1. 24vita
  2. Krankheiten

Mann hat Krampfanfälle: Kann eine Mahlzeit von vor 20 Jahren die Ursache sein?

Erstellt:

Von: Jasmin Pospiech

Kommentare

Ein 38-jähriger Mann hat eines Nachts plötzlich Krampfanfälle. Erst ein CT offenbart, was bzw. wer der Übeltäter ist. Und der Grund ist sogar ziemlich eklig.

Boston (USA) – Ein kerngesunder Mann wird eines Nachts ins Krankenhaus eingeliefert. Es entwickelt sich ein medizinischer Fall, der so kurios ist, dass er sogar seinen Weg in ein medizinisches Fachblatt findet. Es beginnt, als der Mann plötzlich auf dem Bett liegend von seiner Frau gefunden wird. Offenbar zittert er stark, hat Krampfanfälle. Zudem spricht er wirres Zeug, in einer für seine Frau unverständlichen Sprache.

Mann hat Krampfanfälle: Kann eine Mahlzeit von vor 20 Jahren die Ursache sein?

Auch die Ärzte im Massachusetts General Hospital sind ratlos, denn bei der Anamnese stellt sich heraus, dass der 38-jährige Mann in seinem Leben nie ernsthaft krank gewesen ist. Ansonsten weist er weder Vorerkrankungen auf, noch hat er jemals davor ähnliche Symptome erlebt. Eine anschließende Computertomografie bringt Erstaunliches, wenn auch Ekliges, zutage: Die Ärzte finden in seinem Hirn mehrere Bandwurmlarven. (Lesen Sie auch: Impfung gegen Zecken-Krankheit: Für wen, wann und wie oft? Alle Infos über die Schutzimpfung gegen FSME)

Eine Computertomographie (CT) eines Gehirns. (Symbolbild)
Die Ärzte staunten nicht schlecht, als sie beim CT sehen, woran der Mann leidet. (Symbolbild) © Britta Pedersen/dpa

Diese sollen sich nicht nur in mehreren Hirnarealen breit gemacht haben, sondern 20 Jahre vom Betroffenen unbemerkt geblieben sein. Offenbar hatte der Mann, der gebürtig aus Guatemala stammt, damals in seiner Heimat eine bestimmte Mahlzeit zu sich genommen. Er lebte in einem ländlichen Gebiet, in dem der Schweinebandwurm sein Unwesen trieb. (Lesen Sie auch: Langzeitstudie zeigt: Eine Grippeinfektion kann später Parkinson begünstigen)

Die Ärzte gehen davon aus, dass er wohl Nahrung gegessen haben muss, die eine Person, die bereits mit dem Bandwurm infiziert war, zubereitet hat. Die sich darin befundenen Eier habe er dann verschluckt. Im Körper sind die Larven geschlüpft und müssen so ins Gehirn gelangt sein. Daher lautet die Diagnose nach dem CT: Neurozystizerkose. Doch wieso hatte der Mann nie Symptome gezeigt? (Lesen Sie auch: Borna-Virus: Schwerer Fall in Sachsen-Anhalt – und Infektion kann sogar tödlich enden)

Noch mehr spannende Gesundheits-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Mann hat Krampfanfälle: Kann eine Mahlzeit von vor 20 Jahren die Ursache sein?

„Dieser Herr war ein wenig atypisch, da seine Parasiten tot und verkalkt waren und es ein oder zwei Jahrzehnte lang keinen lebenden Parasiten in seinem Gehirn gab“, erklärt Mitautor und Infektionsexperte Dr. Edward T. Ryan gegenüber der „Washington Post“. „Die Infektion war lange vorbei, aber ein Teil seines Gehirns war stark vernarbt – und dieser vernarbte Bereich war der Grund für die Krampfanfälle“, schließt er. (Lesen Sie auch: Ivermectin gegen Corona? Zweifache Mutter stirbt nach Behandlung)

Die Parasiten infizieren meist das zentrale Nervensystem, sterben aber tatsächlich nach einigen Jahren von selbst ab und hinterlassen meist Entzündungen, die sich in Kopfschmerzen, diffusen Beschwerden sowie eben Krampfanfällen äußern können. Glücklicherweise geht es dem Mann heute wieder gut, nachdem er Antiepileptika verabreicht bekommen hat. Zudem soll er noch zwei anti-parasitäre Medikamente* sowie ein entzündungshemmendes Präparat erhalten haben.

Angeblich sei der Betroffene bereits nach fünf Tagen wieder symptomfrei gewesen und habe das Krankenhaus wieder verlassen können. Bei regelmäßigen Kontrollen haben die Ärzte nach drei Jahren festgestellt, dass die Schwellungen im Gehirn zurückgegangen sind, Anfälle hat der Mann seit dieser Zeit nie mehr gehabt. Der außergewöhnliche Fall ist im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht worden. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

Auch interessant

Kommentare