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Covid-Impfung und Senioren: Immunantwort älterer Menschen deutlich verzögert

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Von: Christine Pander

Wieso ist es trotz Impfungen immer wieder zu Corona-Ausbrüchen in Altenheimen gekommen? Wissenschaftler der Berliner Charité haben Anhaltspunkte gefunden.

Berlin – Um sie haben wir uns in der Pandemie große Sorgen gemacht: Die Seniorinnen und Senioren des Landes. Da eine Ansteckung mit dem Corona-Virus für ältere Menschen potenziell tödlich verlaufen kann, waren vor allem Menschen mit Vorerkrankungen oder Seniorenheimbewohner oftmals isoliert. Auch wurden die Betroffenen nach Möglichkeit priorisiert geimpft, sobald die Vakzine zur Verfügung standen. Und dennoch ist es passiert: Trotz zweifacher Covid-Impfung kam es immer wieder zu Corona-Ausbrüchen in Alten- und Pflegeheimen. Was ist der Grund?

Corona-Vakzine und Senioren: Das Immunsystem reagiert weniger effizient

Forscher der Berliner Charité haben nun erste Erklärungsansätze dafür, wie es zu den Ansteckungen trotz Zweifach-Impfungen gekommen sein könnte: Das Immunsystem von alten Menschen reagiere weniger effizient auf die Impfung als das von jüngeren, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt „Emerging Infectious Diseases“. Deshalb, so die Forscher weiter, sei es besonders wichtig, dass Pflegepersonal und Besucher immunisiert seien. Kürzlich wurde ihre Studie in dem Fachmagazin veröffentlicht.

Für die Studie analysierten die Wissenschaftler einen Ausbruch in einer Berliner Pflegeeinrichtung von Februar 2021. Dabei hatten sich neben 11 Pflegekräften ohne vollständigen Impfschutz auch rund 20 Bewohner mit Sars-CoV-2 in der Variante Alpha (B 1.1.7) angesteckt. Bis auf vier von ihnen waren alle vollständig mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer geimpft. Die vier Ungeimpften erkrankten so schwer, dass sie in einem Krankenhaus behandelt werden mussten. Nur rund ein Drittel der Geimpften hatte Krankheitszeichen wie Husten oder Atemnot. Zwei geimpfte Bewohner starben laut Charité, aber es ist unklar, ob sie an Covid-19 verstorben sind.

Um die Bewohner in Altenheimen zu schützen, können diese Tipps helfen:

In der zweiten Untersuchung verglich das Forschungsteam die Immunreaktion auf den Biontech/Pfizer-Impfstoff bei über 70-jährigen Patienten einer Hausarztpraxis mit der von Charité-Beschäftigten, die im Durchschnitt 34 Jahre alt waren. Blutanalysen zeigten, dass schon drei Wochen nach der ersten Dosis etwa 87 Prozent der jüngeren Studienteilnehmer Antikörper gegen Sars-CoV-2 gebildet hatten. Unter den Älteren waren es dagegen nur rund 31 Prozent.

Einen Monat nach der zweiten Dosis hatten fast alle jungen Geimpften (99 Prozent) diese sogenannten spezifischen Antikörper im Blut. Unter den älteren Menschen waren es rund 91 Prozent. Zusätzlich entwickelten sich die Antikörper bei den Älteren langsamer, sie konnten das Virus also schlechter binden. Auch der zweite wichtige Teil der Immunreaktion, die T-Zell-Antwort, fiel schwächer aus.

Corona-Vakzine und Senioren: Nicht so gut geschützt wie jüngere Geimpfte

Für Leif Erik Sander, Impfstoffforscher von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie ist der Fall klar: Die Studie zeige, dass bei älteren Menschen die Immunantwort nach der Impfung deutlich verzögert sei. Außerdem würde auch nicht das Niveau wie bei den jungen Impfteilnehmern erreicht. Das ist vermutlich der Grund, warum gerade in den Alten- und Pflegeheimen und unter Senioren die Ansteckungswelle teilweise ungebremst weiterrollte, trotz wochenlangem Teil-Lockdown.*

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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