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Delta-Variante des Coronavirus: Was im Herbst auf uns zukommen kann

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Von: Kristina Wagenlehner

Alpha brachte die dritte Welle. Bringt Delta im Herbst Deutschland die vierte Welle? Was diese Variante des Coronavirus so gefährlich macht.

Berlin – Aktuell wirkt die Corona-Lage entspannt. Die Biergärten und Restaurants schenken aus, Paare dürfen wieder in größerer Gesellschaft heiraten. Viele fürchten aber die Delta-Variante des Virus. „Delta ist so ernst wie es nur geht“, schrieb der US-Epidemiologe Eric Feigl-Ding kürzlich auf Twitter.

Delta-Variante des Coronavirus: Die Entwicklung in Deutschland

Wochenlang hatten Berichte des Robert Koch-Instituts (RKI) mit Auswertungen von Stichproben keine merkliche Zunahme des Delta-Anteils an den Infektionen erkennen lassen. Das hat sich jetzt geändert: Jede Woche werden doppelt so viele Fälle der Delta-Variante des Coronavirus gemeldet wie zuvor. Damit stellt sich ein Tempo ein, das von Virologen befürchtet wurde. Insgesamt ist die Sieben-Tage-Inzidenz im Land aber weiter rückläufig und sehr niedrig. Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, sieht in der Entwicklung keinen Grund zur Panik, hält Wachsamkeit aber für angebracht: Es könnte ein Kipppunkt sein.

Delta-Variante des Coronavirus: Gefährlicher als bisherige Varianten

Die Delta-Variante gilt als gefährlicher als bisher bekannte Coronavirus-Varianten. Warum? Weil sie ansteckender ist. Beim ursprünglichen Coronavirus infizierte ein Erkrankter ohne Schutzmaßnahmen rund drei bis vier andere Menschen. Während es bei der Alpha-Variante bereits rund fünf Ansteckungen waren, kommen bei Delta kommen weitere 40 bis 60 Prozent hinzu.

Außerdem kann die Delta-Variante den Schutz nach einer Impfung oder einer durchgemachten Infektion leichter umgehen. Wer vollständig geimpft ist, ist auch bei Delta vor schwerer Erkrankung geschützt. Bei Personen, die bisher nur eine Dose erhalten haben, sei der Effekt jedoch nicht so gut.

Delta-Variante des Coronavirus: Anstecken im Vorbeigehen?

Delta-Ausbruch im Einkaufszentrum? Der Epidemiologe Feigl-Ding berichtete auf Twitter, dass es in einem australischen Einkaufzentrum zu einem Delta-Ausbruch gekommen sei – ohne engen, direkten Kontakt zu Infizierten. Quasi im Vorbeigehen angesteckt. Aber ist das überhaupt möglich? Das RKI sagt dazu, dass solche Berichte generell schwer zu bewerten seien. Es sei ein zentrales Merkmal von Übertragungen über Aerosole (in der Luft schwebende Mini-Tröpfchen), dass sie unbemerkt geschehen und daher eine Zuordnung zu einem bestimmten Kontakt schwierig ist. Flüchtige Kontakte seien auch generell schwer zu erfassen. Das RKI sagt aber auch: „Die hohen Ansteckungsraten in Haushalten und bei Ausbrüchen durch Delta weisen darauf hin, dass Delta noch leichter übertragbar ist als Alpha, auch ohne engen Kontakt.“

Grundsätzlich sei laut Ralf Bartenschlager, Präsident der Gesellschaft für Virologie, „eine Ansteckung auch ohne direkten, engen Kontakt möglich“. „Eine mögliche Übertragung im Rahmen eines „Flüchtigkeitskontakts“ ist zum Beispiel ein schlecht durchlüfteter Aufzug, in dem eine infizierte Person mit hoher Viruslast in der Ausatemluft gefahren ist.“ Hier könne sich eine Aerosolwolke sehr lange halten und eine Infektion stattfinden, ohne dass es zu einem direkten Kontakt gekommen ist. Ob es zu einer Ansteckung kommt, hänge aber immer von mehreren Parametern ab, wie zum Beispiel:

Auch gegen die Delta-Variante seien die Regeln zum Abstandhalten, Hygiene, Alltag mit Maske, Nutzung der Corona-Warn-App und Lüften wirksam und böten einen Schutz vor Ansteckung. „Man muss sie aber noch konsequenter einhalten, da diese Variante noch leichter übertragen wird.“, sagt Bartenschlager.

Delta-Variante des Coronavirus: Schülerinnen und Schüler in Gefahr?

Fachleute befürchten, dass die Delta-Variante sich vor allem in den Gruppen der Teil- oder Ungeimpften verbreiten wird – und das betrifft Millionen Deutsche. Für Kinder unter 12 Jahren gibt es zudem keinen zugelassenen Impfstoff, für die 12- bis 18-Jährigen empfiehlt die Ständige Impfkommission in Deutschland die Immunisierung nur bei Vorerkrankungen. Diese Variante könnte sich also vor allem bei ungeimpften Schülerinnen und Schülern ausbreiten – vor allem, wenn nach den Sommerferien die Schulen wieder öffnen.

In Regel haben Jugendliche keine schweren Covid-19-Verläufe zu befürchten. Das Virus einfach „laufen“ zu lassen, keine Maßnahmen einzuleiten und Infektionen zu riskieren, scheint allerdings laut dem Modell eines Teams um Kai Nagel von der TU Berlin keine gute Idee zu sein. Wie die Wissenschaftler in einem aktuellen Bericht schreiben, würden sich demnach bei Schulöffnungen ohne Schutzmaßnahmen sehr viele Schülerinnen und Schüler anstecken, „was schlussendlich auch zu einem Anstieg der Krankenhauszahlen führen würde“. Der Grund: Nicht alle Erwachsenen können oder wollen sich impfen lassen. Außerdem sind auch Jugendliche nicht von den Spätfolgen von Covid gefeit.

Delta-Variante des Coronavirus: Quarantäne auch für Geimpfte

Zumindest gibt es die Hoffnung, dass Kinder und Jugendliche durch ein geimpftes Umfeld etwas abgeschirmt werden können. Wie im Fall von Ausbrüchen der Delta-Variante in Schulen und Kitas gehandelt wird, ist noch offen. Wer aber Kontakt zu einer infizierten Person hatte, egal ob Kind oder Erwachsener, dem droht die Quarantäne – auch wenn die Kontaktperson bereits geimpft wurde. Bei mit Varianten Infizierten empfehle man „grundsätzlich immer Quarantäne für geimpfte und genesene Kontaktpersonen“, hieß es vom RKI. Eine Ausnahme sei Alpha.

Delta-Variante des Coronavirus: Ausblick – wie geht es weiter?

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Delta-Variante im Sommer ausgiebig zirkulieren wird“, hieß es von der EU-Gesundheitsbehörde ECDC. Schätzungsweise werde Delta bis Ende August einen Anteil von 90 Prozent an den Corona-Infektionen in der EU und Norwegen, Island und Liechtenstein ausmachen. Gewarnt und gemahnt wird vor allem vor Einschleppungen der Delta-Variante von Reiserückkehrern und der Fußball-EM. Diese Reiseziele betrifft die Delta-Variante derzeit am stärksten.*(Mit Material der dpa)

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden

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