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Postnatale Depression oder Baby Blues? Welche Mütter sind gefährdet

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Von: Natalie Hull-Deichsel

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Depressive Mutter hält neugeborenes Baby von sich weg. (Symbolbild)
Postnatale Depression betrifft nicht wenige Frauen, doch nur wenige können damit umgehen oder darüber sprechen. (Symbolbild) © Ikon/Imago

Das Baby ist da! Ein neuer, schöner Lebensabschnitt kann beginnen – eigentlich. Müttern mit postnataler Depression fällt eine enge Bindung zunächst schwer.

Michigan – Viele schwangere Frauen und ihre Partner sowie frischgebackene Eltern stolpern im Rahmen ihrer Familienplanung auch über die Themen Baby Blues und postnatale Depression. Die meisten werden sich wahrscheinlich zunächst denken, dass es sie nicht „erwischen“ wird. Doch Tatsache ist, dass auch Mütter davon betroffen sein können, die es möglicherweise nicht vermuten.

Während sich manche (werdende) Mütter nicht vorstellen können, keine enge Bindung zu ihrem Kind zu entwickeln, so ist es für andere Frauen wiederum bereits während der Schwangerschaft schwierig, sich den neuen Lebensabschnitt vorzustellen. Beide Empfindungen sind nicht ungewöhnlich, ist es doch gerade für Erstgebärende eine komplett neue Welt, die sie „betreten“.

Postnatale Depression oder Baby Blues? Diese Mütter sind gefährdet

Baby Blues und postnatale Depression – Wo ist der Unterschied? Der sogenannte Babyblues tritt meist in den ersten Tagen nach der Geburt auf. Viele Frauen überkommt es dann schlagartig, ein trauriges, überforderndes Gefühl, meist ab dem Zeitpunkt, wenn sie zu Hause auf sich gestellt sind. Bei etwa 75 Prozent der werdenden Mütter kann es nach der Entbindung zu einem Babyblues kommen, der in den meisten Fällen nach wenigen Tagen vorübergeht.

Die neuen Aufgaben mit dem Kind können manche Mütter mental überfordern und belasten – so stark, dass sie nicht selten alleine aus dieser Spirale nicht mehr heraus kommen. Situationen, in denen das Neugeborene fortlaufend schreit, Mütter sich erschöpft fühlen, unter Schlafmangel leiden, verstärken die depressiven Gedanken noch zusätzlich. Dabei hat sich in einer Studie gezeigt, dass es für das Kind nicht schädlich ist, wenn Eltern nicht immer und sofort nach ihrem Nachwuchs sehen. Ganz im Gegenteil: Kinder würden mit den Monaten ruhiger, wenn ihre Eltern sie auch mal schreien ließen und nicht sofort kontrollierten, sobald sie weinten.

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Postnatale oder postpartale Depression?

Der häufig verwendete Begriff „postnatal“ ist streng genommen in Bezug auf die Mutter nicht korrekt gewählt. Denn mit postnatal beschreibt man die Zeit nach der Geburt, bezogen auf das Kind. Postpartal hingegen ist der Zeitraum nach der Entbindung, von der Mutter ausgehend. Die medizinisch korrekte Bezeichnung ist demnach „Postpartale Depression“.

Eine postpartale Depression, auch bekannt als Wochenbettdepression, kann sich über das erste Jahr nach der Geburt und darüber hinaus entwickeln. Betroffene Mütter leiden in dem Fall unter langanhaltenden Stimmungstiefs, mit dem Gefühl von Hoffnungslosigkeit. Nicht selten schotten sie sich sozial ab, können nicht so leicht mit ihrem Neugeborenen unter Menschen gehen.

Eine postpartale Depression ist für Betroffene eine äußerst belastende und subjektiv betrachtet ausweglose Situation. Umso wichtiger ist es, dass das direkte Umfeld – Partner, Familie – auf mögliche Anzeichen achten und sich der betroffenen Mutter annehmen, indem sie ärztliche und psychologische Hilfe hinzuziehen. „Sei doch nicht so depressiv! Du hast ein gesundes Kind, das ist doch schön.“ sind Äußerungen, die Betroffenen nicht wirklich helfen. Müttern mit postpartaler Depression fällt es selbst häufig schwer, sich proaktiv Hilfe zu suchen. Die eingeschränkten sozialen Möglichkeiten während der Corona-Pandemie verstärkten diesen Umstand zusätzlich. Für Eltern mit postpartaler Depression oder ohnehin depressive Menschen birgt Corona zusätzlich eine psychische Gefahr.

Postpartale Depression bei Müttern – Alter, Psyche und die Anzahl der Kinder spielen eine Rolle

Laut Studienergebnissen der Universität für Medizin Pisa und der Universität für Psychologie Florenz ist die Entwicklung einer Wochenbettdepression mit mehreren Risikofaktoren verbunden. Nicht nur das Alter der Frau, eine psychische Vorbelastung, die Qualität der Bindung zum Partner und äußere Einflüsse spielen eine wichtige Rolle. Was herausgefunden wurde, ist, dass erstgebärende Mütter ein höheres Risiko für postpartale Depressionen als andere junge Mütter entwickeln. Zudem ist das Risiko in den ersten drei Monaten der Elternschaft am größten, wie die Studie zeigt. Möglicherweise könnte sich schon bald eine genetische Vorbelastung für eine Depression über einen herkömlichen Bluttest nachweisen lassen und so werdende Mütter auf ihr Risiko einer postpartalen Depression hinweisen.

Ein Kaiserschnitt ist ebenfalls ein Risikofaktor für die Entwicklung einer postpartalen Symptomatik. Dennoch scheint der Kaiserschnitt als Entbindungs-Methode in Deutschland heutzutage stark nachgefragt zu sein.

Corona beeinflusst die Häufigkeit von postpartalen Depressionen

Wie einschneidend äußere Einflüsse beispielsweise der Corona-Pandemie sein können, zeigt eine aktuelle Studie der Universität in Michigan. Dabei stellen Forscher fest, dass mindestens eine von drei erst gebärenden Müttern eine postpartale Depression während der frühen COVID-19-Pandemie entwickelte. Das sind dreimal so viel Betroffene wie vor Corona. Jede fünfte hatte schwere depressive Symptome.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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