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Kanadische Studie zeigt: Sechs Prozent der infizierten Kinder entwickeln Long Covid

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Von: Jasmina Deshmeh

Etwa sechs Prozent der Kinder, die an Corona erkranken, haben auch drei Monate nach der Infektion noch mit Beschwerden zu kämpfen. Zu diesem Ergebnis kommt eine kanadische Studie.

Calgary – Erschöpfung, Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit – und das noch mehrere Monate nach einer Corona-Infektion. Corona-Langzeitfolgen scheinen immer häufiger auch Kinder zu treffen. Um zu beurteilen, wie groß das Risiko ist, werteten Dr. Anna Funk, eine Epidemiologin an der Unverstiy of Calgary (Alba), und ihre Kollegen die Daten von mehr als 10.500 Kindern aus zehn Ländern aus.

Kanadische Studie zeigt: Daten gingen bisher auseinander

Mehrere kleine Studien lieferten bisher sehr unterschiedliche Ergebnisse: So lag der Prozentsatz der Kinder mit Long Covid, also mit Beschwerden zwei bzw. vier Monate nach einer Corona-Infektion, zwischen 0 und 67 Prozent. Funk und ihr Team untersuchten nun die Daten von 10.500 Kindern, die zwischen März 2020 und 15. Juni 2021 in einer Notfallambulanz behandelt wurden. Die Kinder stammen aus Australien, Kanada, Indonesien, den USA sowie drei Staaten in Südamerika und drei in Westeuropa.

Die Wissenschaftler interessierte, ob die Kinder 14, 30 und 90 Tage nach der Einlieferung noch an Atembeschwerden und neurologischen oder/und psychologischen Probleme litten. Ihre Ergebnisse präsentierten sie auf dem 31. European Congress of Clinical Microbiology & Infectious Diseases.

Kanadische Studie zeigt: Kinder, die ins Krankenhaus müssen, sind häufiger von Long Covid betroffen

Bei den Untersuchungen wurde deutlich: Kinder, die wegen einer Corona-Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden müssen, leiden mehr als doppelt so häufig an anhaltenden Symptomen, wie Kinder, die nur ambulant betreut werden.

Zu den anhaltenden Beschweren zählen:

Die anhaltenden Symptome traten häufiger in der Altersklasse der 10- bis 17-Jährigen auf, als bei Kindern unter einem Jahr.

„Diese Studie liefert erste epidemiologische Daten zu anhaltenden Symptomen bei SARS-CoV-2-infizierten Kindern, unabhängig vom Schweregrad“, erklärt Dr. Kevin Messacar, vom Kinderkrankenhaus Colorado in Aurora. Die Ergebnisse zeigten, dass schwere Covid- und chronische Symptome bei Kindern zwar seltener auftreten als bei Erwachsenen, sie aber „nicht inexistent sind und ernst genommen werden müssen“. Auch in Deutschland rechnen Experten mit einer Zunahme der Long COVID-Fälle bei Kindern.*

Kanadische Studie zeigt: Long Covid bei Kindern möglich, insgesamt aber selten

„Da Covid-19 neu ist und bekannt ist, dass es kardiologische und neurologische Folgen hat, insbesondere bei Kindern mit Multisystem-Entzündungssyndrom (MIS-C), fürchteten Experten, dass sich kardiovaskuläre und neurologische Folgen bei jedem infizierten Kind entwickeln“, so Dr. Messacar. „Unsere Daten können diesbezüglich beruhigen. Bei Kindern mit leichten oder mittelschweren Infektionen, die nicht ins Krankenhaus eingeliefert werden, ist dies sehr selten.“ Das Risiko sei aber nicht Null. „Kinder impfen zu lassen, wenn es ihnen möglich ist, und Vorkehrungen zu treffen, um zu verhindern, dass ungeimpfte Kinder an Covid erkranken, ist der beste Weg, das Risiko einer schweren Erkrankung oder anhaltender Symptome zu verringern.“

Die Ergebnisse spiegeln die einer russischen Studie wider, bei der Eltern von 518 Kindern im Alter von 0 bis 18 Jahren befragt wurden. Die Kinder wurden zwischen April und August 2020 in einem Moskauer Krankenhaus wegen Covid-19 behandelt, die Interviews wurden acht Monate nach der Entlassung geführt. Auch diese Studie kam zu dem Ergebnis, dass ältere Kinder ein höheres Risiko haben, an Long Covid zu erkranken. Das gilt auch für Kinder mit allergischen Erkrankungen.

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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