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Medizin-Sensation: Innovatives Hirnimplantat lässt blinde Frau wieder sehen

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Von: Jasmin Pospiech

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Es ist ein Traum, so alt wie die Menschheit selbst: Blinden das Augenlicht zurückzugeben. Doch Blindheit gilt als unheilbar. Ein Durchbruch könnte das verändern.

Alicante (Spanien) – Es gibt 1,1 Milliarden Menschen mit Sehbeeinträchtigungen weltweit. Davon sind 43 Millionen blind und 295 Millionen Menschen stark sehbehindert. Blindheit, auch Amaurosis genannt, liegt vor, wenn ein oder beide Augen beeinträchtigt sind und kein Licht wahrnehmen können. Sie kann angeboren sein oder infolge einer Erkrankung oder eines Unfalls auftreten. Doch bis vor kurzem galt Blindheit als unheilbar. Eine neue Studie aus Spanien verspricht allerdings Betroffenen Hoffnung. Sie haben mithilfe eines Hirnimplantats große Erfolge bei Probanden erzielen können.

Medizin-Sensation: Innovatives Hirnimplantat lässt blinde Frau wieder sehen

Die Gruppe um Teamleiter Dr. Eduardo Fernández, einem Professor für Zellbiologie und Vorsitzender der Abteilung für Histologie und Anatomie an der Miguel-Hernández-Universität Elche (UMH) in Alicante, hat sich dabei ein Phänomen namens Phosphene zunutze gemacht. Dabei handelt es sich um Lichtwahrnehmungen, die nicht durch Licht, sondern durch andere Reize auf das Auge, den Sehnerv oder den visuellen Cortex im Gehirn erzeugt werden. (Bildschirmarbeit mit fatalen Effekten: Blaues Licht begünstigt weit verbreitete Augenkrankheit*)

Das Auge einer Frau im Close-up. (Symbolbild)
Werden Blinde bald „sehen“ können? Ein Hirnimplantat soll es möglich machen. (Symbolbild) © Shotshop/Imago

Diese können Blinde wie auch gesunde Menschen erfahren, etwa, wenn sie Druck auf die Augen ausüben, wenn sie sie reiben. Aber auch bestimmte Medikamente, ionisierende Strahlungen durch zum Beispiel radioaktive Stoffe sowie elektrische und magnetische Stimulationen können Phosphene triggern. (Brennende Augen: Fünf Tipps, wenn Sie zu lange am Bildschirm gearbeitet haben)

Medizin-Sensation: Forscher wollen blinden Personen im Alltag helfen

Für ihre Untersuchung haben die Wissenschaftler deshalb ein neues Implantat entwickelt, ein sogenanntes Mikroelektrodenarray, das nur so groß wie eine Münze ist. Da soll den optischen Sehnerv übergehen und stattdessen den visuellen Cortex im Gehirn erregen. Das funktioniert dadurch, dass das Gerät, das mehrere Elektroden enthält, neuronale Signale aufnimmt und abgibt. Dementsprechend fungieren sie als neuronale Schnittstellen, die Nervenzellen mit elektronischen Schaltungen verbinden.

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Der Zweck der Forschung: einer blinden Person nicht gänzlich wieder das Augenlicht zurückzugeben, sondern nur bis zu einem gewissen Maße. „Ein Ziel ist, blinden Menschen mehr Bewegungsspielraum im Alltag zu geben“, sagt Studienautor Dr. Richard Normann, ein Bioingenieur der University of Utah. Für ihre sechsmonatige Untersuchung haben sie einer 57-jährigen blinden Probandin, die bereits 16 Jahre vor Studienbeginn ihr Augenlicht verloren hatte, das Implantat in das Hirn eingepflanzt.

Medizin-Sensation: Probandin hat Buchstaben erkennen können

Anschließend ließ man der Teilnehmerin ein paar Wochen Ruhe, um sich von dem Eingriff zu erholen. Vor den Tests haben die Forscher mit der Erblindeten fünf Wochen lang trainiert, spontane Phosphene und diejenigen Phosphene, die das Team auslösen wollte, auseinanderzuhalten. Neben dem Implantat hat die Probandin zudem eine spezielle Brille erhalten, damit die Forscher ihre Augenbewegungen tracken konnten. Mit Erfolg. (Gesichtsblindheit: Warum manche Menschen nur unfreundlich wirken)

Am Ende sollte die Teilnehmerin verschiedene Buchstaben lesen und sogar zwischen Groß- und Kleinbuchstaben unterscheiden haben können. Gegenüber dem medizinischen Fachblatt Medical News Today sagt Studienautor Normann über die vielversprechenden Ergebnisse: „Es könnte Blinden helfen, eine Person, Treppen oder Autos leicht zu erkennen. Das wiederum könnte ihre Unabhängigkeit und Sicherheit erhöhen. Das ist, was wir erreichen wollen“.

Dennoch betonen die Forscher, dass die Tests mit dem Implantat noch in der Anfangsphase und noch nicht klinisch bestätigt sind. Ihre Ergebnisse haben die Forscher im „The Journal of Clinical Investigation“ veröffentlicht.*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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