1. 24vita
  2. Krankheiten

Neue Corona-Variante: So gefährlich ist Omikron wirklich

Erstellt:

Von: Jennifer Köllen

Kommentare

Die Welt ist besorgt wegen Omikron, der neuen Corona-Variante. Zu Recht? Was erwartet uns in 2022? Wir beantworten alle wichtigen Fragen zu B.1.1.529.

München – Zwar weiß man noch nicht sehr viel über Omikron, doch Experten schlagen bereits Alarm. Denn jetzt ist passiert, wovor Experten in den letzten Monaten gewarnt haben: Da das Virus nicht genügend eingedämmt werden konnte, hat sich eine Variante entwickelt, gegen die unsere jetzigen Impfstoffe im Worst-Case nicht wirklich wirken. Geht dann alles wieder von vorne los? Wir beantworten in diesem FAQ alle wichtigen Fragen nach dem derzeitigen Wissensstand (29.11.2021).

Neue Corona-Variante: Warum ist die Welt besorgt wegen Omikron?

In den vergangenen Wochen waren die Infektionszahlen in Südafrika auf einem niedrigen Niveau. Doch auf einmal stiegen sie in der Provinz Gauteng in kurzer Zeit sehr stark an. Untersuchungen zeigten: Fast alle Proben aus dieser Region stammten von einer neuen Variante: B.1.1.529 (Omikron).

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Omikron-Variante B.1.1.529 mittlerweile als „besorgniserregend“ eingestuft. Der Grund: Es könnte sein, dass die derzeitigen Wirkstoffe nicht mehr gut gegen die Variante wirken. Sollte es zu einem von Omikron angetriebenen weiteren Anstieg von Corona-Fällen weltweit kommen, drohen laut WHO „schwerwiegende Konsequenzen“. Ein Anstieg der Fälle könne zu einer überwältigenden Belastung der Gesundheitssysteme führen. Und das unabhängig vom Krankheitsverlauf.

Neue Corona-Variante: Inwiefern ist Omikron anders als Delta?

Omikron unterscheidet sich deutlich von den bisherigen Varianten: Es wurden zum Beispiel mehr als 30 Mutationen am Spike-Protein auf der Oberfläche des Virus ausgemacht. Die aktuell zugelassenen Impfstoffe trainieren das Immunsystem darauf, das Spike-Protein zu erkennen. Wenn sich dieses Protein jedoch stark verändert, wie bei Omikron, könnte das die Wirksamkeit der Impfungen reduzieren. Hinzu kommen laut Robert Koch-Institut (RKI) viele Mutationen – deren Bedeutung noch unklar ist. 

Neue Corona-Variante: Für wie gefährlich schätzen Experten die Variante aus Südafrika ein?

Die Wissenschaftlerin Susan Hopkins vom Imperial College in London bezeichnet die neue Variante als „die besorgniserregendste, die wir je gesehen haben.“

Hartmut Hengel, Leiter der Virologie am Uniklinikum Freiburg, sieht noch keinen Grund zur Panik: „Offenbar hat sich diese Virusvariante in Südafrika schneller verbreitet als die Delta-Variante. Aber es gibt noch keine wissenschaftliche Publikation zu der Ausbreitung, noch sind diese Einschätzungen sehr vorläufig.“

Der Virologe Christian Drosten (49) sagte am Sonntag in einem Interview mit dem „ZDF heute journal“, er sei „ziemlich besorgt“, obwohl man noch nicht viel über die Variante wisse. „Also es ist tatsächlich eine Situation, die sich von Tag zu Tag weiterentwickelt. Und momentan wissen wir nicht, was da auf uns zukommt“, so Drosten.

Alle sind sich einig: Um genauere Einschätzungen zu geben, müssen die Wissenschaftler noch weitere Untersuchungen abwarten.

Neue Corona-Variante: Wie schwer sind die Verläufe der Omikron-Erkrankten?

Erste Untersuchungen von Infizierten mit der Omikron-Variante in Südafrika deuten auf keinen schweren Verlauf hin. Die Symptome sind offenbar ungewöhnlich, aber mild. Offenbar haben Betroffen keinen Geschmacks- oder Geruchsverlust, wie es bei einer Infektion mit Corona bislang typisch war.

„Die Patienten klagen meist über einen schmerzenden Körper und Müdigkeit, extreme Müdigkeit“, sagte Angélique Coetzee nach Angaben der „Tagesschau“. Die Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands betonte aber auch, dass die Untersuchungen zu dieser Variante noch in einem sehr frühen Stadium seien. Coetzee war die erste südafrikanische Ärztin, welche die Behörden am 18. November auf eine mögliche neue Variante aufmerksam gemacht hatte.

