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Plötzlicher Herztod beim Sport: Welche Krankheit dahintersteckt

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Von: Judith Braun

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Die Erbkrankheit arrhythmogene Kardiomyopathie kann bei Sportlern zum plötzlichen Herzstillstand führen. Die Krankheit kann jedoch nicht geheilt werden.

Bei der arrhythmogenen Kardiomyopathie handelt es sich um eine Erbkrankheit, die geschätzt bei einem von 5000 Menschen auftritt – wobei Männer häufiger davon betroffen sind als Frauen. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde die Krankheit wohl, als der 22-jährige Fussballprofi Antonio Puerta vom FC Sevilla im Jahr 2007 plötzlich mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand auf dem Spielfeld zusammenbrach. Wenige Tage danach starb er in einer Klinik.

Bei dem Fußballer wurde eine angeborene arrhythmogene Kardiomyopathie festgestellt. Die Krankheit kann vor allem junge Menschen durch einen plötzlichen Herztod beim Sport aus dem Leben reißen. Wissenschaftler fanden nun allerdings eine mögliche Therapiemethode.

Plötzlicher Herztod beim Sport: Forscher entdecken Therapieansatz

Sportler liegt am Boden
Patienten mit arrhythmogenen Kardiomyopathie müssen Medikamente wie Betablocker einnehmen und sollen keinen Ausdauersport betreiben. (Symbolbild) © imago sportfotodienst/IMAGO

Ein Forschungsteam um Prof. Dr. Volker Spindler, Biomediziner von der Universität Basel, entwickelte in seiner Studie ein Tiermodell des Krankheitsbildes. Dafür wurden Mäuse genetisch so verändert, dass sie einen ähnlichen Krankheitsverlauf haben wie Menschen. Den Wissenschaftlern gelang es dadurch, bislang unbekannte Mechanismen zu entdecken. Außerdem konnten sie neue therapeutische Ansätze identifizieren.

Laut Spindler führt die Erkrankung zu einem Verlust von Herzmuskelzellen und zur Einlagerung von Bindegewebe und Fett im Herzmuskel. Zudem kann es zu Herzrhythmusstörungen bis hin zum plötzlichen Herztod kommen. Dieser trete oftmals bei sportlicher Betätigung ein. Ausgelöst wird die Krankheit durch Mutationen im Erbgut. Allerdings gibt es keine Heilung, selbst wenn die Erkrankung frühzeitig diagnostiziert werden kann. Lediglich die Symptome können behandelt werden.

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Plötzlicher Herztod beim Sport: Was passiert im Körper bei arrhythmogener Kardiomyopathie?

Auf der Oberfläche der Herzmuskelzellen befinden sich Ansammlungen von Eiweißmolekülen, die sogenannten Desmosomen. Sie sorgen normalerweise dafür, dass die Zellen aneinanderkleben – ähnlich wie bei einem Klettverschluss. Vermutet wurde, dass viele der bekannten Mutationen die Haftung der Zellen verringern und der Herzmuskel dadurch geschwächt wird. Mithilfe des Tiermodells überprüften die Forscher in ihrer Studie diese Annahme. Dafür schleusten sie eine ähnliche Mutation in das Erbgut von Mäusen ein.

Als die Kardiologen die Herzfunktion der Tiere untersuchten, stellten sie fest, dass die genetisch veränderten Tiere eine Herzkrankheit mit Herzrhythmusstörungen entwickelten. Diese ähnelte der arrhythmogenen Kardiomyopathie beim Menschen. Die Forscher erkannten eine für die Krankheit typische Vernarbung des Herzmuskels. Außerdem konnten sie mithilfe einer mikroskopischen und biochemischen Analyse des Herzens beobachten, dass die Herzmuskelzellen weniger gut aneinander hafteten.

Symptome lindern und Gewebeschäden im Herzen verhindern

Um die Symptome zu lindern, müssen Patienten Medikamente wie Betablocker einnehmen. Außerdem sollten sie keinem kompetitiven Sport oder Ausdauer-Sport nachgehen. Bisweilen wird auch ein implantierbarer Defibrillator oder eine katheterbasierte Verödungsbehandlung eingesetzt. Schließlich bleibt manchmal als letzte Behandlungsmöglichkeit nur eine Herztransplantation. In der Studie entdeckten die Forscher allerdings einen neuen Therapieansatz.

Denn sie stellten fest, dass bei den Mäusen mit der Mutation und den kranken Herzmuskelzellen ein bestimmtes Eiweißmolekül vermehrt im Bereich der „Klettverschlüsse“ der Herzmuskelzellen eingelagert wird. Dies führt irgendwann zur Einlagerung von Bindegewebe und zur Vernarbung des Herzens. Als eine Substanz zugegeben wurde, konnte dies verhindert werden. Für Spindler könnte sich daraus ein neuer Therapieansatz entwickeln. Der Einsatz beim Menschen liegt jedoch noch in ferner Zukunft.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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