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Tierphobie: Wo sie herkommt und wie Sie die Angst in den Griff bekommen

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Von: Kristina Wagenlehner

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Eine Frau sieht eine Plastikspinne und reißt die Augen auf. (Symbolbild)
Spinnenphobie, die übersteigerte Angst vor Spinnen, ist besonders verbreitet. (Symbolbild) © Agefotostock/Imago

Manche Menschen haben panische Angst vor bestimmten Tieren. Eine Tierphobie ist mehr als nur Abneigung und Ekel – aber sie kann gut behandelt werden.

Kiel – Das Herz pocht, der Brustkorb wird eng und die Beine fühlen sich an wie Wackelpudding. Nichts wie weg, ein Hund! Während die einen panische Angst vor Hunden, Spinnen oder Schlagen haben, halten viele sie als Haustiere. Grundsätzlich kann man eine Phobie gegen jede Tierart entwickeln.

Tierphobie: Wo sie herkommt und wie Sie sie in den Griff bekommen

Viele Menschen machen Hunde glücklich, bei anderen genügt bereits ein Foto, und sie bekommen starke Angst. Im Gegensatz zu Ekel oder einer Abneigung gegen bestimmte Tiere kann eine Phobie das Leben von Betroffenen stark einschränken. So stark, dass Betroffene beispielsweise nicht mit einem Hund im Bus fahren können. Der Vorwurf der Hypochondrie ist an dieser Stelle komplett falsch.

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„Von einer Phobie spricht man, wenn die Angst unverhältnismäßig geworden ist, sie das eigene Leben einschränkt und dies mit erheblichem Leid verbunden ist“, erklärt Heiner Molzen, Verhaltenstherapeut in Kiel. „Am häufigsten sind Tierphobien meiner Erfahrung nach aber bei Spinnen, Schlangen und Hunden“, sagt der Experte.

Tierphobie: Wie sich die Angststörung entwickelt

Extreme und panische Angst, egal ob gegen Hunde, Spinnen, Dunkelheit oder Spritzen, ist immer Teil einer Angststörung. Dazu zählt auch die Sozialphobie.* Viele, die sich beispielsweise vor Hunden fürchten, haben schlechte Erfahrungen gemacht, wurden angefallen und/oder gebissen. Mit der Zeit kann sich daraus eine Phobie entwickeln.

Aber wie es bei Spinnen oder Schlangen? Einen Angriff dieser Tiere haben Betroffene in unseren Breitengraden wohl eher selten erlebt. Doch auch hier führen Lernprozesse zu den starken Angstgefühlen. „Wenn Kinder sehen, wie Erwachsene auf manche Tiere reagieren, können sie dadurch lernen, dass diese Tiere gefährlich sein müssen“, erklärt Molzen.

Tierphobie: Haben Babys Angst vor Spinnen?

Wissenschaftler wollten noch mehr wissen: Und zwar, ob diese Angst bereits bei Säuglingen festzustellen ist. Dazu beobachteten sie, ob Babys zwischen sechs und acht Monaten auf Spinnen und Schlangen reagierten. In diesem Alter haben Babys in der Regel wenig Lernerfahrungen mit diesen Tieren gemacht.

„Wir haben herausgefunden, dass Babys tatsächlich schon Stressreaktionen gezeigt haben“, berichtet Prof. Stefanie Höhl, Entwicklungspsychologin der Uni Wien, die an der Studie beteiligt war. „Das bedeutet nicht, dass eine Spinnen- oder Schlangenphobie angeboren ist“, sagt Höhl. Jedoch scheine es biologische Faktoren zu geben, die dafür sorgen, dass wir bei diesen Tieren schneller Phobien entwickeln oder zumindest eine Abneigung.

Bei einer anderen Befragung kam heraus: Etwa die Hälfte der Menschen hat eine Abneigung gegen diese Tiere.

Tierphobie: Das Hirn bewertet Gefahr nicht immer rational

Bei einer Phobie ist nicht entscheidend, wie gefährlich etwas tatsächlich ist. Betroffene wissen oft selbst, dass von dem Weberknecht in der Ecke keine Gefahr ausgeht. Sie reagieren automatisch auf ein Signal, das vom Mandelkern im Gehirn ausgesendet wird. Im Mandelkern werden Objekte und Situationen reflexhaft mit Angst verknüpft, ohne dass die tatsächliche Gefahr vorher überprüft wurde.

„Angst funktioniert, ohne dass wir nachdenken müssen“, sagt Molzen. „Im Notfall kann es uns das Leben retten, wenn wir nicht erst das Risiko abwägen, sondern direkt wegrennen.“ Zum Problem wird dieser Überlebensmechanismus nur, wenn keine reale Gefahr vorliegt. Das Gute: „Wenn unser Gehirn Angst lernt, kann es auch lernen, keine Angst zu haben.“

Tierphobie: Wie Sie Ihre Ängste in den Griff bekommen

Keine gute Strategie, um die Angst zu bewältigen, ist es dem Tier aus dem Weg zu gehen. Die Angst bleibt so nicht nur bestehen, sondern wird mit der Zeit auch größer. Um die Angst in den Griff zu bekommen, muss sie ignoriert werden: Es gilt, neue, positive Verknüpfungen im Gehirn zu erstellen. Besonders hilfreich ist in der Regel eine Therapie.

Gemeinsam mit dem Therapeuten oder der Therapeutin konfrontieren sich die Patienten und Patientinnen mit dem Angstauslöser. (Psychische Erkrankungen: So verschieden reagieren Männer und Frauen) Es kann zum Beispiel zunächst mit einem Bild begonnen werden, um sich dann über tote Tiere bis zu einem lebendigen Exemplar vorzutasten.

Erleben die Patienten, dass ihre Angst nach zehn bis 15 Minuten nachlässt und schließlich komplett verschwindet, macht das Gehirn eine neue, positive Erfahrung. Die alte Negativerfahrung wird „überschrieben“. Wichtig dabei ist, dass Betroffene kein Sicherheitsverhalten zeigen, sondern sich ihrer Angst wirklich stellen und diese zulassen. Richtig angewendet kann diese Therapieform sehr schnell und gut wirken. (Mit Material der dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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