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Coronaimpfung und Nebenwirkungen: Alles nur reine Einbildung?

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Von: Jasmin Pospiech

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Der Arm tut weh, manche fiebern, andere fühlen sich müde: Nach einer Coronaimpfung haben einige mit Reaktionen zu kämpfen. Weil sie es so erwarten?

Marburg – Impfskeptiker geben oftmals an, Angst vor dem Piks und seinen möglichen Nebenwirkungen zu haben. Und tatsächlich berichten viele, die sich gegen das Coronavirus impfen lassen, von Impfreaktionen. Diese können bereits nach wenigen Stunden auftreten und äußern sich vielfältig.

Coronaimpfung und Nebenwirkungen: Alles nur reine Einbildung?

Die häufigsten Impfreaktionen laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind:

Doch nun wollen Forscher herausgefunden haben, dass manche der beobachteten Nebenwirkungen reine Einbildung seien. Sie unterliegen dem sogenannten „Nocebo-Effekt“, dem Pendant zum Placebo. Das haben jetzt Wissenschaftler der Harvard Medical School und der Philipps-Universität in Marburg herausgefunden. Ihre Ergebnisse haben sie im Fachmagazin Jama Network Open veröffentlicht.

Eine junge Frau holt sich im Impfzentrum eine Booster-Impfung, ein Mann im grünen Kittel verabreicht ihr die Spritze. (Symbolbild)
Viele Menschen ziehen die Booster-Impfung in Betracht. Über Nebenwirkungen wird zuvor in einem Gespräch aufgeklärt. (Symbolbild) © Frank Hoermann/Sven Simon/Imago

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Die Forscher kommen in ihrer Analyse zu dem Schluss, dass 76 Prozent der gemeldeten Impfreaktionen nach der ersten Impfdosis sowie 52 Prozent der wahrgenommenen Folgen nach der zweiten Impfdosis darauf zurückzuführen sind. In der Medizin sind die Wirkungen von Placebos und Nocebos schon länger bekannt. Wenn sich ein Patient von einem (Schein-)Medikament eine Heilung bzw. Linderung seiner Schmerzen verspricht, kann diese positive Erwartung die Wirksamkeit eines Präparats verstärken. Das wird auch Placebo-Effekt genannt.

Coronaimpfung und Nebenwirkungen: Nocebo-Effekt dafür verantwortlich?

Bei einem Nocebo-Effekt geschieht das Gegenteil. Hier kann bereits eine negative Erwartungshaltung dafür sorgen, dass es zu Beschwerden kommt, die die Betroffenen tatsächlich spüren. Für ihre Untersuchung haben die Wissenschaftler zwölf klinische Studien zu Impfungen mit verschiedenen Coronaimpfstoffen mit insgesamt 45.380 Probanden ausgewertet. Die Impfpatienten hatten alle Impfreaktionen gemeldet. Während 22.802 Personen tatsächlich einen Impfstoff gespritzt bekommen haben, erhielten 22.578 Teilnehmer nur ein Scheinpräparat.

Das verblüffende Ergebnis: Nach der ersten Dosis haben etwa 35 Prozent der Placebo-Empfänger angegeben, Impfreaktionen wie Kopfschmerzen oder Müdigkeit zu verspüren. Nach der zweiten Dosis sollen es rund 32 Prozent gewesen sein. Bei der anderen Gruppe, die einen Impfstoff erhalten hat, sollen hingegen 46 Prozent nach der ersten Dosis und 61 Prozent nach der zweiten Dosis über Impfreaktionen geklagt haben.

Coronaimpfung und Nebenwirkungen: Aufklärungsgespräch vor Impfung schuld?

Als Grund für den Nocebo-Effekt geben die Wissenschaftler an, dass die Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen der Coronaimpfung diesen auslösen können: „Es gibt Hinweise darauf, dass diese Art von Information dazu führen kann, dass Menschen übliche tägliche Hintergrundempfindungen dann fälschlicherweise auf die Impfung zurückführen oder Sorgen und Nervosität auslösen, die die Menschen hypersensibel im Hinblick auf mögliche Nebenwirkungen machen“, sagt Ted Kaptchuk von der Harvard Medical School.

Darüber müsse beim Impfen künftig besser aufgeklärt werden, empfehlen die Forscher. Dennoch geben sie abschließend zu bedenken, dass die Zahl der analysierten Studien vergleichsweise gering ist und zudem sehr uneinheitlich im Aufbau gewesen seien. Weitere Untersuchungen müssen demnach folgen. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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