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Wissenschaftler warnen: Bei Pollenflug steigt die Zahl der Corona-Infektionen

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Von: Jasmina Deshmeh

Pollen einer Papel fliegen durchs Bild. Im Hintergrund ist eine Wiese zu sehen (Symbolbild)
Es ist wieder soweit: Die Pollen fliegen. Leider kann der Pollenflug auch das Risiko einer Corona-Infektion erhöhen, wie eine akutelle Studie zeigt (Symbolbild). © Christian Ohde/imago-images

Ist die Pollenkonzentration der Außenluft hoch, steigen auch die Infektionsraten mit SARS-CoV-2, wie Forscherinnen und Forscher der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München in einer gemeinsamen Studie herausgefunden haben. 

München – Starker Pollenflug im Frühling kann das Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, erhöhen. Zu dieser Erkenntnis kommt ein internationales Forscherteam der TUM und des Helmholtz Zentrum München durch eine breit angelegte Studie, die gestern in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht wurde. Anlass der Untersuchung war die Beobachtung, dass im Frühling 2020 der Ausbruch der Corona-Pandemie in der nördlichen Hemisphäre mit den Flugzeiten der Baumpollen zusammenfiel. Die Wissenschaftler wollten daher prüfen, ob ein nachweisbarer Zusammenhang zwischen der Pollenkonzentration der Luft und den Infektionszahlen besteht.

Studie zeigt: Pollen haben als wichtiger Umweltfaktor Einfluss auf die Infektionszahlen

Für die Studie sammelte das Team unter der Leitung von Athanasios Damialis am Lehrstuhl für Umweltmedizin an der TUM Daten zu:

Darüber hinaus wurden auch Daten zur Besiedelungsdichte und Effekte des Lockdowns berücksichtigt. Die 154 Wissenschaftler analysierten insgesamt Pollendaten von 130 Stationen in 31 Ländern auf fünf verschiedenen Kontinenten.

Das Ergebnis: Luftgetragene Pollen können im Durchschnitt 44 Prozent der Varianz der Infektionsraten erklären. In einigen Fällen spielten aber auch Luftfeuchtigkeit und Lufttemperatur eine Rolle. So stieg an Orten ohne Lockdown die Infektionsrate im Schnitt um vier Prozent, wenn sich die Pollenkonzentration in der Luft um 100 pro Kubikmeter erhöhte. In einigen deutschen Städten, in denen vorübergehend bis zu 500 Pollen pro Kubikmeter gemessen wurde, stiegen die Infektionsraten sogar um mehr als 20 Prozent. Galten in den untersuchten Gebieten Lockdown-Regeln, halbierte sich die Zahl der Infektionen im Schnitt bei vergleichbarer Pollenkonzentration in der Luft.

Studie zeigt: Pollen schwächen die Körperabwehr

Doch wie lassen sich diese Effekte erklären? Bei Pollenflug reagiert die Körperabwehr in abgeschwächter Form auf Viren der Atemwege, die Schnupfen und Erkältungen auslösen. Wenn ein Virus normalerweise in den Körper gelangt, produzieren infizierte Zellen Signalproteine – auch bei SARS-CoV-2. Diese sogenannten antiviralen Interferone rufen benachbarte Zellen dazu auf, ihre antivirale Abwehr zu verstärken, um die Eindringlinge in Schach zu halten. Außerdem wird eine ausbalancierte Entzündungsreaktion aktiviert, um die Viren zu bekämpfen.

Ist allerdings die Pollenkonzentration in der Luft hoch und werden neben Viren auch Pollen eingeatmet, werden weniger solcher antiviralen Interferone produziert. Auch die eigentlich heilsame Entzündungsreaktion wird gedrosselt. Wenn viele Pollen fliegen, kann die Zahl der Atemwegserkrankungen also ansteigen – dies gilt auch für Covid-19. Dabei ist es irrelevant, ob Betroffene gegen Pollen allergisch sind oder nicht.

„Man kann nicht vermeiden, luftgetragenen Pollen ausgesetzt zu sein“, sagt Stefanie Gilles, Erstautorin der Studie in einer Pressemitteilung der TUM. „Personen, die zu Hochrisikogruppen gehören, sollten deshalb darüber informiert sein, dass erhöhte Pollenkonzentrationen in der Luft anfälliger gegenüber viralen Infekten der Atemwege machen.“ Athanasios Damialis ergänzt: „Betrachtet man die Verbreitung des SARS-CoV-2, müssen Umweltfaktoren wie Pollen mit in die Rechnung aufgenommen werden. Das Wissen um diese Auswirkungen eröffnet neue Wege für die Prävention und Abmilderung von Covid-19.“

Studie zeigt: Staubfiltermasken schützen vor Corona-Infektion

Wie also können sich Personen, die zur Risikogruppe gehören, schützen? Letztautorin Claudia Traidl-Hoffmann, Professorin für Umweltmedizin, rät, in den nächsten Monaten die Pollenflugvorhersagen zu Rate zu ziehen. Sie sagt: „Staubfiltermasken zu tragen, wenn die Pollenkonzentration hoch ist, kann das Virus und den Pollen gleichermaßen von den Atemwegen fernhalten.“ (mit Material von der TUM)

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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