfolgt ein Bandscheibenvorfall komplett ohne Schmerzen und neurologische Ausfälle, weil kein Nerv eingeklemmt wird. Dann ist auch keine Behandlung notwendig. Typische Symptome eines Bandscheibenvorfalls sind:

Bei einem Bandscheibenvorfall der LWS sind die Rückenschmerzen besonders heftig. Meist sind sie andauernd, stechend und verstärken sich bei Bewegungen. Für einen Bandscheibenvorfall der HWS sind Nackenschmerzen typisch. In schwerwiegenden Fällen löst ein Discusprolaps Lähmungen und Sensibilitätsverlust (Querschnittsyndrom) aus. Dabei wird der Wirbelsäulenkanal, durch den das Rückenmark und die Nervenstränge laufen, stark eingeengt. Eine sofortige Operation ist in diesem Fall notwendig.

Ein Bandscheibenvorfall kündigt sich häufig über einen längeren Zeitraum an: Haben Sie schon länger als eine Woche starke Rückenschmerzen oder strahlen die Schmerzen in Arme und Beine aus? Bei starken Schmerzen sollten Sie unbedingt einen Arzt aussuchen, am ehesten den Orthopäden.

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Bandscheibenvorfall oder Hexenschuss?

Oft sind die Bandscheiben zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel betroffen oder zwischen dem fünften Lendenwirbel und dem Steißbein. In diesem Bereich verläuft der Ischias. Drückt der Gallertkern auf diesen Nerv, strahlen die Schmerzen bis ins Gesäß oder in die Beine aus.

Dieser sogenannte Hexenschuss kann Anzeichen für einen Bandscheibenvorfall sein, er kann aber auch andere Ursachen haben. Ein zusätzliches Kribbeln im Bein oder ein pelziges Gefühl treten nur beim Bandscheibenvorfall auf. Auch Lähmungen in der Beinmuskulatur sprechen für einen Discusprolaps.

Bandscheibenvorfall: So stellt der Arzt die Diagnose

Bei einem Verdacht auf Bandscheibenvorfall befragt der Arzt den Patienten zunächst ausführlich nach seinen Symptomen: Wo befindet sich der Schmerz? Wie fühlt er sich an? Seit wann tritt er auf? Verschlimmert er sich bei bestimmten Bewegungen? Haben Sie Taubheitsgefühle? 

Anschließend untersucht der Arzt den Patienten körperlich, um zu prüfen, ob und welche Nervenwurzel betroffen ist. Dabei legt sich der Patient hin. Dann hebt der Arzt das ausgestreckte Bein langsam nach oben. Je nachdem, wann der Patient einen Schmerz verspürt, ist ein Bandscheibenvorfall die mögliche Ursache.

Röntgenbilder, ein CT (Computertomografie) oder MRT (Magnet-Resonanz-Tomografie), geben endgültige Sicherheit. Diese Verfahren zeigen auch, in welchem Bereich der Wirbelsäule der Bandscheibenvorfall liegt. 

In seltenen Fällen kommt eine Myelografie zum Einsatz. Dabei wird ein Kontrastmittel in den Wirbelkanal gespritzt. Mit einem anschließenden Röntgenbild oder CT lassen sich zum Beispiel die Nervenwurzeln genau beurteilen. Allerdings ist dieses Verfahren nicht ohne Risiken. 

Bandscheibenvorfall: Wie kann er therapiert werden?

In den meisten Fällen erleichtert eine konservative Therapie die Schmerzen eines Bandscheibenvorfalls. Dazu gehören einerseits schmerzlindernde Maßnahmen, wie Medikamente oder Wärmeanwendungen. Andererseits soll durch Sport, Physiotherapie mit gezielten Übungen für die Rückenmuskulatur normalisiert werden. Auch bestimmte Veränderungen in Ihrer Haltung und im Liegen können die Symptome lindern, das heißt, wenn Sie zum Beispiel die Beine in einem rechten Winkel hochlegen.

Wichtig ist, dass Patienten verschriebene Medikamente regelmäßig einnehmen und nicht frühzeitig absetzen. Ist der Schmerz zu stark, kann der Arzt die Stelle örtlich betäuben oder Kortison spritzen. Für einen beschwerdefreien Alltag sollten Patienten außerdem lernen, eine Schonhaltung einzunehmen. So verspannt die Rückenmuskulatur nicht zusätzlich. Wärmflasche, Fango- und Moorpackungen, Rotlicht und warme Kleidung regen die Durchblutung an und lockern steife Muskulatur. 

Die Maßnahmen der konservativen Therapie sollten innerhalb von sechs bis acht Wochen anschlagen. In vielen Fällen verschwinden die Symptome komplett. Nur selten ist eine Operation notwendig. Das ist der Fall, wenn die konservative Therapie nicht hilft, die Schmerzen zu stark sind oder Lähmungen auftreten.

Bandscheibenvorfall: Ursachen und Risikofaktoren

Im Alter verlieren die Bandscheiben ihre Elastizität. Der stabilisierende Faserring bekommt feine Risse und der Gallertkern bricht leichter durch. Außerdem nimmt der Gallertkern selbst immer schlechter Wasser auf und wird dadurch ebenfalls weniger elastisch. Doch auch jüngere Menschen können von einem Bandscheibenvorfall betroffen sein. Risikofaktoren eines Bandscheibenvorfalls gelten für Jung und Alt:

Auch ein Unfall kann einen Bandscheibenvorfall verursachen. Die Bandscheibe, meist bereits vorgeschädigt, tritt weiter hervor und durchbricht den Faserring. Die Halswirbelsäule wird außerdem besonders belastet, wenn Menschen über viele Jahre kopfüber arbeiten oder mit den Schultern schwere Lasten tragen.

Bandscheibenvorfall: So vermeiden Sie schlimme Folgen

Eine starke Rückenmuskulatur beugt Bandscheibenbeschwerden vor. Außerdem sollten Sie starke Belastungen für die Wirbelsäule meiden. Mit diesen Maßnahmen können Sie einem Bandscheibenvorfall vorbeugen:

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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