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Corona: Immer mehr Jugendliche leiden an Essstörungen

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Von: Laura Knops

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Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die mit Essstörungen zu kämpfen haben, hat sich während der Corona-Pandemie deutlich erhöht. Auf diese Warnzeichen sollten Eltern achten.

München – Die Corona-Pandemie kann Kinder und Jugendliche krank machen — und das über die üblichen Beschwerden und Langzeitfolgen des Virus hinaus. So hatten viele Minderjährige in den letzten zwei Jahren nicht nur mit Corona-Maßnahmen wie Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen zu kämpfen. Experten beobachten auch eine besorgniserregende Zunahme von Essstörungen im Jugendalter. Demnach ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die an Magersucht oder Übergewicht leiden, deutlich gestiegen.

Corona: Immer mehr Jugendliche leiden an Essstörungen 

Immer mehr Kinder und Jugendliche scheinen an Übergewicht und Essstörungen zu erkranken. So wurden nach dem Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit 2020 rund 60 Prozent mehr Mädchen und Jungen aufgrund einer Adipositas stationär behandelt als noch im Vorjahr. Auch bei starkem Untergewicht sowie Magersucht und Bulimie haben die Zahlen zudem deutlich zugenommen. Demnach stieg der Anteil junger untergewichtiger Patienten um rund 35 Prozent an.

Es ist eine Waage und ein Maßband zu sehen (Symbolbild).
Die Corona-Pandemie hat Kinder und Jugendliche in den letzten Jahren stark betroffen (Symbolbild). © Panthermedia/Imago

Doch gerade Mädchen scheinen von einer Essstörung betroffen zu sein. „Wir haben etwa doppelt so viele Patientinnen mit Magersucht wie vor der Pandemie auf den Stationen“, erklärt Professor Stephan Bender, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kinder- und Jugendalters des Uniklinikums Köln. Und auch bei den Kindern unter 14 Jahren scheint es nun mehr Fälle zu geben. Diese Gruppe war bisher eher selten von Magersucht betroffen, da die Krankheit meist erst in der Pubertät auftritt.

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Corona: Ist die Pandemie an den Essstörungen schuld?

Die genauen Gründe für die Zunahme der Essstörungen* sind aufgrund fehlender Daten und Langzeitbeobachtungen noch unklar. Die weggebrochenen Strukturen durch geschlossene Schulen und die Kontaktbeschränkungen haben die Kinder und Jugendlichen allerdings während der Pandemie stark belastet, wie Psychologen und Ärzte schon seit einiger Zeit berichten.

Wie junge Menschen auf die Belastungssituation der Corona-Pandemie reagieren, ist sehr unterschiedlich: Während sich die einen zurückziehen und weniger aktiv sind, fokussieren sich andere vor allem auf ihre Gesundheit und ihren Körper. Bei einigen kann dies sogar in zwanghaftem Verhalten und Essstörungen münden. Immer mehr Kinder und Jugendliche scheinen während der Corona-Pandemie zudem deutlich mehr Zeit in den sozialen Medien zu verbringen. Auch die Bilderflut und der ständige Vergleich mit anderen kann möglicherweise in einer Essstörung münden. 

Corona: Risikofaktoren für Essstörungen

Hinzu kommt, dass Menschen mit Magersucht in ihrem Alltag gerne feste Strukturen haben. Fallen diese weg, tendieren Betroffene dazu, sich einen neuen Rahmen aufzubauen. Doch hinter jeder psychischen Erkrankung steckt nicht nur eine Ursache, sondern meist mehrere Faktoren. So spielen auch Schönheitsideale, die genetische Veranlagung und der eigene Charakter eine Rolle.

Menschen mit Magersucht sind häufig sehr diszipliniert und tendieren dazu, sehr perfektionistisch zu sein. Oft bauen sie ihren Selbstwert durch gute Leistungen beispielsweise in der Schule oder im Sport auf. Die Kontrolle des eigenen Gewichts kann ein zusätzliches Gefühl von Sicherheit vermitteln.

Corona: Auf diese Alarmzeichen sollten Eltern achten

Die Zunahme von Gewicht oder ein starker Verlust können auf eine Essstörung hindeuten. Gerade Konflikte rund um das gemeinsame Essen sollten Eltern Ernst nehmen. Denn generell gilt: Ändert sich das (Ess-)Verhalten grundlegend, sollte man dies im Blick behalten*.

Doch nicht immer ist die Entwicklung von Krankheiten wie Magersucht und Bulimie so offensichtlich. So sollten Eltern immer bei Veränderungen im Verhalten ihrer Kinder aufmerksam werden. Neben Essen und Gewicht gehören dazu auch Schlaf, Freude und Mediennutzung. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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