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Corona und Rauchen: Schützt der Glimmstängel etwa vor Covid-19?

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Von: Christine Pander

Eine alte Frau mit Mundschutz, raucht eine Zigarette am Louvre-Museum im Louvre-Palast an einem sonnigen Tag (Symbolbild)
Raucher haben oftmals einen schlimmeren Covid-19-Verlauf (Symbolbild) ©  Eibner Pressefoto/Imago

Rauchen kann tödlich sein. Umso erstaunlicher ist jetzt eine provokante Meldung, die in den sozialen Medien gefeiert wird: Ausgerechnet Rauchen soll vor Corona schützen.

Berlin – Bereits jedes Kind weiß: Rauchen schadet der Gesundheit. Es kann sogar tödlich sein. Das zeigen zahlreiche seriöse, medizinische Studien. Und nicht umsonst wurde die Tabakwerbung eingedampft, große Nichtraucherkampagnen initiiert und dem Nikotin in geschlossenen Innenräumen der Kampf angesagt. Rauchen ist out. Und potenziell sehr tödlich.

Corona und Rauchen: Giftstoffe aus Zigarette gegen Corona hilfreich?

In den sozialen Medien wird dennoch die Nachricht gefeiert, Raucher würde seltener an Covid-19 erkranken. Auslöser ist eine Studie aus Hiroshima. Die Forscherinnen und Forscher aus Japan wollen herausgefunden haben, dass die in den Zigaretten enthaltenen, sogenannten polyzyklische aromatische Wasserstoffe (PAK) für eine Art „Infektionsschutz“ gegen Corona sorgen.

Und das geht anscheinend so: PAK unterdrücken den Forscherinnen und Forschern zufolge die Bildung eines Moleküls, das wiederum die Bildung von ACE-2-Rezeptoren verhindern soll. Diese Rezeptoren seien das Einfallstor für Coronaviren in den menschlichen Organismus, ohne sie könnten die Viren nicht an Zellen andocken.

Corona und Rauchen: Forscher wollen neues Medikament entwickeln

Das Dumme ist nur, dass PAK in höchstem Maße giftig und krebserregend sind. Die Forscherinnen und Forscher wollen nun ein Medikament entwickeln, das mit der gleichen Wirkung arbeitet wie die PAK, allerdings ohne dabei Schäden an menschlichen Zellen anzurichten. Davon sind sie derzeit jedoch noch weit entfernt.

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Corona und Rauchen: Giftstoff aus Kippe ist kein Heilsbringer gegen Covid-19

Wie kommt nun aber die in den sozialen Medien verbreitete, steile These zustande, Rauchen wäre hilfreich gegen Corona, obwohl klar ist, dass PAK höchst krebserregend sind? Das Robert-Koch-Instituts (RKI) klärt auf: Vor allem bei über 60-Jährigen gibt es eine erhöhte Gefährdung durch Covid-19, in dieser Altersgruppe entstehen die meisten schweren Verläufe.

Gleichzeitig ist der Anteil der Raucher in dieser Altersgruppe jedoch geringer als bei allen anderen. Daraus folgt, das ist logisch, ein höherer Anteil schwerer Verläufe bei Nichtrauchern als bei Rauchern, ohne dass das Rauchen an sich überhaupt etwas damit zu tun hat. Für manchen Social Media Nutzer ist es dennoch der entscheidende, aber fehlerhaft Beweis, dass Rauchen ein gutes Mittel gegen Covid sei.

Corona und Rauchen: Raucher haben höheres Risiko für schwere Covid-Verläufe

Das Robert-Koch-Institut betont: Die Datenlage ist derzeit dünn, verlässlich kann momentan keinerlei Aussage darüber getroffen werden, ob sich die Infektionsraten zwischen Rauchern und Nichtrauchern unterscheiden.

Aber: Die Daten deuten darauf hin, dass Raucher im Vergleich zu Nicht-Rauchern, die noch niemals einen Glimmstängel angerührt haben, ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben.* Eine vorläufige Studien-Auswertung aus England lässt zudem eine erhöhte Sterberate an Covid-19 für ehemalige Raucher vermuten.

Corona und Rauchen: Auch Sterberisiko von Rauchern ist bei Coviderkrankung höher

Auch eine aktuelle US-Studie hat nachgewiesen, dass langjährige Raucher mit Covid-19 tatsächlich häufiger im Krankenhaus und auf Intensivstationen behandelt werden müssen und auch ein größeres Risiko haben, an Covid-19 zu sterben.

Das ist unabhängig davon, ob sie aktive oder ehemalige Langzeitraucher sind, da vor allem die sogenannte „kumulative Dosis“, also die Anzahl an „Packungsjahren“, entscheidend ist. Darauf weisen Experten der Deutschen Lungenstiftung hin. Sollten Sie sich also gerade erst mühsam das Rauchen abgewöhnt haben oder sowieso Nichtraucher sein: Bleiben Sie dabei! Jeder rauchfreie Tag zählt. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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