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Diabetes und Corona: Zuckerkranke trifft Covid-19 härter

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Von: Kristina Wagenlehner

Eine Frau nutzt ihr Smartphone, um ihren Blutzucker zu messen. (Symbolbild)
Neue Erkenntnisse könnten erklären, warum eine Corona-Infektion bei Typ-2-Diabetikern gefährlicher sein kann. (Symbolbild) © Dominik Bund/Imago

Diabetikerinnen und Diabetiker erkranken schwerer an Corona bzw. Covid-19. Warum das so ist, haben US-Wissenschaftler nun herausgefunden.

Ann Arbor/Michigan – Amerikanische Wissenschaftler haben im Tierversuch herausgefunden, warum Diabetikerinnen und Diabetiker schwerer an dem Coronavirus erkranken. Der Grund: Eine Infektion löst häufig einen Zytokinsturm aus, bei dem zu viele Zytokine freigesetzt werden.

Diabetes und Corona: Risikofaktoren eines schweren Verlaufs von Covid

In den westlichen Ländern gehören neben dem Alter und einem geschwächten Immunsystem Adipositas und Typ-2-Diabetes zu den wichtigsten Risikofaktoren eines schweren Verlaufs von COVID-19. Laut Ärztezeitung ist für den Tod der Patienten meist Zytokinsturm ver­antwortlich. Zytokine sind Botenstoffe, die maßgeblich an den Entzündungsvorgängen in der Haut beteiligt sind.

Freigesetzt werden die Zytokine von den Makrophagen, den sogenannten Fresszellen des Immunsystems. Diese Fresszellen gehören zu den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und töten Viren, Bakterien und andere krankmachende Mikroorganismen. Doch Diabetes ist nicht nur Risikofaktor für einen schweren Verlauf, eine Corona-Infektion kann auch Diabetes auslösen.*

Diabetes und Corona: Fresszellen lösen tödliche Reaktion aus

Das Team von Katherine Gallagher der Universität von Michigan in Ann Arbor hat die Rolle der Fresszellen (Ma­kro­phagen) im Tierversuch analysiert. Wurden die Mäuse mit dem murinen, also dem Maus betreffenden, Hepatitis-Virus A59, das zu den Coronaviren gehört, infiziert, konnte das den gefährlichen Zytokinsturm auslösen. Die Viren erreichten dies, indem sie dafür sorgten, dass das Enzym SETDB2 weniger gebildet wurde. Ein Mangel von SETDB2 wird mit einer schlechteren Wundheilung in Verbindung gebracht.

Diabetes und Corona: Enzym-Mangel als Ursache

Gallagher hatte in früheren Studien herausgefunden, das dieses Enzym – SETDB2 – bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ohnehin weniger aktiv ist und dafür sorge, das Wunden, wie bei Diabetes häufig, schlechter heilen.

Gallagher ist überzeugt, dass „die verminderte Produktion von SETDB2 in den Makrophagen für die Wundheilungsstörungen verantwortlich ist“, schreibt die Ärztezeitung. Infiziert sich also eine Person, die gleichzeitig an Typ-2-Diabetes erkrankt ist, kann das, die bereits durch den Diabetes verminderte Enzym-Produktion, weiter senken.

Diabetes und Corona: Interferone für Diabetiker?

Interferone konnten in manchen Studien das Beatmungsrisiko von Corona-Patienten senken und einen stationären Aufenthalt reduzieren. Empfohlen werden sie bei einer Corona-Erkrankung aber noch nicht, da die Studienlage noch nicht ausreicht. Interferone sind Proteine, die das Immunsystem anregen und gegen Viren und Tumore vorgehen. Die Wissenschaftler aus Michigan gehen davon aus, dass Interferone auch für Diabetikerinnen und Diabetiker nützlich sein könnten. Zum Beispiel, wenn sie verabreicht werden, bevor der Zytokinsturm beginnt. Allerdings muss dieser Effekt in weiteren Studien untersucht werden.

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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