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Entwässerungstabletten gegen Alzheimer? Wirkstoff soll gegen unheilbare Störung helfen

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Von: Jasmin Pospiech

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Die Alzheimer-Forschung arbeitet unermüdlich an Behandlungsmethoden der häufigsten Form der Demenz. Nun ist sie auf ein ungewöhnliches Mittel gestoßen.

San Francisco – Die Alzheimer-Forschung geht davon aus, dass mehrere Faktoren die unheilbare Störung des Gehirns verursachen. Demnach kann eine Kombination aus Veranlagung, Lebensstil und Umwelteinflüssen dazu führen, dass manche Menschen häufiger an dieser Form der Demenz erkranken.

Dabei lagern sich Eiweiße, sogenannte Alzheimer-Plaques, an den Nervenzellen im Gehirn an, was dazu führt, dass diese mit der Zeit absterben. In Studien wird daher versucht, Therapieformen für Betroffene zu finden. Da aber das Geschehen multifaktoriell ist, ist es schwierig, ein einzelnes Medikament auszumachen, das gegen Alzheimer helfen kann.

Entwässerungstabletten gegen Alzheimer? Wirkstoff darin soll gegen unheilbare Störung helfen

Doch kürzlich haben US-Forscher eine interessante Entdeckung gemacht. Als sie Behandlungsmöglichkeiten für Menschen, die eine genetische Veranlagung haben, an Alzheimer zu erkranken, untersucht haben, sind sie auf den Arzneistoff Bumetanid gestoßen. Dabei handelt es sich um einen Wirkstoff, wie er in frei verkäuflichen Entwässerungspillen vorkommt. Diese sogenannten Diuretika gelten als harntreibend und blutdrucksenkend.

Eine Frau nimmt eine Tablette mit einem Glas Wasser ein. (Symbolbild)
Flüssigkeitsansammlungen im Körper können Krankheiten begünstigen. „Wassertabletten“ versprechen Abhilfe. (Symbolbild) © Christin Klose/dpa

Ihr Ergebnis: Bumetanid soll tatsächlich einen therapeutischen Nutzen haben, der neurodegenerativen Erkrankung nicht nur vorzubeugen, sondern sie auch zu bekämpfen. Das haben die US-Wissenschaftler jetzt im medizinischen Wissenschaftsjournal „Nature Aging“ veröffentlicht.

Dazu haben die Forscher Gehirn-Proben von Alzheimer-Patienten analysiert, um den mit Abstand wichtigsten genetischen Risikofaktor, eine spezielle Variante des für Apolipoprotein E (ApoE) kodierenden Gens, zu bestimmen.

Entwässerungstabletten gegen Alzheimer? Wirkstoff Bumetanid im Fokus

Laut Ko-Autorin Dr. Marina Sirota, Ph.D. und außerordentliche Professorin am Bakar Computational Health Sciences Institute (BCHSI) der University of California in San Francisco (UCSF) sind sie folgendermaßen vorgegangen: „Wir haben fieberhaft nach Erbinformationen untersucht, die in Verbindung mit der Alzheimer-Erkrankung stehen – also, ob bestimmte Gene an- oder ausgeschalten werden – und mit einer Vielzahl von für den Verkauf zugelassenen Arzneimitteln verglichen. Wir wollten sehen, welche Bestandteile die Begleiterscheinungen der Krankheiten lindern können.“ (Studie zu Trash-TV: Zu viel davon lässt unsere Hirne schrumpfen)

Dazu haben die Forscher eine spezielle Software umfunktioniert, um Arzneistoffe zu analysieren, die auch für andere Zwecke eingesetzt werden können – und sind dabei auf Bumetanid gestoßen. „Es war eines unserer ersten Treffer, als wir die Daten ausgewertet haben, weshalb wir es genauer untersucht haben“, erklärt Sirota gegenüber dem medizinischen Fachblatt Medical News Today.

Um ihre Ergebnisse zu validieren, haben die Forscher in Tierstudien Mäuse genetisch verändert, sodass sie Alzheimer-Symptome entwickelt haben. Dann haben sie die Nagetiere mit Bumetanid behandelt und sie diversen kognitiven Leistungstests unterzogen. Nebenbei haben sie auch an ihnen Gehirnbiopsien vorgenommen, um den Mechanismus dahinter, wie Bumetanid genau auf Nervenzellen wirkt*, zu verstehen.

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Entwässerungstabletten gegen Alzheimer? Bumetanid zeigt vielversprechende Ergebnisse

Abschließend hat das Team noch Hautzellen einer Person, die die Alzheimer-Genvariante aufweist, entnommen und daraus mithilfe gentechnisch veränderte ApoE-Nervenzellen hergestellt. Auch diese Zellen sind mit Bumetanid behandelt und mit einer Kontrollgruppe verglichen worden. Mit dem verblüffenden Ergebnis, dass auch diese ebenfalls positiv auf den Wirkstoff reagiert haben.

Darüber hinaus haben die Forscher feststellen können, dass sich das Erinnerungsvermögen der Tiere verbessert hat und sogar deren Gehirnzellen besser auf Stimuli angesprochen haben, indem neue Neuronen-Verbindungen geknüpft worden sind. Schließlich soll Bumetanid auch an Alzheimer-Patienten getestet worden sein.

Dabei habe sich der Studie zufolge gezeigt, dass Probanden, die eine Behandlung mit dem Diuretika erhalten haben, ein geringeres Risiko entwickeln, an Alzheimer zu erkranken als diejenigen ohne Zugang zum Arzneistoff. Da allerdings die Studienlage noch sehr überschaubar ist, müssen weitere Untersuchungen zeigen, ob das Diuretika eine mögliche „Waffe“ im Kampf gegen die Alzheimer-Erkrankung darstellt, heißt es abschließend. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA..

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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