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Corona ohne Ende: Mit hoher Impfquote zurück in die Normalität

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Von: Jennifer Köllen

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Corona scheint überall – die Menschen sind müde. Wann wird das Leben wieder wie früher? Laut dem RKI-Chef schneller, wenn sich viele impfen lassen.

Berlin – Seit zwei Jahren gibt es jetzt Corona. Am 01. Dezember 2019 gab es den ersten bekannten Fall in der chinesischen Metropole Wuhan. Heute steckt Deutschland bereits in der vierten Corona-Welle – der bisher schlimmsten, gemessen an der Zahl der Infizierten.

Dazu gibt es die neue Corona-Variante Omikron, deren Aufbau herkömmliche Corona-Impfstoffe austricksen könnte: Moderna arbeitet bereits an der Entwicklung eines neuen Vakzins. Doch auch ohne Omikron sind in Deutschland erst so wenig Menschen geimpft, dass das Virus weitere Wellen befeuern könnte, sagen Experten.

Lockdown, Homeoffice, Kontaktbeschränkungen, Quarantäne und Angst vor Infektion. Die Menschen fragen sich: Wie lange wird das noch so weitergehen? Hört das denn nie auf?

Corona ohne Ende: Mit hoher Impfquote zurück in die Normalität

Ganz ausrotten lässt sich ein so ansteckender und verbreiteter Erreger wie Covid-19 laut Fachleuten wahrscheinlich nicht. Die Annahme ist vielmehr, dass das Virus endemisch wird. Es würde dann wie die Grippe saisonal für Infektionswellen sorgen – ohne jedoch in einem Ausmaß wie bisher. Das wäre ja hinzunehmen. Die Frage ist: Wann wird es endlich so weit sein?

Ein Mann schaut traurig aus dem Fenster wegen Corona. (Symbolbild)
Corona scheint kein Ende zu nehmen. Wann wird endlich alles so wie früher? (Symbolbild) © Imago

Die Antwort: Wenn die meisten Menschen weltweit eine Grundimmunität aufgebaut haben. Davon spricht man, wenn das Immunsystem durch eine frühere Infektion oder durch Impfung gegen den Erreger gewappnet ist. Epidemische Verläufe im Sinne eines langdauernden oder schnellen Anstiegs von Infektionszahlen würden dann ausgebremst, erläutert der Epidemiologe Rafael Mikolajczyk aus Halle.

„Wenn sich ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger impfen lässt, haben wir den endemischen Status mit weniger schweren Krankheitsverläufen schneller“, sagt der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler.

Corona ohne Ende: Wie es in Deutschland weitergehen könnte

Das Problem: Hierzulande sind noch Millionen Menschen ohne Impfung, darunter viele ab 60 Jahren. Experten warnen daher, dass auch nächsten Winter noch nicht Schluss sein könnte mit größeren Corona-Wellen. Mit dem mittlerweile großen Anteil an Geimpften in der Bevölkerung sei zwar viel erreicht. „Wir sind natürlich schon weit“, sagt RKI-Chef Wieler der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist jetzt die zweite Wintersaison. Wir kennen das von früheren Influenza-Pandemien, dass es in der Regel zwei bis drei sehr starke Erkrankungswellen gab, bevor sich das Geschehen einpendelte.“

Was seit Pandemiebeginn abläuft, ist im Prinzip ein Prozess der Anpassung. „Wie lange die Anpassung bei Sars-CoV-2 dauern wird, lässt sich schwer voraussagen“, sagt Wieler. Vier verschiedene Corona-Erkältungsviren gebe es schon. „Auch die sind irgendwann einmal vom Tier auf den Menschen übergegangen.“ Anzunehmen sei, dass der Übergang in den endemischen Zustand bei ihnen schon sehr lange zurückliegt, „Jahrzehnte oder Jahrhunderte“.

