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Nanobodies: Wie Forscher mit Alpakas Corona bekämpfen

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Von: Jennifer Köllen

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Ein braunes Alpaka. (Symbolbild)
Eine kleine Alpaka-Herde am Max-Planck-Institut in Göttingen half indirekt bei der Entwicklung von Corona-Medikamenten. (Symbolbild) © Imago

Nanobodies wirken wie Antikörper und könnten zu einen Durchbruch in der Entwicklung von Corona-Medikamenten führen. Alpakas spielen dabei eine große Rolle.

Göttingen – Eine Hauptwaffe gegen Corona sind Antikörper in uns selbst – die wir entweder durch die Impfung oder eine durchlaufene Infektion bilden. Auch Medikamente gegen Corona können mit industriell hergestellten Antikörpern entwickelt werden. Allerdings sind diese sehr teuer, weil sie aufwendig in der Produktion sind.

Die Lösung sind sogenannte Nanobodies, denn sie wirken ähnlich wie Antikörper: Sie erkennen bestimmte Strukturen, docken dort an und entfalten ihre Wirkung. Dabei sind sie aber viel kleiner als Antikörper und man kann sie leicht miteinander kombinieren. Daher sind sie in der Wissenschaft derzeit sehr beliebt, um mit ihrer Hilfe Medikamente zu entwickeln – auch gegen das Corona-Virus.

Nanobodies: Wie Forscher mit Hilfe von Alpakas Corona bekämpfen

Erste Versuche an Hamstern zeigten: Bestimmte Nanobodies können an das Spikeprotein von Sars-CoV-2 andocken und so das Virus daran hindern, in eine Zelle einzudringen. Das belegen zwei unabhängige Studien, wie „Spektrum der Wissenschaft“ schreibt. Die Hamster hatten nach einer Dosis Nanobodies weniger Viren im Blut und schwächere Entzündungserscheinungen in der Lunge. Außerdem erholten sie sich schneller als nicht behandelte Tiere.

Eine Forschergruppe um Dirk Görlich, Direktor am Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie in Göttingen, hat jetzt Nanobodies gegen Corona hergestellt. Dafür bekamen die Alpakas Britta, Nora und Xenia – Teil einer Alpaka-Herde am Max-Planck-Institut in Göttingen – mehrmals einen Teil des Spike-Proteins des Coronavirus injiziert, woraufhin die Tiere Antikörper gegen diesen Teil des Coronavirus bildeten. Anschließend wurde den Tieren eine kleine Menge Blut abgenommen und ihr Einsatz war beendet.* Görlich vergleicht die Belastung für die Tiere „mit einer Impfung und Blutuntersuchung beim Menschen“. Aus dem Blut der Alpakas gewannen die Wissenschaftler Baupläne für rund eine Milliarde verschiedener Nanobodies.

Drei kauende Alpakas. (Symbolbild)
Nanobodies: Kann mit Alpaka-Blut Corona geheilt werden? (Symbolbild) © khunaspix/Imago

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Nanobodies: Sie werden in Göttingen bald als Wirkstoff getestet

Die Mini-Antikörper aus Göttingen binden bis zu 1000 Mal stärker an das Spike-Protein als andere Nanobodies, die gegen Covid-19 entwickelt wurden. Außerdem wirken die Nanobodies auch gegen die Corona-Varianten Alpha, Beta, Gamma und Delta. Und das, obwohl sie nur mit dem Spike-Protein des Wildtyps von Sars-CoV-2 in Berührung kamen. „Sollten sich unsere Nanobodies bei einer zukünftigen Variante als zu wenig wirksam erweisen, können wir die Alpakas erneut immunisieren. Da sie bereits gegen das Virus geimpft sind, würden sie sehr schnell ihre Antikörper an die neuen Varianten anpassen“, so ein Mitarbeiter.

Nanobodies können verhindern, dass das Virus Zellen infiziert. Die Nanobodies aus Göttingen sind außerdem sehr temperaturstabil, halten hohe Temperaturen bis zu 95 Grad aus. Das ist sehr positiv, weil sie sich dann einfacher herstellen, verarbeiten und lagern lassen, wie die Göttinger Forschergruppe im Fachjournal „The Embo Journal“ berichtet

Ein braunes Alpaka. (Symbolbild)
Alpakas sehen nicht nur lustig und süß aus, sie können sogar bei der Medikamenten-Entwicklung helfen. (Symbolbild) © Sabine Seiter/Imago

Das Göttinger Team bereitet die Nanobodies nun für den therapeutischen Einsatz vor, berichtet die Max-Planck-Gesellschaft. „Wir wollen die Nanobodies möglichst schnell für den sicheren Einsatz als Wirkstoff testen, damit sie schwer Erkrankten zugutekommen sowie jenen, die nicht geimpft wurden oder keinen effektiven Impfschutz aufbauen können,“ sagt Direktor des Instituts für Molekulare Onkologie an der Universitätsmedizin in Göttingen, Professor Dr. Matthias Dobbelstein. *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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