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Dritte Corona-Impfung: „Es ist überfällig, zu reagieren“

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Von: Kristina Wagenlehner

Sind alle guten Dinge wirklich immer drei und eine dritte Corona-Impfung nötig? Wissenschaftler haben eine klare Empfehlung.

Berlin – Inzwischen ist gut die Hälfte der erwachsenen Deutschen einmal gegen Covid-19 geimpft, rund ein Drittel bereits zweimal und die Wissenschaft denkt bereits weiter. „Wir müssen die nächste Phase beim Impfen jetzt schon andenken“, sagt Leif Erik Sander, Infektionsimmunologe an der Berliner Charité.

Dritte Corona-Impfung: Wie lange eine Impfung Schutz bietet

Eine Masernimpfung schützt ein Leben lang, die Tetanusimpfung etwa zehn Jahre. „Für Corona wissen wir das schlichtweg noch nicht, wo da jetzt die Grenze liegt“, sagt Sander. Langfristige Daten fehlen noch. Was sich allerdings bereits im kurzfristigeren Verlauf zeigt: ältere Menschen mit einem dementsprechend älteren Immunsystem und auch jüngere Menschen mit einem geschwächten Immunsystem reagierten auf die Erstimpfung nicht ausreichend. Auch die Immunantwort nach der zweiten Impfung bleibe niedriger als bei jüngeren und gesunden Menschen. „Auch wenn wir bei den Älteren dann immer von einem relativ hohen Niveau reden.“

Dritte Corona-Impfung: Delta-Variante setzt sich durch

Bis zum Herbst und Winter werden sich vermutlich sogenannte Immunescape-Varianten durchsetzen, sagt Sander. Das sind Mutanten des Coronavirus, gegen die bisherige Impfstoffe mitunter etwas schlechter wirken. Dazu gehört beispielsweise die Delta-Variante des Coronavirus. Ältere und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sollten daher noch in 2021 eine dritte Corona-Impfung bekommen.*

Auch andere Forscher beschäftigen sich mit dem Thema Auffrischungsimpfung. „Im Herbst/Winter wird sich Delta auch bei uns durchsetzen. Dann werden sich die infizieren, die keinen oder einen zu schwachen Schutz haben“, twitterte jüngst der Dortmunder Immunologe Carsten Watzl. „Aber auch ältere Personen mit hohem Risiko für schwere Verläufe könnten bei Delta ein Problem bekommen, wenn die Impfung bei ihnen nicht so gut gewirkt hat. Daher werden solche Personen vor dem Herbst eine dritte Impfung benötigen.“

Für jüngere und gesunde Menschen seien Auffrischungsimpfungen dagegen noch kein Thema. „Ich glaube nicht, dass wir uns alle zum Winter hin ein drittes Mal impfen lassen müssen“, sagt Sander. Die Impfstoffe seien sehr gut wirksam.

Dritte Corona-Impfung: „Es ist überfällig, zu reagieren“

Seniorinnen und Senioren brauchen nach Meinung vieler Experten bereits in diesem Herbst eine dritte Impfdosis. Sander zufolge sollte nicht nur ihnen, sondern auch Menschen mit Immunschwäche eine Drittimpfung angeboten werden. Als Zeitpunkt könnte beispielsweise die Grippeschutzimpfung im Oktober gewählt werden.

„Ich gehe davon aus, dass wir bei älteren Menschen, die zu Beginn dieses Jahres ihre Erst- und Zweitimpfung erhalten haben, eine nachlassende Immunantwort sehen werden.“ Sander hält es für möglich, dass es ohne Auffrischungsimpfung im Winterhalbjahr zum Beispiel in Alten- und Pflegeheimen zu zusätzlichen Infektionen kommen könnte. Das sieht Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, ganz genauso. „Es ist überfällig, zu reagieren“, sagt er. Dabei geht es nicht nur darum, ob die Bewohnerinnen und Bewohner dreimal geimpft wurden, sondern es gehe auch um ihr Umfeld: Sind Pflegepersonal und alle Besucher wirklich komplett durchgeimpft? „Denn das sind meist die Wege, auf denen das Virus in Alten- und Pflegeeinrichtungen gelangt.“

Dritte Corona-Impfung: Welche Aufffrischungsimpfung

Sander geht davon aus, dass eine dritte Impfung mit bekannten und hier zugelassenen Impfstoffen einen sehr guten Auffrischungseffekt hat. „Es kann sein, dass bestimmte Kombinationen dann noch einmal einen Vorteil bringen.“ Vermutlich werde man die Vektorimpfstoffe wie den von AstraZeneca nach zweimaliger Impfung nicht noch ein drittes Mal geben. Bereits für die Zweitimpfung nach einer Erstimpfung mit AstraZeneca hat die STIKO kürzlich ihre Empfehlung geändert. „Denn es baut sich auch eine sogenannte Vektor-Immunität auf, die die Impfwirkung abschwächt. Ich glaube, dass wir hier dann mit einem mRNA-Impfstoff wie Biontech/Pfizer oder Moderna kommen sollten.“ Und auch umgekehrt. Die besten Kombinationen müssten aber noch in Studien gezeigt werden. Auffrischungsimpfungen kommen zudem häufig auch mit rund der Hälfte der Dosis aus. (Mit Material der dpa)

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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