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Blutspenden: Spenden soll für schwule und bisexuelle Männer leichter werden

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Von: Kristina Wagenlehner

Zwei Männer, die Händchen halten (von hinten). (Symbolbild)
Homosexuelle und bisexuelle Männer dürfen derzeit nur Blut spenden, wenn sie zwölf Monate vor der Spende keinen Sex hatten. (Symbolbild) © Alvaro Gonzalez/Imago

Blutspenden ist für schwule und bisexuelle Männer theoretisch möglich, praktisch eher nicht. Die aktuelle Regelung gleicht einem Verbot der Blutspende. Das soll sich jetzt ändern.

Berlin – Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) werden täglich rund 15.000 Blutspenden benötigt. Hinzu kommt, dass Blutkonserven gerade einmal 42 Tage, Blutplättchen sogar nur vier bis fünf Tage haltbar sind. Blutspenderinnen und Blutspender sind also immer erwünscht – solange sie nicht homo- oder bisexuelle Männer mit einem Sexleben sind. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will diese Regelung ab Herbst ändern.

Blutspenden: Warum es für homosexuelle Männer quasi unmöglich ist

Bis 2017 waren Homosexuelle komplett von der Blutspende ausgeschlossen. Seit 2017 besagt die Hämotherapie-Richtlinie der Bundesärztekammer und des Paul-Ehrlich-Instituts, dass Homosexuelle theoretisch als Blutspender infrage kommen. Aber nur, wenn sie eine Rückstellfrist von einem Jahr einhalten. Das heißt, dass sie vor einer Blutspende für zwölf Monate keinen Sex hatten. Ob der Spender in einer monogamen Beziehung lebt und/oder Kondome verwendet, ist dabei egal. Ein Jahr auf Sex zu verzichten, um Blut spenden zu dürfen – das macht eine Spende wohl mehr als unattraktiv. Dabei lohnt sich eine Blutspende nicht nur für den Empfänger*.

Warum gibt es diese Rückstellfrist? Das HI-Virus wird in der Gruppe der homosexuellen Männer immer noch deutlich häufiger übertragen. Von 2.200 Neuinfektionen im Jahr 2019 betrafen 1.600 homosexuelle Männer – fast drei Viertel aller HIV-Neuinfektionen. Tests können jedoch eine HIV-Infektion erkennen. Jede Spende wird seit 1985 auf das HI-Virus untersucht. Antikörper-Antigen-Tests schließen nach circa sechs Wochen eine Infektion aus, PCR-Tests können bereits nach vierzehn Tagen das HI-Virus nachweisen. Bei einer Wartezeit von drei Monaten kann eine Spende also unbedenklich eingesetzt werden. So wird es in Großbritannien, den USA und Kanada gehandhabt. Hier können homosexuelle Männer nach drei Monaten Wartezeit Blut spenden.

Doch nicht nur homo- und bisexuelle Männer sind von der Rückstellpflicht von zwölf Monaten betroffen. So schreibt die BZgA: „Vorübergehend von der Blutspende zurückgestellt werden Menschen, deren Sexualverhalten mit einem höheren Risiko verbunden ist, eine durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheit zu übertragen (wie Hepatitis oder HIV).“ Dazu gehören:

Blutspenden: Was sich ab Herbst ändern soll

Auch in Deutschland soll sich die Situation jetzt ändern. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn plant, nach Angaben des ZDF, die Rückstellfrist für Männer, die in einer monogamen homosexuellen Beziehung leben, abzuschaffen. Schwule oder bisexuelle Singles oder homosexuelle Paare, die in einer offenen Beziehung leben, sind davon aber ausgeschlossen. Für sie gilt weiterhin die Rückstellfrist. Allerdings soll sie von zwölf auf vier Monate reduziert werden. Der Nachweis erfolgt über die Angaben des Spenders. Wann genau die neuen Regelungen zur Blutspende für homosexuelle und bisexuelle Männer kommen, steht aber noch nicht fest.

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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