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Hilfe bei Zwangsstörungen: Warum zügige Unterstützung wichtig ist

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Von: Jasmina Deshmeh

Eine Frau wäscht sich unter fließendem Wasser die Hände (Symbolbild)
Starker Ekel vor Schmutz und Waschzwänge sind nur zwei von vielen möglichen Zwängen, die Betroffene im Alltag stark einschränken können (Symbolbild) © photothek/Imago

Zwangsstörungen können Betroffene im Alltag stark einschränken. Je länger sie versuchen, die Zwänge zu verheimlichen, desto mehr verfestigen sie sich. Eine schnelle Behandlung ist deshalb wichtig.

Berlin – Zwänge sind psychische Störungen, die von wiederkehrenden (unerwünschten) Gedanken und Zwangshandlungen geprägt sind. Schätzungen zufolge erkranken etwa zwei bis drei Prozent der Menschen im Laufe ihres Lebens an einer Zwangsstörung. Eine frühzeitige Therapie ist wichtig, um Folgen der Krankheit zu verhindern. Zudem verfestigen sich die Zwänge meist mit der Zeit und mindern die Lebensqualität Betroffener zunehmend.

Hilfe bei Zwangsstörungen: Krankheitsbild

Zwanghafte Vorstellungen und Gedanken kennen viele Menschen, etwa ob man die Tür richtig verschlossen oder den Herd tatsächlich ausgeschaltet hat. Erst wenn diese Handlungen aber dauerhaft wiederholt werden und Betroffene im Alltag belasten, spricht man von einer Zwangsstörung. Sie teilt sich meist in Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Zwangsgedanken sind nach Angaben der Berufsverbände und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie Vorstellungen, Gedanken und Impulse, die selbst Betroffene als unsinnig, übertrieben und nicht der eigenen Meinung entsprechend wahrnehmen. Trotzdem drängen sie sich ihnen immer wieder auf und lösen dabei unangenehme Gefühle wie Ängste und Ekel aus.

Um diese Gefühle zu reduzieren, zeigen viele Betroffene immer wiederkehrende Verhaltensweisen (Zwangshandlungen wie Kontrollzwänge, Waschzwänge, Wiederholungs- und Ordnungszwänge), die sie nach bestimmten Regeln und in immer gleicher Form ausführen. Oft nehmen sie bis zu mehrere Stunden am Tag in Anspruch. Vielen Betroffenen ist die Unsinnigkeit ihrer Zwänge bewusst und sie schämen sich dafür. Nicht selten führen sie deshalb zu sozialem Rückzug und Isolation. Leider empfinden Erkrankte diese Scham auch gegenüber Ärzten und meiden es deshalb oft lange Zeit, sich professionelle Hilfe zu holen. Ohne Behandlung können sich die Zwänge aber weiter verfestigen und chronisch werden. Oft führen sie auch zu körperlichen und seelischen Folgeerkrankungen, zum Beispiel zu Handekzemen bei Waschzwängen oder Depressionen.

Hilfe bei Zwangsstörungen: Das sind die Ursachen

Experten gehen heute davon aus, dass bei der Entstehung von Zwangsstörungen verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Etwa eine genetische Vorbelastung, bestimmte Lebensereignisse sowie hirnorganische bzw. neurologische Erkrankungen, bei denen der Hirnstoffwechsel und die Aktivität bestimmter Hirnareale verändert ist. Auch bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, wie ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein und große Gewissenhaftigkeit sowie die Angst Fehler zu machen, können laut dem Gesundheitsportal gesund.bund des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) eine Zwangsstörung begünstigen. Auch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Sorgen und Ängste könnten das Risiko von bestimmten Zwängen, wie etwa einem Waschzwang „triggern“.*

Hilfe bei Zwangsstörungen: Professionelle Hilfe ist wichtig

Wer den Verdacht hat, unter einer Zwangsstörung zu leiden, sollte zu seinem Hausarzt oder einer psychotherapeutischen Praxis gehen. Dort wird in einem Gespräch ermittelt, ob es sich wirklich um Zwangsgedanken und Zwangshandlungen handelt. Der Arzt/Therapeut wird dazu Fragen stellen, wie:

Bestätigt sich der Verdacht, kann eine Psychotherapie die Symptome deutlich verbessern und Betroffenen ihre Lebensqualität zurückgeben. Als bewährte Therapieform hat sich die kognitive Verhaltenstherapie erwiesen. Dabei setzt sich der Betroffene unter therapeutischer Begleitung den zwangsauslösenden Reizen aus und lernt schrittweise, mit den dabei entstehenden Gefühlen umzugehen. Im besten Fall lernt er so, dass seine Befürchtungen nicht eintreten und dass Gefühle wie Angst, Ekel und Nervosität mit der Zeit vergehen, ohne dass er die Zwangshandlungen ausführt. Ergänzend können auch bestimmte Antidepressiva (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) eingenommen werden.

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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