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Helikopter-Eltern: Kinder werden „schwache Persönlichkeiten“

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Von: Judith Braun

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Kinder sollten zu starken Persönlichkeiten erzogen werden. Eine überfürsorgliche Erziehung schadet ihnen jedoch in der Entwicklung.

Der Erziehungsstil von sogenannten Helikopter-Eltern zeichnet sich durch Überbehütung aus. Sie schwirren wie Helikopter um die Kleinen, damit ihrem Nachwuchs nichts Negatives widerfährt. Dies tun sie allerdings auch in Situationen, in denen ein solches Verhalten nicht angemessen ist und in denen ihre Kinder etwas lernen und daran wachsen könnten.

Damit rauben sie ihnen wichtige Erfahrungen. Die Folgen einer solchen Erziehung können bis ins Erwachsenenalter anhalten. Der Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsforscher Prof. Klaus Hurrelmann erklärt, warum es heutzutage immer häufiger zu diesem Verhalten bei Eltern kommt und wie es sich auf die Persönlichkeiten von Kindern auswirken kann.

Helikopter-Eltern: Kinder werden „schwache Persönlichkeiten“

Ein Kind weint und streckt seine Hände nach oben
Überfürsorgliche Eltern erziehen ihre Kinder zu „schwachen Persönlichkeiten“, mahnt ein Bildungsforscher. (Symbobild) © Cavan Images/IMAGO

Kinder sind heutzutage einem überfürsorglichen Erziehungsstil und gleichzeitig einem hohen Leistungsdruck vonseiten der Eltern ausgesetzt, so Hurrelmann gegenüber Focus Online. Helikopter-Eltern fällt es beispielsweise schwer loszulassen, deshalb gewähren sie den Kindern nicht genügend Freiraum, um selbst Erfahrungen zu machen. „Sie sind zu dicht an ihrem Kind dran und müssten eigentlich einen Schritt zurücktreten“, erklärt der Wissenschaftler. Die Folge davon ist, dass Kinder trotzig werden, Aufgaben abbrechen und hinschmeißen, um so Frustration zu meiden.

Ein weiterer Fehler, den Eltern oftmals machen, ist laut Hurrelmann, dass sie sich als Partner des Kindes verstehen und alles mit ihm zusammen machen. „Dabei kann das Kind nicht lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und es kann dann auch nicht lernen, mit einer Enttäuschung auf angemessene Weise umzugehen.“ Ein Beispiel dafür ist, wenn Eltern für ihr Kind das Erledigen der Hausaufgaben übernehmen, weil es beispielsweise im Unterricht schwer mitkommt. Oder die Eltern stecken viel Mühe in die Unterstützung beim Erledigen der Aufgaben und trotzdem bringt das Kind eine schlechte Arbeit nach der anderen nach Hause.

Für die Kinder sei dies dann unerträglich und nur schwer auszuhalten. „Weil die Mutter oder der Vater so intensiv mit ihnen gearbeitet haben und trotzdem ist nichts draus geworden“, meint der Forscher. Durch das starke Einmischen der Eltern setzen sie ihr Kind unbewusst unter Druck und stellen hohe Erwartungen an ihre Schützlinge. Dieses Verhalten belastet dann wiederum das Kind. „Und es verhindert, dass das Kind sich traut, auch mal einen Fehler zu machen und diesen einzugestehen. Viele haben das Gefühl, dass sie sich keinen Fehltritt leisten dürfen, weil sie sonst ihre Eltern verletzen und enttäuschen könnten.“

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Bildungsforscher warnt vor Folgen durch überfürsorgliche Erziehung

Der Grund für ein solches Verhalten der Eltern liegt laut dem Experten in irrationalen Ängsten. Eltern spüren die Unsicherheit in der Gesellschaft, so Hurrelmann. Sie mischen sich so stark ein, weil sie glauben, dass die Gefahren an jeder Ecke lauerten und sie ihr Kind beschützen müssten. Das entspricht jedoch nicht der Realität und ist gegen jede Vernunft und Rationalität: „In Wirklichkeit passieren täglich immer weniger Übergriffe, das Risiko, dass man in einen Unfall verwickelt wird, ist sehr klein, die Gewalt auf den Straßen allgemein ist zurückgegangen.“

Die Folgen eines überfürsorglichen Erziehungsstils und die Prognose für die Zukunft der Kleinen sind fatal. „Wenn Kinder nie lernen, Enttäuschungen oder Rückschläge hinnehmen zu müssen, werden sie zu schwachen Persönlichkeiten“, meint Hurrelmann. Den Kindern müsste gestattet werden, auch mal dem Alter entsprechend Risiken eingehen zu dürfen. Nur dann könnten sie lebenstüchtig werden. Die Lösung des Problems sieht der Professor in Eltern-Trainings, bei denen den ihnen die Angst vor dem Versagen genommen wird. Zudem kann die Erziehung bestimmter Elterntypen auch negative Denkmuster im Erwachsenenalter fördern.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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