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Blutgruppe beeinflusst Corona-Verlauf

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Von: Max Partelly

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Welche Blutgruppe hat das geringste Risiko für einen schweren Corona-Verlauf? Doch die Blutgruppe allein entscheidet offenbar nicht alles, wie eine neue Studie belegt.

London – Nach über zwei Jahren Pandemie möchte man meinen, dass die meisten Fragen rund um das Coronavirus beantwortet sein müssten. Weit gefehlt. Die Forschungen laufen nach wie vor auf Hochtouren und regelmäßig gibt es neue Erkenntnisse zu der Art und Weise, auf die sich das Virus verbreitet und Menschen infiziert – manche infolge schwer krank macht.

Ein Ansatz ist, den Blick auf die Zusammensetzung des Blutes von Patienten zu werfen. Das klingt auch für Laien logisch, denn schließlich kann das Blut ja einiges über die Gesundheit aussagen. Und offenbar ist diese Intuition auch korrekt. Es gibt wohl einen Zusammenhang zwischen der Blutgruppe und dem Risiko eines schweren Verlaufs.

Schon 2020 gab es erste Erkenntnisse dazu, wer besonders gefährdet ist, einen schweren Corona-Verlauf zu bekommen. Dass alte und immunschwache Menschen ein besonders hohes Risiko haben, bei einer Infektion im Krankenhaus zu landen oder gar zu sterben, war schnell klar. Doch es gab auch schon zu diesem Zeitpunkt Anhaltspunkte für die Theorie, dass die Blutgruppe mit über das Risiko eines schweren Verlaufs* entscheidet. Die Erkenntnisse einer neuen Studie zeigen im Frühjahr 2022, dass der Zusammenhang komplexer ist. Es geht um mehr, als ausschließlich die Blutgruppe.

Neue Studie zeigt weiteren Zusammenhang zwischen Blutgruppe und schweren Corona-Verläufen

Mehr als 3000 Blutproteine analysierten die Forscher in der Studie. Ziel war es, herauszufinden, ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen bestimmten Proteinen und einem schweren Verlauf gibt – und sie landeten offenbar einige Treffer.

Sechs Proteine konnten sie ausmachen, die möglicherweise für ein erhöhtes Risiko eines schweren Corona-Verlaufs verantwortlich sind. Doch nicht nur das: Sie fanden auch heraus, dass acht Proteine vor einem schweren Verlauf schützen könnten.

Von den Proteinen, die für einen schweren Verlauf verantwortlich sein könnten, entscheidet eines, welche Blutgruppe ein Mensch hat. Die Blutgruppe könnte also laut diesen neuen Erkenntnissen tatsächlich mit dafür verantwortlich sein, wie schwer eine Corona-Erkrankung verläuft.

Medizinisches Personal beschriftet ein mit Blut gefülltes Reagenzglas. (Symbolbild)
Forscher versuchen herauszufinden, ob die Blutgruppe über das Risiko eines schweren Corona-Verlaufs entscheidet. (Symbolbild) © Marijan Murat/dpa

Studie: Unterschiedliche Blut-Proteine hängen mit unterschiedlich schweren Verläufen zusammen

Die Wissenschaftler unterschieden bei ihrer Studie zwischen zwei Arten des schweren Corona-Verlaufs. Zum einen gibt es den schweren Verlauf mit einem stationären Krankenhausaufenthalt und zum anderen die Verläufe mit notwendiger Beatmung beziehungsweise Todesfolge.

Bei der Analyse wurde erkannt, dass auch wenn es sechs Proteine gibt, die das Risiko eines schweren Verlaufs erhöhen. Acht Proteine wurden ausgemacht, die es senken. Darüber hinaus stellten die Wissenschaftler fest, dass es Unterschiede bei den Abstufungen der schweren Verläufe gibt. So waren die Proteintypen, die offenbar mit der Hospitalisierung ohne schwere Komplikationen zusammenhängen, andere als die, die mit nötiger Beatmung und Todesfolge in Verbindung gebracht wurden.

Die Studie interpretiert diesen Umstand so, dass je nach Stadium der Krankheit, verschiedene Mechanismen aktiv sein könnten. Mit den Erkenntnissen erhoffen sich die Forschenden, neue Anhaltspunkte zur Risikobewertung für einzelne Personen gefunden zu haben.

Studienergebnisse zu Blut-Proteinen aus England: Ein Ausgangspunkt für weitere Forschung

Doch was genau lässt sich durch die Erkenntnisse nun gewinnen? Es ist ein weiterer Schritt hin zum Verständnis, wie Corona funktioniert und wieso manche Menschen schwerer erkranken als andere. Aus über 3000 Proteinen wurden also ein paar wenige gefunden, die Einfluss auf das Risiko eines schweren Verlaufs haben. Das bietet Ansatzpunkte, weiter zu forschen.

In der Studie verweisen die Wissenschaftler anhand ihrer Ergebnisse auch darauf, dass weiter am Zusammenhang von schweren Corona-Verläufen und der Blutgruppe A geforscht werde. So könnten möglicherweise neue Behandlungsmethoden oder Medikamente gefunden werden.

Viele Fragen offen: Was bringt der Corona-Sommer?

Mit den neuen Erkenntnissen könnte es also Grundlagen für neue Behandlungsansätze geben. Kürzlich wurde auch Paxlovid – ein Medikament zur Behandlung von Corona-Erkrankungen* – in Deutschland verfügbar. Wer sich impfen lassen möchte, bekommt mittlerweile recht einfach einen Termin.

Wohl wegen diesem Gefühl der vergleichsweise hohen Sicherheit, etwas gegen Corona in der Hand zu haben, gibt es nun lockerere Regeln in Deutschland. Doch die Zahlen steigen weiter. Wieso das so ist, erklärt eine Virologin mit drei Gründen. Ob der Sommer wirklich entspannt wird, bleibt abzuwarten.*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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