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Kälte oder Wärme? Welche Temperaturen bei welcher Verletzung guttun

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Von: Kristina Wagenlehner

Ein Mann hält ein Kühlpack auf sein Knie. (Symbolbild)
Ein Kühlpack hilft gegen Schwellungen und Prellungen. (Symbolbild) © Andrey Popov/Imago

Bei einigen Verletzungen hilft es zu kühlen, andere sollte man wärmen. Experten verraten, wann Kühlpack oder Kirschkernkissen besser sind.

Frankfurt am Main – Ein Kühlpack für das schmerzende Schienbein, das Wärmekissen für den verspannten Nacken: Helfen diese Methoden wirklich – und was passiert dabei im Körper? Experten geben Antworten.

Wärme oder Kälte? Bei diesen Verletzungen sollte Sie kühlen

Es muss nicht gleich die Blutgrätsche beim Fußball sein – manchmal genügt es, sich das Schienbein ungünstig an einem Tischbein anzuhauen. Klassische Sportverletzungen wie ein geprellter Arm oder ein verknackster Knöchel sollten mit Kälte behandelt werden. Als Eselsbrücke, wie Sie nach einem solchen Vorfall handeln sollten, dient das PECH-Schema. Es steht für:

Wenn zum Beispiel das Schienbein einen schmerzhaften Tritt oder Schlag abbekommen hat, sollte man es hochlegen, eine straffe Binde anlegen, ein Kühlpack auflegen und es mit einer leichten Binde fixieren.

Wärme oder Kälte? Warum Kälte gegen Schwellungen und Schmerzen hilft

Schwellungen entstehen, weil kleine Blutgefäße beschädigt sind. Durch Kälte ziehen sie sich zusammen und verschließen sich rascher. Auch die Weiterleitung der Schmerzsignale in Richtung Gehirn wird durchs Kühlen gehemmt. Die Verletzung tut also nicht mehr so weh. Der Orthopäde und Unfallchirurg Thomas Gottfried rät, grundsätzlich bei allen akuten Verletzungen zu Kühlmitteln zu greifen, auch bei Quetschungen oder Frakturen – aber nie bei offenen Verletzungen. Früher wurden außerdem die großen Blätter des Huflattichs gegen Schwellungen eingesetzt.*

Wärme oder Kälte? Auf Kälteschmerz achten

Doch bei der Anwendung von Kälte sollte man vorsichtig sein und es nicht übertreiben. Im schlimmsten Fall kommt es zu Erfrierungen der Haut. „Es gibt zwei Kältereaktionen, die man spüren kann“, sagt Gottfried. Zunächst gebe es den ersten Kälteschmerz, der ganz normal sei und keinen Grund zur Unterbrechung gebe. „Dann gibt es einen Gewöhnungseffekt und es folgt der zweite Kälteschmerz. Da muss man aufpassen und die Kältezufuhr unterbrechen, um Erfrierungen vorzubeugen“, sagt Gottfried. Dieser zweite Kälteschmerz sei ein Signal, dass die Körpertemperatur absinke.

Wärme oder Kälte? So kühlen Sie den Knöchel richtig

Grundsätzlich sind kalte Güsse und kalte Wickeln ideal, um Schwellungen oder Prellungen zu behandeln. Da bestehe im Normalfall keine Gefahr, sagt Gottfried. Bei Kühlmitteln wie Eisbeutel oder Eisgranulat, deren Temperatur etwa um den Gefrierpunkt liegt, empfiehlt er, sie 30 Minuten am Stück anzuwenden und dann eine Pause zu machen. „Wenn es sich um tiefgekühlte Eiskompressen handelt, sollte man unbedingt ein Frotteetuch auf die Haut legen, damit es nicht zu Hautschädigungen kommt. Hier sollte man etwa 15 bis 20 Minuten lang kühlen.“, sagt Axel Klein, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention.

Oder: „Man kann immer wieder einen Eiswürfel über die Stelle reiben“, so Klein. So sei der Körper keiner dauerhaften Kühlung ausgesetzt, aber man habe immer wieder einen schmerzstillenden Effekt. Er empfiehlt, eine verletzte Stelle maximal über zwei Tage immer wieder zu kühlen. „Spätestens ab dem dritten Tag will man den Stoffwechsel eher wieder anregen, damit das Gewebe möglichst gut durchblutet“, erklärt er. Dabei ist zu viel Kälte hinderlich.

Allerdings gibt es Ausnahmen, in denen Kälte auch schaden kann: „Aufpassen sollte man bei bestimmten Krankheitsbildern, zum Beispiel bei Durchblutungsstörungen oder Kälteempfindlichkeiten“, sagt Gottfried. Gleiches gilt demnach bei Formen der Sensibilitätsstörung, weil die Warnmechanismen außer Kraft gesetzt sind: „Die Betroffenen spüren den Kälteschmerz oft nicht.“

Wärme oder Kälte? Bei diesen Verletzungen hilft Wärme

Bei manchen Verletzungen oder Schmerzen ist allerdings Wärme besser – allerdings nie bei akuten Verletzungen. Beschwerden wie Verspannungen kann Wärme lindern mithilfe von:

„Wärme hat den Effekt, das Gewebe weicher zu machen“, erklärt Gottfried. Das helfe bei Überlastungssyndromen, zum Beispiel bei einem starken Muskelkater. „Auch bei Gewebeverklebungen oder Vernarbungen ist Wärme geeignet – sie kann bei allen Bindegewebsveränderungen hilfreich sein.“

Wärme öffnet die Gefäße und macht sie weiter, so wird die Durchblutung im Körper verbessert. Außerdem hat Wärme eine schmerzlindernde Wirkung. „Deshalb werden Wärmemittel auch zum Beispiel bei Menstruationsschmerzen oder chronischen Entzündungen gerne eingesetzt“, so Gottfried.

Wärme oder Kälte? Bei diesen Verletzungen keine Wärme

Bei akuten Verletzungen und offenen Wunden ist Wärme verboten. Das Gleiche gilt bei Infekten: „Da kann Wärme eine zu starke Belastung für den Körper sein“, so Gottfried. Rote Flecken, die durch die Wärme auf der Haut entstehen, sind hingegen nicht gefährlich. Außer, wenn Schmerzen dazukommen. Dann können durchaus schon leichte Verbrennungen vorliegen. Axel Klein rät, bei Wärmeanwendungen immer auf das eigene Gefühl zu hören. „Es sollte eine angenehme Wärme sein“, so der Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin. Viel hilft viel, ist in dem Fall die falsche Devise. Ein Heizkissen oder eine Rotlichtlampe sollte man lieber mehrmals am Tag nutzen, als einmal von langer Dauer. (Mit Material der dpa)

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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