Krebs bekämpfen: Jeder soll seinen eigenen Impfstoff bekommen

Biontech war Vorreiter in der Entwicklung eines effektiven Corona-Impfstoffs. Nun schreitet das Unternehmen mit seiner Forschung auch im Kampf gegen Krebs voran.
Krebs ist in Deutschland nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen bislang die zweithäufigste Todesursache. Damit löst eine Krebs-Diagnose bei Betroffenen und Angehörigen meist Schrecken und Panik aus. Dies könnte sich jedoch in Zukunft ändern, da die medizinische Entwicklung Hoffnung macht. So werden die Heilungschancen durch vielfältige Behandlungsmöglichkeiten und erfolgversprechende Therapieansätzen immer besser. Dazu trägt auch das Biotechnologieunternehmen Biontech bei, welches bereits zehn Monate nach Beginn der Corona-Pandemie einen effektiven Impfstoff gegen das Virus entwickelt hatte.
Krebs erfolgreich behandeln: Jeder sollte seinen eigenen Impfstoff erhalten
Biontech arbeitet aktuell an einer individualisierten Impfung gegen Krebs. Diese soll den Körper mithilfe der Messenger RNA (mRNA) so trainieren, dass er Krebszellen besser erkennt und abtötet. Dahinter verbirgt sich folgender Mechanismus: In der mRNA steckt der DNA-Code von bestimmten Krebs-Zellproteinen. Wenn der Code mit der Impfung an eine gesunde Körperzelle gelangt, wird er abgelesen und das Protein hergestellt. Schließlich erkennt die körpereigene Abwehr dieses als fremd und bekämpft alles mit derselben Struktur, folglich auch die Krebszellen.
Allerdings funktioniert die Impfung gegen Krebs nur bei einer begrenzten Anzahl von Krebszellen, wie sie beispielsweise im Frühstadium oder nach der operativen Entfernung von sichtbaren Tumoren vorkommt. Da die mRNA bei großen Tumoren und sehr vielen mutierten Zellen nicht ausreicht, sollen Kombinationstherapien helfen. Sie setzen an verschiedenen Stellen an und greifen den Krebs somit von allen Seiten an. Das Ziel des Unternehmens ist es, die Therapien dort einzusetzen, wo es wenig Möglichkeiten gibt, der medizinische Bedarf jedoch groß ist.
Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Darmkrebs: mRNA-Impfung könnte bei aggressiven Krebsarten helfen
Davon betroffen sind vor allem Fälle von aggressiven Krebsarten, wie etwa Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Darmkrebs. „Patienten, die operiert werden, bekommen in der Regel danach eine Chemotherapie. Und obwohl sie oftmals tumorfrei erscheinen, bilden sich in bis zu 80 Prozent der Fälle innerhalb weniger Jahre Metastasen, die dann wieder wachsen. Die Prognose für diese Patienten ist leider äußerst schlecht“, äußert sich Biontech-Gründer Prof. Dr. Uğur Şahin in einem Interview mit Bild.
Bei Darmkrebs sind bis zu 40 Prozent der Patienten von Rückfällen in den ersten fünf Jahren nach der Operation betroffen. Somit werden Erkrankte durch chirurgische Eingriffe und Maßnahmen zunächst scheinbar geheilt. Allerdings bilden sich bei einem großen Teil der Patienten Metastasen, die weiter streuen und möglicherweise ein oder zwei Jahre lang nicht sichtbar sind. Der mRNA-Impfstoff soll die versteckten Krebszellen ausmerzen.
Neuer Therapieansatz soll bis 2030 auf dem Markt sein
Patienten mit einem hohen Rückfallrisiko können mithilfe eines Tests bereits identifiziert werden. Da es bislang keine weiterführenden Behandlungen außer einer Chemotherapie gab, konnte man trotz des Tests nicht weiterhelfen. Die individualisierte mRNA-Impfung soll hier zum Einsatz kommen. In Studien von Biontech zu Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs sprach die Hälfte der 16 Bauchspeicheldrüsenkrebs-Patienten, die eine Impfung erhalten hatten, bereits gut auf die Therapie an, indem ihr Körper viele tumorbekämpfende Abwehrzellen bildete. Dadurch hatten sechs dieser acht Patienten auch drei Jahre nach der Behandlung keinen Rückfall. Biontech möchte diese Art der Krebs-Therapie bis zum Jahr 2030 auf den Markt bringen.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.

