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Corona: Drosten erwartet Kontaktbeschränkungen und Shutdown – oder 100.000 weitere Tote

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Von: Jennifer Köllen

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Christian Drosten bei einer Bundespressekonferenz zur Corona-Lage in Berlin (Symbolbild)
Corona-Zahlen hoch wie nie: Drosten erwartet Kontaktbeschränkungen und Shutdown (Symbolbild) © Jürgen Heinrich/ Imago

Der Virologe Christian Drosten schätzt die aktuelle Corona-Lage als „echte Notfallsituation“ ein. Um viele „Todesfälle zu verhindern“, brauche es jetzt härtere Maßnahmen.

Hamburg – Der Virologe Christian Drosten hat in einem Interview die aktuelle Corona-Lage in Deutschland schonungslos eingeschätzt. „Wir müssen jetzt sofort etwas machen“, sagte er im NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update“.

Drosten erwarte „einen sehr anstrengenden Winter“ und halte angesichts der Lage auf den Intensivstationen auch neue Kontaktbeschränkungen für denkbar. „Wir haben jetzt im Moment eine echte Notfallsituation“, zeigte sich der Leiter der Virologie in der Berliner Charité besorgt. (Lesen Sie auch: Vierte Welle „mit voller Wucht“ da – RKI-Chef spricht von „erschreckenden Zahlen“)

Corona-Zahlen hoch wie nie: Kontaktbeschränkungen werden laut Drosten „sicher“ kommen

Um die Intensivstationen zu entlasten, müsse man auch Maßnahmen diskutieren, „die wir eigentlich hofften, hinter uns zu haben“, sagte Drosten. Maßnahmen wie 3G oder selbst 2G reichten vermutlich nicht aus, um angesichts der Delta-Variante die Zahl der Infektionen genug zu senken. „Wir müssen also jetzt die Infektionstätigkeit durch Kontaktmaßnahmen wahrscheinlich wieder kontrollieren – nicht wahrscheinlich, sondern sicher.“ Auch „Shutdown-Maßnahmen“ schließt Drosten nicht aus. Allerdings gab der Virologe zu bedenken, dass es juristisch schwer sein könnte, breite allgemeine Kontaktmaßnahmen durchzusetzen. (Lesen Sie auch: „RKI ruft vierte Welle aus – darum haben immer mehr Geimpfte schwere Verläufe“)

Alternativ könne man auf die Boosterimpfungen setzen, sagte Drosten. „Das ist etwas, woran ich auch wirklich glaube.“ Um Todesfälle zu verhindern, müsse man zunächst die Ältesten zum dritten Mal impfen. Das ideale Ziel müsste langfristig „eine dreifach komplett durchgeimpfte Bevölkerung“ sein.

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Corona-Zahlen hoch wie nie: Drosten geht davon aus, dass jetzige Maßnahmen nicht ausreichen

Doch was ist mit den jetzigen Maßnahmen. Werden diese nicht ausreichen, um die Pandemie einzudämmen? Bayern und Sachsen, wo die Inzidenz derzeit besonders hoch ist, haben schließlich bereits schärfere Einschränkungen durchgesetzt. Doch diese seien laut Drosten „keine Garantie, dass das wirklich dazu führt, dass dieser Inzidenzanstieg durchbrochen wird“. (Lesen Sie auch „Corona trotz 2G-Regel? Darum infizieren sich bei Veranstaltungen immer mehr Geimpfte“)

Auch ein Grund: Das regelmäßige Testen sei „logistisch gar nicht zu bewerkstelligen“. Kostenlose Tests würden „als Notbremse hingestellt.“ Diese werde es aber „in keinem Fall sein“.  

Eine Alternative für härtere Maßnahmen hat Drosten nicht.* Angesichts der Erfahrungen in England mit einer ähnlich hohen Impfquote sieht der Virologe ansonsten deutlich mehr natürlichen Ansteckungen auf Deutschland zukommen – mit bis zu 100.000 weiteren Todesfällen. Mindestens, denn: „Das ist eine konservative Schätzung.“ *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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