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Corona: Infektion kann die Alzheimer-Symptome beschleunigen

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Von: Jasmina Deshmeh

Eine junge Frau steht vor einem blauen Hintergrund und greift sich verwirrt an den Kopf (Symbolbild)
Eine Covid-19-Erkrankung kann zu dauerhaften kognitiven Beeinträchtigungen und sogar zu Alzheimer-Symptomen führen (Symbolbild) © agefotostock/Imago

Obwohl die Pandemie bereits seit eineinhalb Jahren anhält, sind noch lange nicht alle Folgen von Covid-19 bekannt. So gibt es nun Hinweise, dass es Alzheimer beschleunigen könnte.

Chicago/Denver – Seit Beginn der Pandemie sammeln Experten immer neue Erkenntnisse über die Krankheit Covid-19. Trotzdem sind nach wie vor noch viele Fragen zu den langfristigen Auswirkungen des Virus auf unseren Körper und unser Gehirn offen. Auf der Alzheimer‘s Association International Conference in Denver stellten Forscher nun Daten vor, die einen Zusammenhang zwischen Covid-19 und anhaltenden kognitiven Einschränkungen, einschließlich der Beschleunigung von Alzheimer-Symptomen erkennen lassen.

Corona: Langzeitfolgen auf das zentrale Nervensystem

Neben Atemwegs- und Magen-Darm-Symptomen sind bereits seit längerem neuropsychiatrische Beschwerden als Folge einer Corona-Infektion bekannt. Dazu zählen unter anderem der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns sowie kognitive und Aufmerksamkeitsdefizite, die auch als „Gehirnnebel“ bezeichnet werden. Bei einigen Betroffenen bleiben diese neurologischen Einschränkungen bestehen. Wissenschaftler arbeiten noch immer daran, die Mechanismen hinter diesen Hirnfunktionsstörungen und ihre Folgen für die kognitive Gesundheit zu verstehen. Unter ihnen: Mitglieder der Alzheimer‘s Association und Vertreter aus fast 40 Ländern unter fachlicher Anleitung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Erste Erkenntnisse stellte dieses Experten-Team bereits auf der AAIC 2021 in Griechenland und Argentinien vor:

„Diese neuen Daten weisen auf beunruhigende Trends hin, die zeigen, dass Covid-19-Infektionen zu dauerhaften kognitiven Beeinträchtigungen und sogar zu Alzheimer-Symptomen führen“, erklärt Heather M. Snyder, Alzheimer‘s Association Vizepräsidentin für medizinische und wissenschaftliche Beziehungen. „Mit mehr als 190 Millionen Fällen und fast 4 Millionen Todesfällen weltweit, hat Covid-19 die ganze Welt verwüstet. Wir müssen unbedingt weiter erforschen, was dieses Virus mit unseren Körpern und Gehirnen anstellt. Die Alzheimer‘s Association und ihre Partner sind führend, aber es ist noch mehr Forschung nötig.“

Corona: Verlust des Geruchssinns tritt oft mit Vergesslichkeit auf

Gabriel de Erausquin vom Gesundheitszentrum der Universität von Texas untersuchte zusammen mit Kollegen die Kognition und den Geruchssinn von fast 300 älteren erwachsenen Argentiniern, die Covid-19 hatten. Die Patienten wurden zwischen drei- und sechsmal nach der Infektion untersucht. Bei mehr als der Hälfte konnten die Forscher eine anhaltende Vergesslichkeit nachweisen. Rund jeder Vierte hatte außerdem Probleme mit der Kognition, zum Beispiel der Sprache. Und zwar unabhängig davon, wie schwer die Covid-19-Erkrankung verlaufen war.

„Wir beginnen, klare Zusammenhänge zwischen Covid-19 und kognitiven Problemen Monate nach der Infektion zu sehen“, erklärt Erausquin. „Es ist zwingend erforderlich, dass wir diese Population und andere auf der ganzen Welt über einen längeren Zeitraum hinweg weiter untersuchen, um die langfristigen neurologischen Auswirkungen von Covid-19 besser zu verstehen.“

Corona: Alzheimer-Biomarker im Blut steigen

Ein weiteres Team unter der Leitung von Thomas Wisniewski, Professor für Neurologie, Pathologie und Psychiatrie an der New York University Grossman School of Medicine entnahm Plasmaproben von 310 Patienten, die mit Covid-19-Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert wurden. 158 von ihnen zeigten neurologische Symptome, wobei das häufigste Symptom Verwirrung war, 152 hatten keine neurologischen Beschwerden. Dabei konnten sie bei Patienten, die vor der Erkrankung kognitiv normal waren, höhere Werte bestimmter Bio-Marker im Blut nachweisen, die auf Verletzungen im Gehirn, Entzündungen der Nerven und die Alzheimer-Krankheit hinweisen.

„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Patienten, die Covid-19 hatten, eine Beschleunigung von Alzheimer-bezogenen Symptomen und Pathologie haben könnten“, sagte Wisniewski. „Es ist jedoch mehr Längsschnittforschung erforderlich, um zu untersuchen, wie diese Biomarker die Kognition bei Personen, die Covid-19 hatten, langfristig beeinflussen.“

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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