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Tropenzecken in Deutschland gehen auf Jagd: Expertin warnt vor Gefahr

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Von: Judith Braun

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Mit dem Frühling beginnt leider auch die Zeckensaison in Deutschland. Eine besondere Gefahr geht laut einer Expertin von Tropenzecken aus.

Hohenheim – Langsam aber sicher hält der Frühling Einzug in Deutschland. Schon am frühen Morgen wecken uns die Vögel mit einem heiteren Konzert und in der Natur erwarten uns bereits die ersten bunten Blumen. Wenn dann die Temperaturen noch mitspielen, dann können wir bald zum ersten Mal in diesem Jahr barfuß durch knöchelhohes Gras auf einer Wiese laufen. So schön diese Vorstellung auch sein mag, so ist dennoch Vorsicht geboten.

Denn mit dem Frühling beginnt in unseren Breitengraden auch die Zeckensaison. Diese dauert von März bis November. Bei milden Temperaturen können Zecken allerdings sogar ganzjährig aktiv sein. In Deutschland finden sich zudem unterschiedliche Arten von Zecken. Als besonders gefährlich stufen Experten die Tropenzecken ein.

Tropenzecken in Deutschland: Expertin hält sie für besonders gefährlich

Von Zugvögeln eingeschleppt sind sie mit ihren braun-gelb-gestreiften Beinen fast so schnell wie Spinnen. Frankfurter Zeitung Online“ berichtet, wurde eine Zecke der Gattung Hyalomma erstmals im Dezember 2015 in Deutschland auf einem Pferd entdeckt. Dr. Lidia Chitimia-Dobler und ihr Team vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München habe die Tropenzecke als „Hyalomma rufipes“ identifiziert. Es handelt sich dabei um eine Schildzecke, deren angestammtes Verbreitungsgebiet in Afrika liegt.

Tropenzecken: Studie liefert weitere Erkenntnisse

Eine Studie von Professor Dr. Ute Mackenstedt vom Fachbereich Parasitologie an der Universität Hohenheim und ihrem Team lieferte schließlich weitere Details zu der damals neuartigen Zeckenart. Für die Untersuchung bat sie die Bevölkerung, drei Jahre lang Zecken an das Institut zu schicken. Mackenstedt und ihr Team wollten herausfinden, wie viele und welche Arten von Zecken in Deutschland vorkommen. Dafür konnten sie genau 8107 der eingereichten Parasiten untersuchen.

Hyalomma-Zecken kommen am dritthäufigsten in Deutschland vor

Es stellte sich heraus, dass die Hyalomma-Zecken am dritthäufigsten in Deutschland zu finden sind. Sie werden durch Zugvögel eingeschleppt. Nach dem Schlüpfen setzen sich die Larven laut Mackenstedt auf den Zugvögeln fest. „Dort saugen sie Blut, häuten sich und fallen schließlich als Nymphen hier in Deutschland ab“, so die Wissenschaftlerin. Sie hält diese Zeckenart für weitaus gefährlicher als andere Arten. In Deutschland gibt es außerdem bestimmte Gebiete, in denen die Zecken-Gefahr besonders hoch ist. Das RKI nannte indessen sechs neue Risikogebiete*.

Eine Zecke sitzt auf einem Blatt. (Symbolbild)
Im Frühling beginnt in Deutschland die Zeckensaison. (Symbolbild) © imageBROKER/Moritz Wolf/IMAGO

Tropenzecken verfolgen ihre Wirtstiere wie Pferde oder Rinder

Denn die Tropenzecken gehen im Gegensatz zu endemischen Zecken regelrecht auf Jagd. Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) lauert häufig Wochen oder Monate auf einen vorbeikommenden Wirt, während Hyalomma-Zecken ihre Wirtstiere wie Rinder oder Pferde auf bis zu zehn Meter Entfernung beispielsweise mit ihren Augen erkennen können. Dann können sie die Verfolgungsjagd aufnehmen und den Tieren bis zu mehreren hundert Metern folgen.

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Expertin hält Tropenzecken für besonders gefährlich

Die Gefahr besteht darin, dass eine Zecke laut Mackenstedt bis zu acht Milliliter Blut aufnehmen kann. „Bei 200 Zecken, die ein Pferd befallen können, wird allein das schon zum Problem“, warnt die Parasitologin. Denn die Folge davon können schwere Krankheiten sein. „Zecken übertragen unglaublich viele verschiedene Krankheitserreger, darunter Bakterien wie Rickettsien, die das Zecken-Fleckfieber auslösen, und Viren, die zu tödlichen Krankheiten wie dem Krim-Kongo Hämorrhagischen Fieber führen können.“ Werden Zecken entdeckt, dann sollten sie rasch entfernt werden.

Tropenzecken brauchen besondere Wetterbedingungen, um zu überleben

Um in Deutschland zu überleben braucht Hyalomma rufipes aus Afrika lange Trockenperioden und hohe Temperaturen. Besonders in den Jahren 2019 und 2020 war dies in der Deutschland der Fall. Zwar gibt es auch unter den Hyalomma-Zecken kälteresistentere Arten wie beispielsweise die „Hyalomma marginatum“, entscheidend seien laut Mackenstedt jedoch die Trockenphasen.

„Nur wenn es lange warm ist und nicht regnet, kann die Hyalomma-Zecke in Deutschland überleben und auch ihre Eier legen.“ Das sei ihr jedoch bislang noch nicht gelungen. Aufgrund des milden Winters ist laut Experten allgemein allerdings mit einem vermehrten Auftreten der Blutsauger zu rechnen und das Risiko für Zeckenstiche steigt. *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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