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Herzkrankheiten im Fußball: Häufen sie sich? Jetzt spricht ein Kardiologe

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Von: Jasmin Pospiech

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Auf einem verschneiten Rasen ist das Beinpaar eines Fußballers zu sehen. (Symbolbild)
Haben Leistungssportler mehr denn je mit Herzproblemen auf dem Platz zu kämpfen? (Symbolbild) © Eckhard Eibner/Imago

Im vergangenen Jahr sind mehr Profi- und Amateurfußballer denn je auf oder neben dem Platz kollabiert. Stimmt das wirklich? Das sagt ein Kardiologe dazu.

Zürich – Viele Fußball-Fans können sich noch mit Schrecken erinnern, als der dänische Nationalspieler Christian Eriksen (30) auf dem Fußballplatz während des EM-Gruppenspiels gegen Finnland zusammengebrochen ist. Dort musste er sogar wiederbelebt werden, die Diagnose lautete Herzstillstand. Doch glücklicherweise ist Eriksen nun wieder auf dem Weg der Besserung, spielt jetzt mit einem Defibrillator.

Ein weiteres berühmtes Beispiel, das viele geschockt hat, ist FC-Barcelona-Star Sergio Agüero (33) gewesen, dessen Zwangspause für hohe Wellen geschlagen hatte.

Herzkrankheiten im Fußball: Häufen sie sich? Jetzt spricht ein Kardiologe

Dieser hatte sich vergangenes Jahr im letzten Liga-Spiel mit Herzproblemen auswechseln lassen müssen. Im Dezember 2021 hat er schließlich in einer Pressekonferenz unter Tränen das Ende seiner Profikarriere verkündet. Kürzlich ist dann bekannt geworden, dass auch ein Amateurfußballer vom mittelrheinischen Kreisligisten SV Gremberg Humboldt, Kerim Arslan (†29), kurz nach dem Fußballtraining zu Hause zusammengebrochen und verstorben ist.

Auf Facebook gab es daraufhin User, die in den Kommentaren Vermutungen angestellt haben. Manche behaupteten, dass die Herzprobleme mit einer möglichen Corona-Impfung im Zusammenhang stehen. Ist da was dran? Was sagen die Experten und Herzspezialisten dazu? Häufen sich die Fälle der Fußballer, die in Coronazeiten zusammenbrechen?

Herzkrankheiten im Fußball: Die meisten sind angeboren?

„Auch ich war erschüttert, als ich die Szene mit Eriksen sah, obwohl ich mich alltäglich mit solchen Dingen auseinandersetze“, meint der leitende Kardiologe des Unispitals Zürich Christian Schmied im Interview mit „blue Sport“. Dennoch sehe er nicht, dass mehr Fußballspieler denn je mit Herzproblemen zu kämpfen haben. Denn: „Die meisten Erkrankungen sind angeboren“, weiß er. Aber warum manifestieren sie sich dann erst so viel später?

Schmieds Erklärung: Nur weil sie erblich sind, bedeutet das nicht gleich, dass sie sich auch schon in der Kindheit und Jugend zeigen. Stattdessen können sie erst dann zum Vorschein kommen, wenn der Betroffene älter wird. Eriksens Fall ist deshalb so brisant, weil DFB-Arzt Tim Meyer die Spieler zuvor regelmäßig medizinischen Tests unterzogen hat. Warum ist dann jahrelang nicht aufgefallen, dass sich die Fußballer mit einem Herzleiden quälen?

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Herzkrankheiten im Fußball: Sport mit Infekt kann fatal sein

Dem entgegnet Schmied Folgendes: Regelmäßige Screening-Untersuchungen schützen nicht davor, dass es zu solchen dramatischen Ereignissen kommt. Das zeige ganz eindeutig das Beispiel von Eriksen. „Ich bin mit Eriksens Kardiologe gut befreundet. Dieser ging nach dem Drama mit Eriksen sofort in sein Spital, um nachzuprüfen, ob er irgendwelche Daten übersehen hat.“ Das Ergebnis: Die Daten waren angeblich alle korrekt. Denn: „Es ist leider so, dass gut die Hälfte aller Erkrankungen von den Daten nicht eruiert werden kann“, weiß der Züricher Kardiologe.

Stattdessen sei viel wahrscheinlicher, dass Spieler Infektionen oder Verletzungen verschleppen und zu früh, zu hart wieder mit dem Trainieren beginnen. „Gerade Erkältungs- oder Magendarm-Viren können den Herzmuskel angreifen. Wenn man dann keine Pause einlegt, wird es sehr gefährlich“, warnt der Mediziner. Die Folge ist dann eine Herzmuskelschwäche. In Kombination mit angeborenen Herzproblemen könne das schließlich das Fass zum Überlaufen bringen. Und das gelte für Amateur-, genauso wie für Profisportler. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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