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Darmkrebs: Mit mRNA-Technik bald Impfstoffe gegen Karzinome?

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Von: Jennifer Köllen

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Die Entwicklung der mRNA-Impfstoffe gegen Corona könnte bald auch Krebspatienten nützen. In Bochum wird jetzt die Impfung gegen Darmkrebs getestet.

Bochum – Die Entwicklung der mRNA-Impfstoffe gegen Corona könnte bald auch Krebspatienten nützen. Forscher hoffen, dass sie den Immunsystemen von Krebskranken mit Hilfe von mRNA beibringen können, Eiweiße von Tumorzellen als fremd zu erkennen. Dann könnte die Körperabwehr Krebszellen abtöten, die sie zuvor übersehen habe, berichtet der „Mitteldeutsche Rundfunk“.

Biontech testet bereits das Mittel BNT111, das mithilfe der mRNA-Technologie hergestellt wurde und verträglicher sein soll als aktuelle Methoden der Krebstherapie. Es soll bei Krebspatienten im fortgeschrittenen Stadium eingesetzt werden, deren Tumore schon Metastasen gebildet haben. Außerdem soll es als Anschlusstherapie nach OPs, bei denen der Tumor entfernt wurde, genutzt werden.

Das Biontech-Mittel BNT111 gegen schwarzen Hautkrebs hätte sich bei vielen Studienteilnehmern als so wirksam erwiesen, dass es von der amerikanischen Gesundheitsbehörde (FDA) den sogenannten Fast-Track-Status bekommen hätte, wie die Tageszeitung „FAZ“ berichtet. Das bedeutet: Für den Wirkstoff gilt ein beschleunigtes Verfahren in der Arzneimittelzulassung. Ob der Impfstoffkandidat tatsächlich gut wirke, müsse sich in der letzten und entscheidenden klinischen Testphase 3 mit Tausenden Probanden zeigen.

Darmkrebs: Mit mRNA-Technik bald Impfstoffe gegen Karzinome?

Mediziner des Projektes „Colopredict Plus Register“, an das mehr als 190 Darmkrebszentren und onkologische Schwerpunktpraxen aus ganz Deutschland angeschlossen sind, befinden sich gerade in der internationalen Phase-2-Studie für den Darmkrebs-Impfstoff BNT122 (iNeST) des Mainzer Unternehmens Biontech. Anfang Oktober teilte Biontech mit, dass der erste Patient das Darmkrebs-Mittel BNT122 im Rahmen dieser klinischen Studie erhalten hatte. Bei der Studie nehmen rund 200 Patienten aus den Vereinigten Staaten, Spanien, Belgien und Deutschland teil.

Die Hoffnung und das Ziel der Mediziner: Das „Impfen“ gegen Karzinome wie Darmkrebs (Kolonkarzinom) in Form einer individualisierten Immuntherapie möglichst schnell zur Normalität werden zu lassen. „Wir sehen sehr gute Chancen für eine neue Substanzklasse, die uns wirklich weiterhilft“, sagt die Onkologin Anke Reinacher-Schick im Gespräch mit der „FAZ“. Der individualisierte Ansatz, bei dem jeder Patient ein auf seinen Tumor abgestimmtes Medikament bekomme, sei überzeugend und vielversprechend. „Anders als bei der Corona-Impfung wird die Impfung bei Darmkrebs nicht nach dem Gießkannenprinzip gegeben, sondern auf den jeweiligen Einzelfall maßgeschneidert.“

Darmkrebs Grafik Symbolbild
Kann man mit mRNA-Impfstoffen bald den Darmkrebs bekämpfen? (Symbolbild) © Imago

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Darmkrebs: Individuelle Medikamente für jeden Patienten

Und so ist das Vorgehen: Bei etwa 20 Prozent der Patienten bilden sich auch nach Chemotherapie und Darmkrebs-OP wieder Wucherungen beziehungsweise wachsende Tumorherde. Bei der Biontech-Studie versuchen die Wissenschaftler, mit Hilfe eines hochempfindlichen Tests frühzeitig zu erkennen, ob bei Patienten noch kleinste Tumorbestandteile im Blut zu erkennen sind. Wenn dann gefährliche Biomarker festgestellt werden, besteht ein erhöhtes Rückfallrisiko.

Hier setzt die neue Behandlung ein: Patienten wird auf der Basis ihrer Tumorgewebes ein individuelles mRNA-basiertes Medikament hergestellt. Dieses bekommt der Patient nach seiner Chemotherapie. Mit Hilfe der mRNA-Technik solle laut „FAZ“ das Immunsystem der Patienten so stimuliert werden, dass es Krebszellen als fremd erkennt – und vernichtet.

Das Interesse an der Studie sei groß, berichten Mediziner der Studie 2 im Universitätsklinikum Bochum. Im Januar soll der erste Patient das für ihn hergestellte Immunpräparat erhalten. Bis Herbst 2022 sollen 800 Patienten gescreent werden, um die insgesamt 100 deutschen Probanden für die Phase-2-Studie zu identifizieren.

Aber: Das Allheilmittel für Darmkrebs gibt es dennoch noch nicht. „Wegen unseres Lebensstils wird es immer ein Darmkrebsrisiko geben“, sagt die Pathologin Andrea Tannapfel zu „FAZ“. Doch auch mit Hilfe der neuen Technik könne man das Rückfallrisiko stark reduzieren. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteuren und Redakteurinnen leider nicht beantwortet werden.

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