Neue Corona-Variante: Sind junge oder ältere Menschen besonders betroffen?

Vor allem jüngere Menschen sind offenbar bislang von Omikron betroffen. Angélique Coetzee sagt zum „Telegraph“, man müsse sich aber Sorgen machen, dass die neue Variante ältere Menschen, die zusätzlich an Diabetes oder Herzkrankheiten litten, viel härter treffen könnte.

Grafische Darstellung des Corona-Virus. (Symbolbild)
Omikron: Wie gefährlich ist die neue Corona-Variante? (Symbolbild) © Imago

Neue Corona-Variante: Wie viele Fälle von Omikron gibt es bereits in Deutschland?

In München wurde die neue Corona-Variante bei drei Rückreisenden nachgewiesen. Auch in Hessen gibt es einen weiteren infizierten Reiserückkehrer aus Südafrika. In Nordrhein-Westfalen gibt es in Düsseldorf und Essen erste Verdachtsfälle.

Der Virologe Christian Drosten schätzt die Zahl der Omikron-Infektionen in Deutschland aber höher ein. Im Interview mit dem „ZDF heute journal“ sagt er: „Ich muss auch sagen, dass es schon immer mehr Meldungen, die ich so reinbekomme aus dem Kolleginnen- und Kollegenkreis, dass es doch schon einiges an Infektionen gibt in Deutschland und in Europa.“

Neben Deutschland gibt es bereits bestätigte Fälle von Omikron in:

Neue Corona-Variante: Wirken bisherige Impfstoffe gegen Omikron?

„Nach derzeitigem Ermessen sollte man davon ausgehen, dass die verfügbaren Impfstoffe grundsätzlich weiterhin schützen“, so Drosten. Gerade der Schutz gegen schwere Erkrankungen sei besonders robust gegen Virusveränderungen.

Jetzt kommt das große Aber: Die derzeit nachgewiesenen Infektionen fänden laut Drosten in sehr großem Maße bei vorher bereits Genesenen statt – es steckten sich also Menschen an, die schon mit Delta oder einer anderen Variante infiziert gewesen seien. Was wiederum bedeuten könnte, dass wir tatsächlich einen neuen Impfstoff brauchen.

Der Immunologie-Professor Leif Erik Sander ist zuversichtlich, dass die vorhandenen Impfstoffe rasch an die Omikron-Variante angepasst werden können. „Wir sind optimistisch, dass wir bei so einer Variante nicht bei null anfangen“, sagte er bei einer Veranstaltung des Bundesgesundheitsministeriums. 

Moderna arbeitet bereits seit letztem Donnerstag an der Entwicklung eines neuen Impfstoffs. Im besten Fall könnte dieser bereits Anfang 2022 in großem Maßstab hergestellt werden, so Konzernchef Paul Burton. 

Noch mehr spannende Gesundheits-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Neue Corona-Variante: Wie kann man sich gegen Omikron schützen?

Experten betonen: Die Impfung sei nach wie vor die beste Option, einen gewissen Impfschutz gebe es auf jeden Fall gegen Omikron.

Auch wegen Omikron appellierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nochmals an alle, sich impfen zu lassen.

Der Immunologie-Professor Leif Erik Sander setzt bei der Bekämpfung von Omikron ebenfalls auf mehr Impfungen, vor allem auch Auffrischungen. „Das Virus findet die Ungeimpften. So wird es bei diesen Varianten auch sein.“

Neue Corona-Variante: Das wird sich wegen Omikron jetzt ändern

Für Reisende: Seit dem Wochenende gelten für manche Direktflüge aus Afrika strenge Einreisevorschriften: Südafrika, Namibia, Simbabwe, Botsuana, Mosambik, Eswatini, Malawi und Lesotho gelten als Virusvariantengebiete. Lufthansa oder Eurowings dürfen grundsätzlich nur deutsche Staatsbürger transportieren. Alle müssen vor der Reise einen frischen negativen PCR-Test vorweisen. In Deutschland müssen Rückreisende dann in eine 14-tägige Quarantäne.

Für alle: Der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn (41, CDU) hat angesichts der neuen Variante einen Ausblick auf das Jahr 2022 gegeben: „Stellt Euch darauf ein, 2G, geimpft oder genesen, und zwar auffrischgeimpft dann ab einem Punkt x, gilt mindestens mal das ganze Jahr 2022. Wenn du irgendwie mehr tun willst als dein Rathaus oder deinen Supermarkt besuchen, dann musst du geimpft sein.“

Es stehen mal wieder harte Zeiten an. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

Auch interessant

Kommentare