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Budesonid: Asthma-Spray kann vor schweren Covid-19-Verläufen schützen

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Von: Jasmina Deshmeh

Wie lassen sich schwere Covid-19-Verläufe verhindern? Diese Frage beschäftigt Experten seit über einem Jahr. Nun macht ausgerechnet ein einfaches Asthma-Spray Hoffnung.

Oxford/Berlin – Seit Beginn der Corona-Pandemie vor einem Jahr suchen Mediziner nach einer wirkungsvollen Therapie der durch das Coronavirus ausgelösten Krankheit Covid-19. Nun zeigen die Ergebnisse einer britischen Studie, dass möglicherweise ein erprobtes Mittel schwere Verlaufsformen der Krankheit verhindern kann – vorausgesetzt, es wird früh genug eingesetzt.

Budesonid: Studie belegt Einfluss auf den Krankheitsverlauf bei Covid-19

In einer kleinen randomisierten Studie konnten Wissenschaftler der Uniklinik Oxford nachweisen, dass ein Asthmaspray mit einem Glukokortikoid (Wirkstoff Budesonid) den Verlauf einer Corona-Erkrankung abmildern kann.* Normalerweise wird Budesonid in der Asthma-Therapie oder zur Behandlung von COPD eingesetzt, um Entzündungen der Atemwegsschleimhäute zu lindern und diese zum Abschwellen zu bringen.

Erste Hinweise auf die schützende Wirkung von Budesonid lieferte eine Kohortenstudien aus China, bei der aufgefallen war, dass asthmakranke Patienten bei einer Infektion mit dem Coronavirus nur selten schwer an COVID-19 erkranken. Die Forscher vermuteten deshalb, dass sich die cortisonhaltigen Asthmasprays dieser Patienten positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken.

Die Experten aus Oxford verabreichten daraufhin 73 mit dem Coronavirus infizierten Patienten ein Asthmaspray mit Budesonid, weitere 73 erhielten eine übliche Therapie. Von diesen Betroffenen mussten elf in einer Klinik behandelt werden, während es bei den Patienten, die das Asthmaspray nutzten, nur zwei waren.

Die mit dem Asthmaspray behandelten Patienten zeigten nur verhältnismäßig milde Symptome wie:

Auch das Risiko für Spätfolgen von Covid-19 verringerte sich deutlich. „Die frühzeitige Verabreichung von inhaliertem Budesonid verringert die Wahrscheinlichkeit, dringend medizinische Hilfe zu benötigen, und verkürzt die Zeit bis zur Genesung nach einer frühen COVID-19-Infektion“, schlussfolgern die Studien-Autoren, die ihre Erkenntnisse im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlichten.

Budesonid: Antientzündliche Wirkung schützt die Lunge

„Das sind überaus interessante Ergebnisse und vom biologischen Ansatz plausibel“, erklärt der Leiter des Zentrums für klinische Studien des Universitätsklinikums Jena, Frank M. Brunkhorst. Und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bezeichnet die Studie sogar als einen möglichen „Game Changer“. „Die Ergebnisse machen klinisch Sinn, weil die antientzündliche Wirkung in der Lunge den Verfall der Lungenfunktion verhindern kann“, schreibt der Mediziner auf Twitter. Es gebe zudem kaum Nebenwirkungen.

Auch der Infektiologe Clemens Wendtner sieht eine große Chance im Einsatz des Mittels: „Mit dieser simplen, nebenwirkungsarmen und auch noch kosteneffektiven Behandlung könnte nicht nur vielen ambulanten Patienten mit milder Covid-Erkrankung in der Frühphase medizinisch geholfen werden.“ Auch der Druck auf die Krankenhäuser könnte reduziert werden, was ein wichtiges Argument in Zeiten von knappen Betten angesichts der laufenden dritten Corona-Welle sei, so der Chefarzt der München Klinik Schwabing.

Budesonid: Weitere Studien nötig

Sowohl die Experten als auch die Studienautoren weisen aber daraufhin, dass eine breiter angelegte Studie nötig sei, um die Ergebnisse zu bestätigen. So fordert Brunkhorst eine große Phase-III Studie mit etwa 1000 Patienten. Wenn sich die Beobachtungen bewahrheiteten, habe das eine enorme Wirkung – und Budesonid sei überall auf der Welt verfügbar, fasst Suttorp zusammen. (Mit Material der dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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