Wo genau Deutschland steht, dürfte sich Wieler zufolge im Frühjahr klarer zeigen. Es liefen Studien zur Verbreitung von Antikörpern gegen Corona in der Bevölkerung, sei es durch Infektion oder durch Impfung. „Je höher der Anteil der Menschen mit Antikörpern im Frühjahr ist, desto besser sieht es aus für uns.“ Ende 2020, bevor es mit dem Impfen losging, hatten laut dem RKI-Chef erst etwa zwei Prozent entsprechende Antikörper.

Corona ohne Ende: Warum die Pandemie wegen Omikron schneller vorbei sein könnte

Eine neu auftretende Virusvariante oder Veränderungen bei bereits bekannten Varianten könnten den weiteren Verlauf jedoch stark beeinflussen. Es sei entscheidend, schnell und effektiv zu handeln, um die Verbreitung des Virus und neuer Varianten zu verlangsamen: mit Maßnahmen und hoher Impfquote. Die Ausbreitung neuer Varianten zu verhindern, sei „extrem schwer“.

Solche Varianten könnten Epidemiologen zufolge grundsätzlich sowohl das Erreichen der Endemie hinauszögern als auch beschleunigen. Im Einzelnen hängt das etwa davon ab, wie gut der Impfschutz erhalten bleibt, wie sich die Verbreitungsgeschwindigkeit und die Krankheitsschwere verändern – und welche Maßnahmen in Kraft sind.

Corona ohne Ende: Eine faire Impfstoffverteilung hilft allen

Der Übergang von einer Pandemie in einen endemischen Zustand hänge nicht nur von der Virus-Entwicklung ab, sondern auch vom globalen Erfolg der Maßnahmen, sagt Wieler: „Beides bedingt sich gegenseitig.“

Wenn das Virus in fernen Ländern ungehindert zirkuliere, könnten gefährliche Varianten entstehen, die sich über den Globus verbreiten und gegen die heutige Impfstoffe wirkungslos sein könnten. „Für Gleichheit bei der Impfstoffverteilung zu sorgen ist kein Akt der Wohltätigkeit, es ist im besten Interesse jedes Landes“, sagte er – schon bevor die Omikron-Variante Ende November als besorgniserregend eingestuft wurde.

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Corona ohne Ende: Endemie muss nicht Endemie bleiben

Generell könnte auch aus einer Endemie wieder eine Pandemie werden: „Neue Varianten können leider immer wieder zu einer neuen pandemischen Welle führen“, sagte der Epidemiologe Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen. Umso entscheidender sei die globale Durchimpfung der Weltbevölkerung, „das verringert das Risiko für neue stark mutierte Varianten“. Auch Epidemiologe Mikolajczyk betont: Ein Blick nur auf das eigene Land greife zu kurz.

RKI-Chef Wieler hält so ein Szenario derzeit „für eher unwahrscheinlich“ – wegen der Grundimmunität. Viren entwickelten sich zwar auch dann punktuell weiter und könnten Krankheitswellen verursachen. Für eine weitere Pandemie müsste sich das Virus laut Wieler jedoch „substanziell ändern – so wie man das von Influenzaviren kennt“. Coronaviren besäßen keinen vergleichbaren Mechanismus.

Corona ohne Ende: Pandemien wird es immer häufiger geben

Auch wenn teils davon die Rede ist, dass eine Pandemie drei Jahre dauere: Eine Faustregel zur Dauer könne man aus früheren Seuchen nicht ableiten, sagt der Medizinhistoriker Jörg Vögele von der Universität Düsseldorf. Nicht nur die Eigenschaften der jeweiligen Krankheitserreger, sondern auch die gesellschaftlichen Umstände seien zu unterschiedlich. Historisch werde das Ende von Pandemien etwa an einem Absinken der Sterbezahlen festgemacht.

„Eine Lehre aus der Geschichte ist: Wenn die eine Seuche vorbei ist, kommt die nächste“, sagt Vögele auch. Heutzutage könnten Klimawandel und Globalisierung das Auftreten von Epidemien und Pandemien beschleunigen: „Es ist zu befürchten, dass so etwas künftig häufiger vorkommen wird.“ (Mit Material der dpa) *fr.de.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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