1. 24vita
  2. Krankheiten

Parosmie nach Corona: Der Geruchs- und Geschmackssinn kann nie wieder kommen

Erstellt:

Von: Sven Trautwein

Kommentare

Der Verlust des Geruchssinn ist ein Corona-Symptom. Doch einige Genesene leiden auch noch monatelang danach daran.

München – Trockener Reizhusten und Müdigkeit gehören bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 dazu. Manchmal kommt noch der Geruchsverlust als Symptom mit hinzu. Während die ersteren Symptome meist rasch abklingen, kann der Geruchssinn noch über mehrere Monate beeinträchtigt sein. Forscher der NYU Grossman School of Medicine und der Columbia-Universität haben offenbar herausgefunden, woran das liegt.

Parosmie nach Corona: Der Geruchs- und Geschmackssinn verschwindet monatelang

Die meisten Betroffenen riechen nach einer Corona-Infektion mehrere Wochen nichts. Langsam kehrt dann aber der Geschmacks- und der Geruchssinn zurück. Bei rund 12 Prozent der Patienten bleibt der Geruchssinn auch monatelang nach einer Erkrankung verschwunden. Bei der hier vorliegenden Parosmie kann sich zudem die Geruchswahrnehmung ändern, so die Forscher. Was einmal gut gerochen hat, ist für einige Menschen danach nicht mehr angenehm.

Noch mehr spannende Gesundheitsthemen finden Sie in dem kostenlosen Newsletter von 24vita.deden Sie gleich hier abonnieren können.

Forscher der Columbia-Universität fanden heraus, dass eine Covid-Infektion die Wirkung der Geruchsrezeptoren abschwächt. In einer Studie wiesen sie nach, dass es zu einer längerfristigen Abschwächung kommen kann. Diese kann mehrere Monate andauern. In Experimenten wurde gezeigt, dass das Coronavirus in den Nervenzellen, die für den Geruchs- und Geschmackssinn verantwortlich sind, Immunzellen aufbauen. Bei der Bekämpfung der Infektion werden Proteine freigesetzt, die die Aktivität der Riechnervenzellen beeinträchtigen. Die Wirkung der Immunzellen hält noch nach der Erkrankung an.

Auch andere Langzeitfolgen, wie Erschöpfung und Müdigkeit können auftreten. Forschungen der vergangenen Monate haben herausgefunden, dass der Bereich des Geruchssinns mit anderen sensiblen Bereichen des Gehirns eng verbunden ist. Die Studie der Columbia-Universität könnte auch Aufschluss über andere Long-Covid-Symptome, wie beispielsweise Kopfschmerzen oder Gehirnnebel („Brainfog“), liefern. 300 Rezeptoren in der Riechschleimhaut sind für unseren Geruchssinn verantwortlich. Bei einigen Patienten verschob sich das Geruchsbild: Das, was bisher angenehm geduftet hat, war nicht mehr angenehm.

Parosmie nach Corona: Für Betroffene verändert sich der Geruchssinn oder bleibt lange Zeit verschwunden. Auch der Geschmackssinn verändert sich.
Parosmie nach Corona: Für Betroffene verändert sich der Geruchssinn oder bleibt lange Zeit verschwunden. (Symbolbild) © Antonio Guillem/Imago

Parosmie: Warum ist der Geruchssinn so lange betroffen?

Schon zu Beginn der Corona-Pandemie entdeckten Forscher der Johns Hopkins University in Baltimore ein Enzym, das für den Verlust des Geruchssinns verantwortlich sein könnte. Bei Gewebeproben im Rahmen von Nasen-Operationen wurden hohe Dosen des Enzyms ACE-2 (Angiotensin Converting Enzyme II) nachgewiesen. Dies könne das Eingangstor für das Virus sein, um in die Körperzellen zu gelangen.

Menschen, die auch längere Zeit nach einer Covid-Infektion unter Geschmacks- oder Geruchsverlus leiden, können sich an Unikliniken wenden, die sich um Betroffene kümmern. Wissenschaftler und Ärzte empfehlen ein konsequentes Riechtraining. Für das Training können vier identische Dosen mit unterschiedlichen Geruchsträgern versehen werden. Betroffene lernen auf diese Weise, die Gerüche nach und nach wieder zu unterscheiden. Auch hier lautet der Rat der Ärzte „Geduld“. Dahinter steht die Hoffnung, dass sich die geschädigten Nervenzellen nach und nach wieder regenerieren.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

Auch interessant

Kommentare