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Krebstherapie: Neuartige Pilz-Substanz zeigt überraschende Erfolge bei Patienten

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Von: Jasmin Pospiech

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Raupenpilz wird auf dem Boden getrocknet. (Symbolbild)
Der chinesische Raupenpilz ist in der traditionellen chinesischen Medizin ein beliebtes Heilmittel. (Symbolbild) © Xinhua/Imago

Ein Forscher-Team hat eine Substanz aus einem bestimmten Pilz extrahiert und erstmals erfolgreich bei Krebspatienten eingesetzt. Revolutioniert das die Krebstherapie?

Oxford – Kann ein Pilz tatsächlich etwas gegen Krebszellen im Körper ausrichten? Britische Forscher glauben: ja. Sie haben in ersten klinischen Studien eine Substanz aus einem Pilz namens „Chinesischer Raupenpilz“ (lat. „Ophiocordyceps sinensis“) gewonnen, der unter anderem im Hochland von Tibet beheimatet ist. Er soll dabei helfen können, Krebszellen zu bekämpfen. Dabei handelt es sich konkret um ein Derivat des Nukleosids Adenosin namens Cordycepin, dem eine vielversprechende Wirkung zugesprochen wird.

Krebstherapie: Neuartige Pilz-Substanz zeigt überraschende Erfolge bei Patienten

Der Pilz selbst wird schon seit Jahrtausenden bei zahlreichen Erkrankungen angewandt und gilt in der traditionellen chinesischen Medizin als pflanzliches Heilmittel gegen diverse Krebsformen*, das Altern und Entzündungen im Körper. Hiesige Wissenschaftler sind hingegen erst 1950 auf den Pilz und seinen besonderen Inhaltsstoff gestoßen. (Studie: Wer regelmäßig dieses Gemüse isst, soll Darmkrebs vorbeugen)

In den vergangenen 71 Jahren konnten in mehreren Untersuchungen die positiven Effekte von Cordycepin noch bei anderen Gesundheitsproblemen nachgewiesen werden. Darunter:

Doch bis vor kurzem hat man die gesundheitsfördernden Wirkung der Substanz nur in Zellkulturen und in Tieren nachweisen können. Der Grund hierfür: Cordycepin zersetzt sich im menschlichen Blutkreislauf sehr schnell, wenn es in Kontakt mit einem Enzym namens Adenosin Deaminase (ADA) in unseren Zellen kommt. Das bedeutet, dass nur geringe Mengen dort hingelangen, wo sie wirken sollen.

Krebstherapie: Erfolge mit Pilz-Substanz in klinischen Studien

Um dieses Problem zu umgehen, haben die Forscher schließlich das Cordycepin mit einer innovativen Wirkstoff-Technologie namens „ProTide“ verändert. Die „ProTide“-Technologie wird bereits seit längerem von Wissenschaftlern in Antiviren-Medikamenten gegen etwa Hepatitis C, Ebola und Covid-19 angewandt.

Bei der Methode werden kleinste Moleküle mit verschiedenen Versionen des voraktivierten Wirkstoffs verbunden, sodass diese direkt zu den Krebszellen im Körper geschleust werden können. Die Moleküle zerfallen, übrig bleibt das Cordycepin, das dann seine Arbeit verrichten kann. (Studie: Wer regelmäßig dieses Gemüse isst, soll Darmkrebs vorbeugen)

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In aktuellen Studien konnten die Forscher der University of Oxford erste Erfolge beim Menschen vorweisen: Demnach soll die Pilz-Substanz für Betroffene im fortgeschrittenen Krebsstadium nicht nur sehr verträglich sein, sondern auch eine Antikrebs-Wirkung erzielt haben. Dazu haben sich die Wissenschaftler mit einem englischen biopharmazeutischen Unternehmens namens „NuCana“ zusammengetan. Heraus kam „NUC-7738“.

Krebstherapie: Kommt das Pilz-Medikament bald auf den Markt?

Die Forscher hätten bereits in Zellstudien nachweisen können, dass „NUC-7738“ im Gegensatz zu gewöhnlichem Cordycepin um siebenmal wirksamer im Kampf gegen Krebszellen sei. Das Interessante daran: Für ihre ersten Studien am Menschen hätten sie Probanden untersucht, die nicht nur in einem fortgeschrittenen Krebsstadium gewesen seien, sondern bereits auf andere Behandlungsmethoden nicht mehr angesprochen hätten. (Neuartiger Krebs-Bluttest zeigt innerhalb von 24 Stunden an, ob Therapie anschlägt)

Doch auf das Pilz-Medikament hätten sie überraschenderweise positiv reagiert und die Wissenschaftler sogar Anzeichen einer Anti-Krebs-Aktivität feststellen können. Ihre Ergebnisse haben sie nun im medizinischen Fachjournal Clincal Cancer Research vorgestellt. Da aber noch nicht ganz klar ist, wie Cordycepin genau wirkt, wollen die Wissenschaftler das in Phase zwei der klinischen Studien herausfinden. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden. 

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