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Wieso steigen die Corona-Zahlen in Deutschland? Virologin nennt drei Faktoren

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Von: Max Partelly

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Der Frühling ist da und die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigen trotzdem weiter. Woran liegt das?

Frankfurt – Aktuell ist noch keine Entspannung in Sicht, wenn es um die Neuinfektionen mit dem Coronavirus geht. Deren Zahl steigt stetig an und regelmäßig kommt es zu Rekordwerten. Viele Menschen fragen sich, wieso das so ist. Den einen Grund, der daran schuld ist, scheint es nicht zu geben.

Im NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update“ sprechen Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, und Christian Drosten, Professor, Lehrstuhlinhaber und Institutsdirektor an der Charité in Berlin, über die aktuellen Entwicklungen rund um Corona. In der Folge vom 15. März erklärt Ciesek mögliche drei Gründe für die vielen Neuinfektionen.

Virologin nennt drei Gründe für anhaltenden Anstieg der Neuinfektionen mit Corona

Ciesek erklärt, dass es richtig sei, dass man die Rekordwerte der vergangenen Tage nicht einfach auf ausgelassene Faschingsfeiern zurückführen könne, wie die Moderatorin im Podcast zu Beginn mutmaßt. „Grob gibt es für mich drei Dinge, die an den aktuellen Entwicklungen schuld sind“, erklärt die Virologin.

Eine blaue FFP-2-Maske liegt in der Münchner Innenstadt auf dem Bürgersteig.
Im Frühling 2022 erreichen die Fallzahlen in Deutschland immer wieder Rekordwerte. (Symbolbild) © Matthias Balk/dpa

Erster Grund: Der Omikron-Subtyp BA.2 hat sich durchgesetzt

Zunächst sei laut Ciesek der neue Omikron-Subtyp BA.2 verantwortlich für die Zunahme der Neuinfektionen: „Zum einen ist es die Variante BA.2, also der Anteil, den diese Variante einnimmt und der hat ja weiter zugenommen. Sie ist jetzt dominant geworden und sie ist im Vergleich zu BA.1 leichter übertragbar, das wissen wir ja auch.“

Mit der ersten Variante habe die zweite gemein, dass sich mit ihr sowohl Geboosterte als auch Genesene infizieren können, erklärt die Virologin. Das sei einer der Gründe dafür, dass die Zahlen wieder ansteigen.

Zweiter Grund: Verhalten der Deutschen

Als nächsten Grund führt Ciesek das lockerere Verhalten der Deutschen an: „Der zweite Grund ist das Verhalten“, erklärt sie und verweist darauf, „dass natürlich wieder mehr gefeiert wird, dass wieder mehr möglich ist.“

Dass der Fasching an den Zahlen alleine die Schuld trägt meint sie nicht, verweist aber auf die für das Virus günstigen Umstände, die zur Faschingszeit auf Feiern vorhanden waren: „Wir gucken ja immer ein bisschen zurück bei den aktuellen Zahlen – ein bis zwei Wochen und da war nunmal Karneval.“ Dass es während dieser Zeit auch vermehrt zu Infektionen kam, scheint für sie außer Frage zu stehen.

Dritter Grund: Corona wird nicht mehr als Gefahr gesehen

Besonders der Krieg in der Ukraine* soll laut Ciesek die Aufmerksamkeit von Corona weggelenkt haben. Die „Bedrohung durch die Pandemie“ nehme angesichts des Weltgeschehens ab – zumindest die Empfindung dieser Bedrohung nehme ab. „Und deshalb wird es auch nicht mehr so ernst genommen“, schließt Ciesek.

Daran ändere auch der Umstand nichts, dass mittlerweile wohl jeder im engeren Umfeld Corona-Fälle kennt. Ciesek verweist an dieser Stelle auch auf die „Haben-Seite“, auf der sie Impfstoffe sieht, „die uns sehr gut schützen vor einem schweren Verlauf, und antivirale Medikamente. Das habe „einiges von dem Schrecken genommen“. Dennoch bestehe für manche Personen immer noch ein Risiko.

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Wie geht es im Sommer mit Corona weiter?

Für den Moment steigen die Zahlen. Experten rechnen aber damit, dass sie zum Sommer hin wieder sinken werden. Der Virologe Hendrik Streeck sprach sich dafür aus, dass sogar die Maskenpflicht im Sommer fallen könne* – gab der Bundesregierung aber eine sprichwörtliche Hausaufgabe: Die Vorbereitung auf den Herbst, sodass man mit weniger strengen Maßnahmen durch den Winter kommen könne, als im letzten Winter.

Es bleibt also abzuwarten, wann sich die Lage wieder entspannt. Auch wenn man vielleicht als Allergiker kurze Schockmomente hat, ob man sich nun Omikron eingefangen hat oder das Kratzen im Hals vom Heuschnupfen kommt, empfiehlt es sich, das schöne Wetter draußen zu genießen und weiterhin etwas Acht zu geben. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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