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Long Covid: Spätfolgen von Corona – eine Betroffene erzählt davon

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Von: Kristina Wagenlehner

Eine Frau (Sabine Serr) lehnt auf einer Bank. Im Hintergrund ist eine Klinik zu sehen. (Symbolbild)
Sabine Serr war wegen Spätfolgen von Corona vier Wochen zur Reha im Schwarzwald. (Symbolbild) © Uli Deck/Picture alliance

Sie kämpfte an vorderster Front gegen das Corona-Virus. Bis es sie traf. Jetzt kämpft sie wieder: gegen Long Covid, Post Covid und den Spätfolgen von Corona.

Potsdam – Genesen heißt nicht immer geheilt. So ist es bei Sabine Serr. Sie infizierte sich mit dem Corona-Virus und kämpft jetzt, wie viele andere, mit den Spätfolgen. Sie erzählt von ihrem langen Weg zurück.

Long Covid: „Ich hatte Todesangst“

Sabine Serr (43) arbeitet im Krankenhaus als Hygienefachkraft. Seit Beginn der Pandemie an vorderster Front gegen das Corona-Virus. Sie machte mobile Tests in Altenheimen, in Kindergärten und in Betrieben. Bei einem dieser Tests, Anfang Dezember, riss ihr die Schutzmaske. Für kurze Zeit atmete sie die Raumluft ungefiltert ein, Tage später bekam sie Symptome. Serr ist überzeugt: Da hat sie sich angesteckt.

Zwölf Tage war sie nun selbst dort, als Patientin im Krankenhaus. Sie bekam Sauerstoff, sei zweimal kollabiert. „Ich hatte Todesangst, weil ich wirklich keine Kontrolle mehr hatte. Das war eine grauenhafte Erfahrung.“ Zwei Tage vor Weihnachten wurde sie entlassen.

Long Covid: Plötzlich fiel der Kugelschreiber

Mit der Entlassung aus dem Krankenhaus war es aber nicht vorbei. Nun kämpft sie mit Long Covid, den Spätfolgen des Corona-Virus. Das Virus hat in ihrem Körper gewütet: Herz, Lunge und Nervenbahnen angegriffen. Beim Treppensteigen geriet sie in Atemnot, dazu konnte sie sich kaum konzentrieren, später kamen neurologische Auffälligkeiten. Es kribbelte in ihren Armen oder ihr fiel plötzlich der Kugelschreiber aus der Hand.

Long Covid: Am schlimmsten sei die Erschöpfung

Am schlimmsten seien diese aus dem nichts kommenden Erschöpfungszustände. Ähnlich einer Fatigue. Es sei, als hätte jemand einem den Stecker gezogen. „Nur ist dieses Erschöpfungsgefühl nicht positiv wie etwa nach einer anstrengenden Radtour. Es fühlt sich schlimm an. Man möchte sich nur noch fallen lassen und nicht mehr aufstehen.“ Einige Wochen nach der Zeit im Krankenhaus riet ihr der Lungenarzt zu einer Reha. Ende April, über ein Jahr nach Beginn der Pandemie in Deutschland, wurde sie in einer Klinik im Schwarwald zur Reha begrüßt.

Long Covid: Was Post Covid und Long Covid unterscheidet

Viele Kliniken bieten inzwischen Rehas für Corona-Spätfolgen an, die nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder betreffen können.* Dabei sind zwei Formen zu unterscheiden: Post Covid und Long Covid. Manchmal wird beides synonym verwendet, mitunter wird Post Covid als Überbegriff für alle Corona-Spätfolgen betrachtet. Doch es gibt Unterschiede. Die richtige Ernährung spielt aber bei beiden Phänomenen eine wichtige Rolle.

Tatsächlich gibt es noch keine allgemeingültige Definition beider Phänomene. Allerdings bezeichnet Post Covid die mehr oder weniger unmittelbaren Folgen eines schweren Verlaufs. Durch das lange Liegen wurden Muskeln abgebaut, ein gesundes Atemmuster muss neu erlernt werden. Schäden an Lunge, Herz, Nieren und zentralem Nervensystem sind möglich, ebenso wie Angstzustände und Belastungsstörungen als Folge von Todesängsten. „Hier brauchen sie eine Reha, die zum einen bei den Organschäden ansetzt, aber zum anderen auch psychologische Betreuung und ein individuell dosiertes Aufbautraining bieten kann, wenn das nötig ist“, sagt Professor Volker Köllner, Chefarzt für Psychosomatik am DRV-Rehazentrum Seehof in Teltow bei Berlin.

Long Covid: Auch bei Patienten mit milden Verläufen

Die andere Form der Spätfolgen von Corona ist Long Covid. Das betrifft mitunter auch Menschen, die einen milden Krankheitsverlauf hatten. Sie fühlen sich für Wochen und manchmal Monate fit, bis ihr Gesundheitszustand einbricht. „Die chronische Erschöpfung und Kurzatmigkeit sind das, was sie am meisten beeinträchtigt“, sagt Köllner. Der Therapieansatz sei in diesen Fällen oft eine Mischung aus Verhaltens- und Bewegungstherapie. „Die Patienten dieser Gruppe sind oft jünger und man sieht ihnen ihre Symptome auf den ersten Blick nicht an“, sagt die Pneumologin Jördis Frommhold.

Long Covid: Wie viele sind betroffen

Wie viele Personen von Corona-Spätfolgen betroffen sind, ist unbekannt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass etwa jeder Zehnte drei Monate nach einer Erkrankung Spätfolgen spürt. Frommhold rät Genesenen, sich nicht verrückt zu machen. Habe man die Erkrankung überstanden und es gehe einem gut, dann sei das auch erstmal gut.

Wer nach Monaten oder durchaus noch später folgende Symptome entwickelt, die den Alltag belasten, sollte sich Hilfe holen. Mögliche Symptome von Long Covid sind:

Volker Köllner hat in der Teltower Klinik bisher eine gute Handvoll Patienten mit Long Covid gehabt und einige mehr mit Post Covid. Ihnen sei es nach der Reha allesamt besser gegangen, sagt er. Natürlich seien die Konzepte für die Behandlung noch nicht perfekt, doch sie greifen nach seiner Einschätzung generell und würden optimiert, je mehr man über die Corona-Spätfolgen wisse.

Long Covid: „Ich bin optimistisch“

Sabine Serr war vier Wochen lang in der Klinik. An guten Tage schaffte sie sogar 30 Kilometer mit dem E-Bike. Aber schlechte Tage, an denen sie kaum die Treppen hochkommt gibt es noch immer. Wenn sie an ihre Rückkehr in den Beruf denkt, mischen sich Zuversicht und leichte Ängste. Denn wie es ihr gesundheitlich geht, kann von Tag zu Tag unterschiedlich sein und die totale Erschöpfung setzt plötzlich ein. Aber sie ist zuversichtlich, was die Rückkehr in den Job betrifft: „Ich bin optimistisch“, sagt sie. „Der Wille ist da, aber ob ich es körperlich schaffen werde, kann ich noch nicht beantworten.“ (Mit Material der dpa)

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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