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Bauchgefühl: So beeinflusst der Darm auch unsere Psyche

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Von: Christine Pander

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Eine junge Frau steht lächelnd vor einer rosa Wand und hält sich den Bauch. (Symbolbild).
Öfter mal auf das Bauchgefühl hören, hält gesund. (Symbolbild) ©  Imago

Schmetterlinge im Bauch: Das hatten Sie hoffentlich schon oft. Manchmal schlägt uns leider aber auch was auf den Magen. Warum Sie auf Ihr Bauchgefühl hören sollten.

Hohenheim – Es sind keineswegs nur banale Sprüche: Wenn uns etwas auf den Magen schlägt, geht es uns nicht gut. In vielerlei Hinsicht ist der Bauch-, Magen und Darmtrakt ein wichtiger Kompass für das allgemeine Wohlbefinden. Aber Experten zufolge wurde das Bauchgefühl in den letzten Jahren völlig unterschätzt.

Bauchgefühl: So beeinflusst der Darm auch unsere Psyche

Bis vor einigen Jahren konnte niemand richtig sagen, worauf die Empfindungen und Aussagen bezügliches des Bauchgefühls eigentlich beruhen und was sich physiologisch dahinter verbirgt. Erst seit Kurzem fangen Forscher an, dieses Phänomen im Detail zu verstehen und wissenschaftlich fundiert zu erklären. Dabei zeigt sich vor allem, welchen Einfluss das Verdauungssystem auf das Denken, Fühlen und Handeln des Menschen hat.

Dem Ernährungsmediziner Prof. Stephan Bischoff von der Universität Hohenheim zufolge lohnt es sich in jedem Fall, mehr auf das Bauchgefühl zu hören. „Es lässt sich kaum beweisen, aber es gibt dieses Bauchgefühl wahrscheinlich wirklich“, sagt Bischoff in einem Interview. Die kürzliche Entdeckung der Darm-Hirn-Achse sei eine plausible Erklärung dafür.

Bauchgefühl: Was es mit der Darm-Hirn-Achse auf sich hat

Unter der Darm-Hirn-Achse verstehen Experten eine Kommunikation zwischen Darm und Hirn, und zwar wechselseitig. Das heißt, der Darm erhält nicht nur Anweisungen vom Gehirn, sondern sendet vor allem auch selbst Signale dorthin. 

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Und diese Interaktion wirkt sich höchstwahrscheinlich auf unsere Gesundheit aus. Experten vermuten, dass mentale Erkrankungen wie Depressionen mit dem Darm zusammenhängen können. Stress als verstärkender oder auslösender Faktor wird in diesem Zusammenhang auch diskutiert.

Bauchgefühl: Weniger Stress dank Laktobazillen

Im Tiermodell ist dem Ernährungsmediziner Stephan Bischoff zufolge zu beobachten, dass diese Faktoren nachweislich die Darmbarriere beeinflussen, also den physischen Übergang zwischen Darminhalt und Blutkreislauf. Das bedeutet, sie können die Darmgesundheit gefährden. Der Versuch mit Mäusen verdeutlicht es:

Im Tierversuch gaben Forscher Mäusen einer ängstlichen Rasse Antibiotika, die ihre Darmflora zerstörten. Daraufhin verhielten sich die Tiere plötzlich wagemutig und unternehmungslustig. Als die Wissenschaftler Darmbakterien einer mutigen Mäuserasse auf zaghafte Tiere übertrugen (und umgekehrt), wechselten auch die Charaktereigenschaften den Besitzer. Sogar wie eine Maus in einer verzweifelten Lage (im Experiment ist das ein Wasserbecken, in dem sie nicht stehen kann) reagiert, hängt von ihrer Darmflora ab: Bekommt sie zuvor bestimmte darmfreundliche Laktobazillen, sogenannte Probiotika gefüttert, gibt sie ihren Plan, an Land zu schwimmen, nicht so schnell auf und hat dabei weniger Stresshormone im Blut als ohne die „guten“ Mikroorganismen.

Bauchgefühl: Gibt es die ideale Mischung Mikrobiota?

Gibt es so etwas wie den Idealzustand des Mikrobiom aber auch beim Menschen? Dem Ernährungsmediziner Stephan Bischoff zufolge gibt es diesen tatsächlich, aber er gilt nicht für alle Menschen in gleicher Form. Ebenso wie bei „der gesunden Ernährung“ sei das weder beliebig noch für alle gleichermaßen gültig. Klar aber ist: Das Mikrobiom des Darms ist sehr stark von der Ernährung und anderen Lebensstilfaktoren abhängig.

Laut Bischoff mehren sich die Hinweise darauf, dass dieses Mikrobiom nicht nur bei chronischen Darmentzündungen eine große Rolle spielt, sondern auch bei der Entstehung von Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Allergien und Rheuma. Und dass unsere Darmflora sogar regeln könnte, was wir auf die Waage bringen und wie zuversichtlich wir dem Leben begegnen.

Bauchgefühl: Gesunde Ernährung für Darmgesundheit wichtig

Außerdem ist im Darm auch das Immunsystem angesiedelt. Mehr als 70 Prozent der körpereigenen Abwehr-Fabriken sitzen dort. Die Darmwand ist von einem feinen Nervengeflecht durchzogen, was ihm auch den Beinamen „Bauchhirn“ eingebracht hat. Neben gesunder Ernährung spielt für die Darmgesundheit vor allem regelmäßige Bewegung, die die Darmdurchblutung und die Peristaltik fördert, eine wichtige Rolle. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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