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Weniger Herzinfarkte im Lockdown: Weil die Leute nicht mehr vor die Türe gehen?

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Von: Jasmin Farah

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Eine neue Studie zeigt: Im Corona-Lockdown haben weniger Leute einen Herzinfarkt. Forscher vermuten einen Zusammenhang mit der Luftverschmutzung.

San Francisco – Dass Luftverschmutzung krank machen kann, wissen Experten schon länger. Diese soll nicht nur Atemwegserkrankungen begünstigen, sondern auch das Herz schädigen können. Es gibt bereits mehrere Belege in der Forschung, die zeigen: Rußpartikel sowie Smog in der Luft können bei Menschen, die dafür anfällig sind, wie Senioren oder chronisch Kranke, das Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle steigern.

Weniger Herzinfarkte im Lockdown: Weil die Leute nicht mehr vor die Türe gehen?

Eine neue Studie der University of California hat jetzt zudem erstaunliches herausgefunden: In der Zeit des Corona-Lockdowns seit März 2020 soll die Zahl der Herzerkrankungen in den USA stark zurückgegangen sein. Die Forscher vermuten, dass das damit zu tun hat, dass die Leute, vor allem diejenigen, die in Städten leben, weniger vor die Tür gegangen sind. Das lässt im Zuge des vergangenen COP26-Klimagipfels in Glasgow 2021 aufhorchen. Schließlich bedeutet das, dass eine geringere Luftverschmutzung auch mit einer besseren Herzgesundheit* einhergeht.

Eine Menschenmenge mit Corona-Masken, im Hintergrund ein rauchender Schornstein. (Symbolbild)
Weniger Herzinfarkte dank Lockdown? Die Luftverschmutzung soll daran großen Anteil haben. (Symbolbild) © Christoph Soeder/dpa

Im Fokus der Untersuchung steht Feinstaub mit einem aerodynamischen Durchmesser, der kleiner als 2,5 Mikrometer (PM 2,5) ist. Diesem wird schon seit längerem, aufgrund seiner geringen Größe ein Gesundheitsrisiko nachgesagt. Die feinen Partikel, die durch Verbrennen fossiler Brennstoffe in Fahrzeugen, Fabriken oder Kraftwerken entstehen, können tiefer in die Atemwege eindringen. Dort verbleiben sie länger und schädigen damit auch die Lunge und den Körper nachhaltig.

Weniger Herzinfarkte im Lockdown: Studie zeigt Verbindung auf

Jüngst wurde zudem bei Messungen herausgefunden, dass hohe PM 2,5-Werte mit einem höheren Risiko, an einem akuten Myokardinfarkt zu erkranken, einhergehen. Typische Symptome sind:

Bei einem akuten Myokardinfarkt, dem medizinischen Begriff für Herzinfarkt, erleiden Teile des Herzmuskels (Myokard) plötzlich einen Sauerstoffmangel und sterben infolgedessen ab. Für ihre Untersuchung haben die Forscher der University of California in San Francisco (UCSF) Daten der „National Emergency Medical Services Information System“-Datenbank im Zeitraum von Januar 2019 bis Ende April 2020 ausgewertet. Diese haben sie dann mit Angaben über die täglichen PM 2,5-Konzentrationen der US-Umweltbehörde abgeglichen. (Stiftung Warentest prüft Luftreiniger: Schützen sie vor Feinstaub, Corona und Pollen?)

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Weniger Herzinfarkte im Lockdown: Luftverschmutzung für Klima und Gesundheit reduzieren

Das Ergebnis: In dieser Zeitspanne sollen nur 60.722 akute Myokardinfarkte gemeldet worden sein. Zudem haben die Forscher herausgefunden, dass allein eine Verringerung der PM 2,5-Werte um zehn Mikrogramm pro Kubikmeter für sechs Prozent weniger schwere Herzinfarkte gesorgt hat. Das entspricht insgesamt 374 weniger Herzinfarkten je 10.000 Personenjahre. Die Studie selbst wird in Kürze auf der virtuellen „American Heart Association“-Konferenz vorgestellt. „Diese Studie betont, wie wichtig es ist, die Luftverschmutzung zu reduzieren, was wiederum auch Herzinfarkten vorbeugen kann“, verrät Studienleiter Sidney Aung gegenüber dem medizinischen Fachblatt Medical News Today.

Allerdings gibt er auch zu bedenken: Noch weitere Faktoren können eine Rolle dafür spielen, dass weniger Herzinfarkte im Lockdown verzeichnet worden sind. Grundsätzlich könnte aber auch unabhängig von der Studie das Maskentragen in öffentlichen Räumen dazu beigetragen haben. „Das zu Hause bleiben und weniger Stress können ebenso dazu beigetragen haben, zusätzlich zur geringeren Feinstaubbelastung“, meint zumindest Aung. Dennoch seien weitere Untersuchungen in Zukunft nötig, um das Studienergebnis zu untermauern. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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