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Schwere Verläufe und Spätfolgen: Welche Rolle spielt das Herz bei Covid-19?

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Von: Jasmina Deshmeh

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Ein Intensivmediziner steht vor einem Monitor, der die Herzaktivität anzeigt (Symbolbild)
Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems können den Verlauf von Covid-19 stark beeinflussen (Symbolbild) © Westend61/imago-images

Welchen Einfluss haben Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf einen Corona-Verlauf und welche Spätfolgen am Herzen können auftreten? Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie informiert über die wichtigsten Fragen.

Düsseldorf – Wie stark eine Covid-19-Erkrankung verläuft, hängt wesentlich von Vorerkrankungen des Patienten ab. Neben Diabetes und Übergewicht, spielen dabei auch Herzerkrankungen eine wichtige Rolle. Gerade in den letzten Wochen ist die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen wieder gestiegen. Welche Behandlungen bei ihnen nötig sind und welche Spätfolgen am Herzen sich daraus ergeben könnten, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK).

Covid-19: Auffallend lange Beatmungszeit

Im April hat die Zahl der Intensivpatienten mit Corona wieder deutlich zugenommen: 4.355 Covid-Patienten meldete das Intensivregister am 6. April auf deutschen Intensivstationen, 2.397 von ihnen mussten invasiv beatmet werden. Anders als bei anderen schweren Atemwegserkrankungen fallen dabei folgende Punkte auf:

Die Daten ergeben sich aus einer Studie mit mehr als 10.000 Patienten.

Covid-19: Lange Beatmungszeit und Intensivbehandlung haben Folgen

Wer die lange Intensivbehandlung überstanden hat, ist noch nicht gesund und muss sich auf einen langen Weg der Genesung einstellen. Prof. Dr. Uwe Janssens, Past Präsident des DIVI-Intensivregister, erklärt: „Aufgrund der sehr langen Behandlungsdauer auf der Intensivstation bildet sich bei überlebenden Patienten einer COVID-19-Erkrankung ein schweres Postintensivsyndrom aus.“

Dabei handelt es sich um verschiedene Gesundheitsstörungen, die den Patienten körperlich, kognitiv und psychiatrisch beeinträchtigen – etwa eine ausgeprägte Muskelschwäche und starke Empfindungsstörungen. Der Intensivmediziner ergänzt: „Die psychische Belastung der Angehörigen kann nur als außerordentlich bezeichnet werden. Das Risiko einer ausgeprägten posttraumatischen Belastungsstörung mit Angst und Depression muss als sehr hoch gelten.“

Covid-19: Vorerkrankungen am Herzen und Thromboserisiko

Es sei sehr gut bekannt, dass der Verlauf von Covid-19 in erheblichem Umfang von Begleiterkrankungen des Patienten abhängt, erklärt Janssens. „Hierzu zählen insbesondere die der Kardiologie wohlbekannten Risikofaktoren wie arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, Adipositas, eine vorbestehende koronare Herzerkrankung und eine vorbestehende Herzinsuffizienz. Diese Vorerkrankungen haben eine signifikante Bedeutung für die Prognose der Patienten mit COVID-19.“

So kann die bei Covid-19 oft beobachtete ausgeprägte Entzündungsreaktion im ganzen Körper bei Vorerkrankungen der Gefäße (besonders der Herzkranzgefäße) zur Aktivierung von Plaques (Ablagerungen in den Gefäßen) führen. Dabei kommt es zu einer Thrombose, die wiederum einen Herzinfarkt auslösen kann. Auch lokale Durchblutungsstörungen sind möglich, die den Herzinfarkt verschlimmern können. Durch die systematische Entzündungsreaktion kann es außerdem zu Entzündungen in den kleinsten Gefäßen kommen, es entwickelt sich eine Mikrothrombose, weshalb die Thromboseprophylaxe bei Covid-19 besonders wichtig ist.

Covid-19: Virus im Herzgewebe nachgewiesen

Prof. Dr. Dirk Westermann vom UKE Hamburg ist in einer Autopsiestudie der Frage nachgegangen, inwiefern das Virus das Herzgewebe selbst befällt und was das für Spätfolgen haben könnte. Die Ergebnisse zeigen: Bei 40 Prozent der verstorbenen Patienten lässt sich der Erreger im Herz nachweisen, obwohl die Betroffenen nicht an einer Herzmuskelentzündung litten. Allerdings verstarben diese Patienten schneller an Covid-19 als Patienten ohne kardiale Infektion.

„Trotz dieser Erkenntnisse gibt es derzeit immer noch mehr Lücken als Wissen über die Auswirkungen einer COVID-19-Erkrankung auf das Herz“, erklärt Westermann. So gebe es bisher keine Daten für überlebende Patienten. Weitere Forschung sei hier wichtig. „So könnte auch die Frage geklärt werden, ob das Herz bei schweren Verläufen auch besonders schwer betroffen ist oder ob es auch bei milden Verläufen einen langfristigen Einfluss von SARS-CoV-2 auf das kardiovaskuläre System gibt.“

Covid-19: Optimale Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wichtig

Eine Erkenntnis macht schonmal Hoffnung: Es gebe bisher keine Daten, die belegen, dass man nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 an einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) erkranke, erklärt der Experte. Ob ein Zusammenhang zwischen den oft beschriebenen Erschöpfungssymptomen nach COVID-19 und einer durch SARS-CoV-2 ausgelösten kardialen Erkrankung besteht, sei noch völlig unklar. „Für Patienten nach überstandener COVID-19-Erkrankung bedeutet das, kardiale Symptome immer rasch mit der richtigen Diagnostik abklären zu lassen“, so Westermann. Zur Prävention sei es auch wichtig, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems weiter optimal zu behandeln, da sie die Schwere einer Covid-19-Erkrankung negativ beeinflussen können.*

*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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