1. 24vita
  2. Krankheiten

Corona-Virus: RKI ruft vierte Welle aus – darum haben immer mehr Geimpfte schwere Verläufe

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jennifer Köllen

Geimpft, aber trotzdem auf der Intensivstation? Impfdurchbrüche passieren immer häufiger, zeigen neue Zahlen. Wie kann das sein? Brauchen wir die Booster-Impfung für alle?

Berlin – Mediziner beobachten derzeit auf den Intensivstationen, dass auch bei bereits geimpften Menschen schwere Corona-Krankheitsverläufe auftreten können. Ein sogenannter Impfdurchbruch ist bei Menschen mit einer eingeschränkten Immunantwort möglich, zum Beispiel als Folge einer medikamentösen Schwächung des Immunsystems. Zahlen aus dem Divi-Register, das intensivpflichtige Patienten zählt, zeigen: Einer von zehn im Krankenhaus wegen Corona behandelten Patienten ist geimpft. Die meisten Corona-Patienten seien wie erwartet ungeimpft.

Doch es gäbe auch schwere Fälle von geimpften Patienten in stationärer Behandlung, sagte der Kölner Intensivmediziner Christian Karagiannidis den Zeitungen der „Funke Mediengruppe“. Und die werden derzeit immer häufiger – obwohl sich immer mehr Menschen gegen Corona impfen lassen. Wie kann das sein?

Corona-Virus: RKI ruft vierte Welle aus – darum haben immer mehr Geimpfte schwere Verläufe

Nach Angaben der Bundesregierung ist der Anteil der geimpften Corona-Patienten auf Intensivstationen in den letzten Monaten angestiegen. Auf Grundlage der Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) registriert das Bundesgesundheitsministerium in den Wochen von Mitte August bis Anfang September 1.186 Corona-Fälle*, die „intensivmedizinisch versorgt“ werden mussten (Stand: 12.10.2021). Von den Patienten waren 119 Personen geimpft, in 10,03 Prozent der Fälle kam es dennoch zu einem Impfdurchbruch.

Immer mehr schwere Verläufe, obwohl die Zahl der Geimpften steigt – wie ist das möglich? „Dass im Laufe der Zeit mehr Impfdurchbrüche verzeichnet werden, ist erwartbar, da generell immer mehr Menschen geimpft sind und sich SARS-CoV-2 derzeit wieder vermehrt ausbreitet. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, als vollständig geimpfte Person mit dem Virus in Kontakt zu kommen“, erklärt das RKI.

Karl Lauterbach zeigte sich bereits im August besorgt über mögliche Impfdurchbrüche. Bei allen Corona-Vakzinen steige das Risiko eines Impfdurchbruchs nach sechs Monaten an. Das könnte Folgen haben: „Laut einer neuen Studie kommt es bei 19 Prozent der Menschen mit Impfdurchbrüchen zu einem Long-Covid-Problem“, sagte der SPD-Gesundheitsexperte der Funke Mediengruppe. Dabei würden sich Durchbruchsinfektionen bei den Menschen ereignen, deren Impfung länger als sechs Monate zurückliegt. Da stellt sich die Frage: Wird es für alle Zeit für eine Auffrischung der Impfung?

Nahaufnahme von Corona-Virus-Molekülen im Blutkreislauf. (Symbolbild)
COVID-19 wird uns noch lange begleiten: hier eine Nahaufnahme von Corona-Virus-Molekülen im Blutkreislauf. (Symbolbild) © Uig/Imago

Corona: Jens Spahn ist für eine dritte Auffrischimpfung – wer bekommt schon jetzt den Booster?

Wichtig sei deshalb, dass jetzt insbesondere Patienten mit gedämpftem Immunsystem eine dritte Impfdosis angeboten werde, sagt der Intensivmediziner Karagiannidis. Aus diesem Grund erwägt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ein Angebot für eine Corona-Auffrischungsimpfung für alle Bürger. Auch er zeigte sich bereits Mitte August besorgt über die Entwicklung auf den Intensivstationen, betonte aber, dass dort 90 Prozent der Menschen nicht geimpft seien.

Noch mehr spannende Gesundheits-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat mittlerweile eine Empfehlung für eine Auffrischungsimpfung für Risikopatienten und Menschen über 70 Jahren beschlossen. Nach der aktuellen Empfehlung soll folgenden Personen eine Auffrischimpfung angeboten werden, bei denen die Grundimmunisierung mindestens sechs Monate zurückliegt:

Corona: Wegen der Delta-Variante steigen die Zahlen wieder

Der Anteil der positiven Proben unter den PCR-Tests stieg laut RKI Mitte August innerhalb einer Woche von vier auf sechs Prozent. Nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts hat damit zu diesem Zeitpunkt die vierte Welle in der Corona-Pandemie* in Deutschland begonnen. 

Zurzeit seien Jüngere von Infektionen betroffen, meldet das RKI. Am Mittwoch (13.10.2021) lag die Sieben-Tage-Inzidenz nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) bei 65,4 – Mitte August hatte der Wert noch 30,1 betragen, Mitte September lag er bei 80. Er sinkt also wieder. In den letzten sieben Tagen meldeten die Gesundheitsämter dem RKI 54.415 neue Corona-Fälle (Stand: 13.10.2021).

Grund für den Anstieg seit August ist die ansteckende Delta-Variante. 98 Prozent der Neuansteckungen werden momentan durch sie verursacht und sie ist fast doppelt so infektiös wie das Vorgängervirus.

Der einzige Schutz gegen Corona ist bislang die Impfung. Vollständig geimpft sind nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums bundesweit nun 54 Millionen Menschen, das sind 65,4 Prozent der Gesamtbevölkerung (Stand: 13.10.2021). Zu wenig, betont Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Denn die Impfquote sei entscheidend bei der Frage, „wie wir über den Winter kommen“, zitiert die „Tagesschau“ den CDU-Politiker. „Impfen, impfen, impfen“ sei nicht nur der Weg, die vierte Welle und die Ausbreitung von Virusvarianten wie Delta gering zu halten – es sei der Weg hinaus aus der Pandemie: „Wir haben das Mittel in der Hand, uns in die Freiheit und Normalität zurückzuimpfen.“ (Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert)

*fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

Auch interessant

Kommentare