1. 24vita
  2. Prävention

Pflegerin will wissen, warum Sterbende gegen Corona geimpft werden

Erstellt:

Von: Judith Braun

Kommentare

Älteres Paar steht auf einer Spritze (Symbolbild)
Immer häufiger werden Palliativ-Patienten wohl gegen Corona geimpft. Warum, fragt eine Pflegerin (Symbolbild). © Gary Waters/IMAGO

Immer häufiger werden Sterbende gegen Corona geimpft. Eine Pflegerin schildert ein ethisch doch fragwürdiges Phänomen.

Köln – Das Coronavirus hat die Welt seit zwei Jahren fest im Griff. Verschiedene Maßnahmen wurden und werden weiterhin ergriffen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Dazu zählten zu Beginn der Pandemie beispielsweise Kontaktbeschränkungen. Bis heute gehört zudem das Tragen von Masken in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften zur Pflicht in Deutschland. Ein wichtiges Mittel, um die Pandemie möglichst schnell bekämpfen zu können, ist nach Meinung von Experten die Corona-Impfung.

Corona-Impfungen gewinnen gerade auch im Hinblick auf die von Karl Lauterbach für 2022 prognostizierte Sommerwelle noch mehr an Bedeutung. Laut den Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind aktuell mindestens 62,9 Millionen Personen (Stand 9.3.) grundimmunisiert. Das entspricht 75,7 % der Gesamtbevölkerung. Mindestens 47,9 Millionen Menschen haben nach Angaben des RKI bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten. Die Ständige Impfkommission (Stiko) gibt regelmäßig Empfehlungen ab, für wen die Impfung sinnvoll ist. Eine Pflegerin aus Köln stellte sich allerdings nun die Frage, warum Sterbende kurz vor ihrem Tod noch eine Impfung erhalten. Die erfahrene Pflegerin sieht den Nutzen einer Covid-Impfung für Menschen, die sie beim Sterben begleitet, eher weniger. Aus ihrem Berufsalltag weiß sie, dass ihre Patienten vorrangig menschliche Zuwendung brauchen.

Corona: Pflegerin fragt, warum Sterbende kurz vor Tod geimpft werden

In einem offenen Brief der Seniorenvertretung Köln-Innenstadt an Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) kam die Pflegerin zu Wort und berichtete über ein immer häufiger auftretendes und ethisch fragwürdiges Phänomen. Palliativ-Patienten, die nicht mehr ansprechbar sind und keinen Vormund oder Angehörige haben, werden geimpft, obwohl Impf-Patienten eigentlich eine Einverständniserklärung vor der Corona-Schuztimpfung unterschreiben müssen. Mit ihrer Unterschrift willigen sie ein, dass sie die Haftung für mögliche Risiken und Nebenwirkungen selbst übernehmen.

Noch mehr spannende Gesundheitsthemen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können

Corona-Impfung immer häufiger bei Sterbenden ohne Vormundschaft

 „Warum werden Menschen, die maximal noch eine oder zwei Wochen zu leben haben, weder schlucken noch sprechen können, die bettlägerig und vollständig geimpft sind, die mehr Morphium bekommen als Nahrung und Wasser, während des Sterbens zum vierten Mal gegen Corona geimpft? Um das drei-vier-fünffach geimpfte Personal zu schützen?“, wird die Pflegerin laut „Tonight News“, einem Partnerportal der „Rheinischen Post Online“, in dem Brief zitiert. Das einzige, was ihre Patienten wollen, sei ausreichend Luft zu bekommen und „jemanden, der ihnen ab und zu mal für ein paar Minuten die Hand hält, aber keine vierte Impfung während des Sterbens!“

Die Schilderung der Angestellten scheint keine Ausnahme zu sein. Karl-Heinz Pasch, Sprecher der Seniorenvertretung Köln-Innenstadt, schrieb in dem offenen Brief, dass ihm verschiedene Pflegekräfte von ähnlichen Zuständen berichteten. Angeblich wurden Palliativ-Patienten und Patienten in Pflegeheimen kurz vor ihrem Tod ohne ihr Einverständnis zum vierten Mal gegen Covid-19 geimpft. Ältere Menschen sind eine von vier bestimmten Gruppen, denen die Stiko eine zweite Booster-Imfpung empfiehlt. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zweifelt hingegen am vierten Stich für alle*.

Corona-Impfung bei Sterbenden: Pflegerin wettert gegen Ärzte

Für die zitierte Pflegekraft sei der Grund für dieses Vorgehen der Ärzte ein finanzieller Nutzen. „Nach 17 Jahren Pflege fällt mir wieder mal die Kinnlade herunter, wie dreist und eiskalt man mit alten und jetzt sogar sterbenden Menschen umgeht“, wetterte sie. Meist handelte es sich bei den betroffenen Patienten um Sterbende ohne Vormundschaft. Ärzte seien gekommen, obwohl sie nicht zum Impfen bestellt worden seien. „Wir Schwestern hatten vor Wut alle die Tränen in den Augen“, berichtete sie weiter, als die Mediziner sie im Vorbeigehen darüber informiert hätten, dass sie Patienten noch schnell gegen Corona geimpft haben. Zwölf Stunden vor ihrem Tod sei eine Patientin sogar noch geimpft worden.

Da es sich bei dieser Schilderung um keinen Einzelfall handelte, forderte Pasch in dem offenen Brief die Stadt Köln dazu auf, einen unabhängigen Ethikrat in allen privaten und staatlichen Pflegeeinrichtungen einzurichten. Eine Antwort der Stadt Köln blieb zunächst noch aus. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

Auch interessant

Kommentare