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West-Nil-Virus: Heimische Mücken verbreiten immer häufiger auch tropische Krankheitserreger

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Von: Laura Knops

Es ist eine Stechmücke auf einem Arm zu sehen (Symbolbild).
Heimische Stechmücken verbreiten immer häufiger auch exotische Krankheitserreger (Symbolbild). © IMAGO / imagebroker/theissen

Nicht nur exotische Mücken können gefährliche Krankheitserreger übertragen. Auch heimische Arten verbreiten vermehrt Infektionskrankheiten wie das West-Nil-Virus. 

Berlin – Stechmücken sind Überträger zahlreicher Krankheiten. Doch anders als viele denken, handelt es sich bei den Mücken nicht nur um exotische Arten. Auch heimische Mücken können gefährliche Krankheitserreger in sich tragen. Experten sind besorgt. Denn: Immer häufiger übertragen die Mücken hierzulande auch das aus Afrika stammende West-Nil-Virus.

Infektionskrankheiten: West-Nil-Fieber breitet sich aus

Bereits im vergangenen Jahr warnte das Robert-Koch-Institut (RKI) vor einer weiteren Ausbreitung des von Mücken übertragenen West-Nil-Virus in Deutschland*. Erstmals 2019 hatte das Robert Koch-Institut (RKI) fünf in Deutschland erfolgte Infektionen mit dem ursprünglich aus Afrika stammenden Virus diagnostiziert, bestätigt RKI-Epidemiologin Christina Frank. Im Jahr darauf waren es bereits 20 Fälle, darunter ein Todesfall.

Schon damals befürchteten die Experten, dass das Virus möglicherweise hierzulande überwintern könne. „Unserer Prognose lautet: Das West-Nil-Virus bleibt“, erklärte Wolfgang Gaede, Leiter des Fachbereichs Veterinärmedizin am Landesamt für Verbraucherschutz in Sachsen-An­halt, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. 

Infektionskrankheiten: Hohe Dunkelziffer wahrscheinlich

Die Dunkelziffer könnte weitaus höher sein. Denn das Virus zeigt bei Menschen teilweise gar keine oder nicht eindeutige Symptome. Diese könnten von leichter Übelkeit und Kopfschmerzen über Fieber bis hin zu neurologischen Schäden reichen.

„Ich würde mich nicht wundern, wenn hinter den 20 Fällen etwa 1000 Infizierte stehen, von denen allerdings 80 Prozent von der Infektion nichts gemerkt haben dürften“, erklärt RKI-Epidemiologin Christina Frank. Nur etwa einer von 100 Infizierten entwickelt ein schweres Krankheitsbild. Besonders häufig davon betroffen sind ältere Menschen.

Infektionskrankheiten: Aus Afrika nach Deutschland

Obwohl die Krankheitserreger vor allem von Stechmücken zwischen Vögeln übertragen werden, können sich auch andere Säugetiere wie Pferde oder auch Menschen infizieren. Ursprünglich stammt das West-Nil-Virus aus Afrika. Von dort ist es durch Zugvögel vermutlich nach Deutschland gelangt.

Lange Sommer mit hohen Temperaturen begünstigen die Ausbreitung des West-Nil-Virus in Deutschland. Vor allem wärmebegünstigte Regionen wie der Oberrhein kämpfen bereits seit Jahren mit Mückenplagen. Der Klimawandel tut sein Übriges: Je höher die Temperaturen, umso schneller können sich Viren in der Mücke vermehren, die Gefahr einer Übertragung wächst. 

Infektionskrankheiten: Verschiedene exotische Krankheitserreger

Neben dem West-Nil-Virus können heimische Mücken auch Krankheitserreger wie Usutu-, Sindbis- und Batai-Viren in sich tragen. Diese verursachen beim Menschen allerdings nur milde Symptome. Weitaus gefährlicher sind dagegen exotische, invasive Mückenarten.Die Asiatische Tigermücke, die Asiatische Buschmücke und die Aedes koreicus, auch Koreanische Buschmücke genannt, werden wir in Deutschland wohl nicht mehr ausrotten können“, erklärt Doreen Werner, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (Zalf) in Müncheberg (Brandenburg, Märkisch-Oderland).

Diese drei Arten, die tropische Erreger wie Zika-, Chikungunya- oder Dengue-Viren übertragen könnten, würden sich unaufhaltsam in Deutschland ausbreiten. So sei beispielsweise die Asiatische Buschmücke lediglich in Berlin und Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern sowie Schleswig-Holstein noch nicht registriert worden. Das Robert-Koch-Institut (RKI) verweist jedoch darauf, dass mehrere Faktoren für eine Ausbreitung etwa des Dengue-Erregers nötig sind. In Deutschland kämen zwar regional zumindest theoretisch für dessen Verbreitung geeignete Mücken vor, schreibt es, „die hiesigen klimatischen Bedingungen sind jedoch für Übertragungen wenig geeignet“.

Infektionskrankheiten: So schützen Sie sich vor den Stechmücken

Einen vorbeugenden medikamentösen Schutz gegen Mücken und die durch sie übertragenen Krankheitserreger gibt es bisher nicht. Schutznetze vor den Fenstern und das Auftragen von Insektenschutzmitteln sind jedoch vor allem älteren, da gefährdeteren Menschen.

Ein weiterer Lösungsansatz ist die Vermeidung von potenziellen Mücken-Brutplätzen. So sollten laut Experten mit Wasser gefüllte Regentonnen abgedeckt, Vogeltränken und Blumenvasen mindestens einmal die Woche geleert werden. Auch sogenannte BTI-Tabletten in länger stehendem Wasser können helfen, da der biologische Wirkstoff den Darm der Mückenlarven zerstört. Doch: Schon ein oder zwei Grundstücke mit optimalen Bedingungen für Mücken reichen aus, um eine ganze Region zu verseuchen. (Mit Material der dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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