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Gesichtsblindheit: Warum manche Menschen nur unfreundlich wirken

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Von: Christine Pander

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Eine junge Frau schaut durch ein Fernglas und ist erstaunt (Symbolbild)
Wer gesichtsblind ist, dem hilft auch ein Fernglas nicht (Symbolbild) © ray/ Imago

Der neue Kollege grüßt nicht? Es ist irritierend, wenn jemand Bekanntes nicht „Hallo“ sagt. Doch dahinter muss nicht zwangsläufig Unhöflichkeit stecken.

München – Vielleicht kennen Sie das: Sie grüßen jemanden, den Sie kennen, und er antwortet nicht. Komisch, oder? Was ist denn da los? Nicht immer steckt dahinter Unfreundlichkeit oder Absicht vom Gegenüber. Es kann auch sein, dass dieser Mensch die Diagnose „Gesichtsblindheit“ hat. Menschen, die darunter leiden, erkennen weder ihre eigenen Familienmitglieder noch Arbeitskollegen oder Freunde ohne Weiteres. Fachleute sprechen auch von Prosopagnosie, umgangssprachlich ist Gesichtsblindheit der geläufige Begriff.

Gesichtsblind: Ein Gendefekt steckt meistens dahinter

Wie es dazu kommt, dass manche Menschen ihr bekanntes Gegenüber nicht ohne weiteres erkennen, ist relativ gut erforscht: Meist steckt ein angeborener Gendefekt dahinter. Sehr selten kann auch eine Schädigung bestimmter, für die Gesichtserkennung wichtiger Nervenzellen im Hirn, etwa in Folge eines Schlaganfalls oder einer Hirnentzündung, die Ursache sein.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein bis zwei Prozent der Weltbevölkerung davon betroffen sind, erklärt der Arzt und Neurowissenschaftler Valentin Riedl, der den Dokumentarfilm „Lost in face“ dazu gemacht hat. Auf Deutschland heruntergerechnet sind in etwa 800.000 bis 1,6 Millionen Menschen betroffen.

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Gesichtsblind: Eine ursächliche Therapie gibt es nicht

Die Wahrnehmungsstörung kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Sie zu diagnostizieren, ist nicht immer einfach – laut dem Institut für Humangenetik am Uniklinikum Münster sind verhaltenspsychologische Tests wie der Cambridge Face Memory Test hier die Methode der Wahl.

Eine allgemein gültige Therapie für Prosopagnosie gebe es nicht, sagt Riedl. Viele gesichtsblinde Menschen entwickelten aber ganz eigene Strategien zur Kompensation. Dennoch bringt Betroffene ihr Defizit beim sozialen Miteinander oft in Schwierigkeiten. Wie beispielsweise Roboter einer Studie zufolge gegen soziale Einsamkeit helfen können, lesen Sie hier.*(Mit Material von dpa). *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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