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Lichturtikaria oder Polymorphe Lichtdermatose? Wenn die Sonne krank macht

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Von: Christine Pander

Eine blonde Frau steht am Fenster hinter einem Vorhang und genießt indirektes Sonnenlicht auf ihrem Gesicht. In beiden Händen hält sie eine Tasse (Symbolfoto).
Wer auf Sonne stark allergisch reagiert, führt oft ein Leben im Schatten (Symbolfoto). © imago images/Veam

Wer stark auf Sonnenlicht reagiert, leidet meist sehr: Auf der Haut bilden sich Pusteln, Quaddeln und es breitet sich ein unangenehmes Hitzegefühl aus, das nichts mit Sonnenbrand zu tun hat. 

Berlin – Umgangssprachlich wird die Überempfindlichkeit auf Sonnenlicht meist „Lichtallergie“ genannt, die korrekte Fachbezeichnung ist aber Lichtdermatose. Diese spezielle Abwehrreaktion gegenüber Sonnenlicht ist vielen auch als Sonnenallergie, Photo-Allergie oder UV-Allergie bekannt, obwohl es sich dabei eigentlich um keine „echte“ Allergie handelt. Die Polymorphe Lichtdermatose (auch „Sonnen-Ekzem“ genannt) ist die häufigste unter den Lichtdermatosen und äußert sich durch juckende, nicht-einheitliche Hautveränderungen. Bei der Lichturtikaria kommt es hingegen zu Quaddeln und Juckreiz.

Lichtdermatose: Leichte bis schwere Symptome sind möglich

Die Symptome einer Polymorphen Lichtdermatose zeigen sich meist an Körperstellen wie Dekolleté, Oberarmen und Schultern und reichen von leichten Hautreaktionen mit Rötungen, Quaddeln, Pusteln bis hin zu bläschenartigen, fleckigen Hautausschlägen und nässenden Hautstellen. Meist treten sie nach längerer Sonnenabstinenz im Frühling oder Sommer und im Abstand von einigen Stunden bis Tagen nach dem Sonnen-Kontakt auf. In seltenen Fällen kann auch die Erkrankung Erythropoetische Protoporphyrie (EPP), der ein genetischer Defekt zugrunde liegt, hinter den Beschwerden stecken. Je nachdem, wie stark die Symptome einer Lichtdermatose ausgeprägt sind, beeinflussen sie das Befinden der Patienten stärker oder schwächer.

Eine weitere Form der Lichtdermatose ist die Lichturtikaria, bei der die Sonneneinstrahlung eine schmerzhafte Nesselsucht auslöst. In diesen Fällen tritt oft gleichzeitig auch eine Kälte- oder Wärmeurtikaria auf. Die Betroffenen leiden oft schon bei der geringsten UV-Einstrahlung unter Beschwerden und sind in ihrem Alltag stark beeinträchtigt.

Lichtdermatose: Jeder Zehnte leidet an Lichturtikaria

Der Mensch braucht Sonnenlicht, um Vitamin D im Körper zu produzieren. Fehlt es, hat dies vielfältige Auswirkungen auf den gesamten Körper, unter anderem auch auf das Immunsystem. Nach Angaben der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) leidet bereits jeder zehnte Deutsche unter einer Form der Lichtdermatose, Tendenz steigend. Bisher sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Eine der bekanntesten Personen, die wohl an einer Lichtdermatose litt, war Hannelore Kohl. Mediziner vermuten anhand der Schilderungen in ihrer Biografie, dass die ehemalige Gattin des Bundespräsidenten Helmut Kohl von einer Lichturtikaria betroffen war. Doch was steckt hinter den Symptomen und wie lassen sie sich behandeln?*

Lichtdermatose: Wie kommt es zu den Beschwerden?

Die Ursache einer Lichtdermatose ist noch nicht eindeutig geklärt. Klar ist bisher nur, dass das Sonnenlicht die Beschwerden auslöst. Unter anderem wird unter Experten eine immunologische Reaktion des Spättyps diskutiert. Dabei könnte eine körpereigene Substanz mit dem Sonnenlicht reagieren und anschließend von Abwehrzellen bekämpft werden. Eine andere Theorie geht davon aus, dass der Körper bei einer Lichtdermatose freie Radikale in der Haut, die durch das Sonnenlicht gebildet werden, nicht ausreichend bekämpfen kann. Diese könnten mit Bestandteilen von Hautzellen reagieren und so Abwehrreaktionen des Körpers auslösen. Eindeutige Belege fehlen bisher allerdings für beide Hypothesen. Die einzige Möglichkeit für Betroffene, Beschwerden vorzubeugen, ist daher, Sonnenlicht so gut es geht zu meiden.

Zur Prophylaxe der Lichturtikaria haben sich nach Angaben des Ärzteblatt bisher folgende Maßnahmen bewährt:

Gerade bei einer Lichturtikaria kann es trotz Fensterglas zu Reaktionen kommen. Durch das Glas werden zwar UV-B-Strahlen weitgehend abgehalten, UV-A-Strahlen und sichtbares Licht durchdringen es aber. Auch Solarien lösen häufig eine Lichturtikaria aus – und auch Halogenlicht kann die Beschwerden hervorrufen. Symptome wie Quaddeln treten dann besonders ausgeprägt in den Regionen auf, die nicht regelmäßig dem Licht ausgesetzt sind. Manchmal kommt die Lichturtikaria nach Monaten oder Jahren von selbst zum Stillstand.

Bekannte Auslöser für eine ungewöhnlich starke Reaktion mit Sonnenlicht sind:

Die erythropoetische Protoporphyrie (EPP) ist eine genetische Erkrankung, bei der die Patienten bei Kontakt mit Sonnenlicht unerträgliche Schmerzen verspüren, die teilweise mehrere Tage andauern können. EPP zählt zu den Seltenen Erkrankungen.

Lichtdermatose: Betroffene sollten Hilfe beim Facharzt suchen

In manchen Fällen reagieren Patienten sogar auf künstliche Lichtquellen. Ursache dafür ist ein defektes Enzym beim Aufbau des roten Blutfarbstoffes. Hier sind nicht UV-A und UV-B-Strahlen für die Schmerzen verantwortlich, sondern der blaue Anteil des sichtbaren Lichtes, sodass normale Sonnencremes nicht helfen können. Im Extremfall, wenn beispielsweise der ganze Körper dem Licht ausgesetzt war, kann es sogar zu einem anaphylaktischen Schock kommen. Wird das Sonnenlicht gemieden, bilden sich die Hauterscheinungen innerhalb einiger Stunden wieder zurück. Wer an den Krankheitssymptomen leidet, sollte sich an eine spezialisierte Einrichtung größerer Hautkliniken wenden.*merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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