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Triage in Coronazeiten: Entscheidung über Leben und Tod

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Von: Christine Pander

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Eine Person liegt zugedeckt im Krankenbett, umgeben von medizinischen Apparaten, eine Krankenschwester steht daneben. (Symbolbild)
Auf Intensivstationen geht es um Leben und Tod. (Symbolbild) © Christoph Reichwein/Imago

Wer wird zuerst behandelt, wenn es viele medizinische Notfälle gleichzeitig gibt? Und wer entscheidet darüber? Was hinter dem Begriff „Triage“ steckt.

Berlin – Die Intensivbetten werden knapp. Immer wieder sprechen Experten derzeit von einer sogenannten „Triage“. Vor allem seit die vierte Corona-Welle rollt, fällt der Begriff immer wieder. Doch was heißt das eigentlich genau?

Triage in Coronazeiten: Entscheidung über Leben und Tod

Der Begriff Triage wurde nicht mit dieser Pandemie erfunden. Er kommt aus dem Französischen, vom Wort „trier“ und heißt übersetzt „auswählen“ oder „sortieren“. Mit der Corona-Pandemie gewinnt die Frage nach der Triage, der Auswahl, wieder an Gewicht: Wer erhält intensivmedizinische Versorgung, wenn die Betten, die Beatmungsgeräte und das Pflegepersonal nicht ausreichen? Vor der Pandemie wurde der Begriff Triage vor allem in Bezug auf Krieg und Katastrophen verwendet.

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Wenn es um Leben und Tod geht, orientiert sich die Triage den Richtlinien der medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland zufolge „am Kriterium der klinischen Erfolgsaussicht“. Vorrangig werden also Patienten intensivmedizinisch behandelt, „die durch diese Maßnahmen eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit haben“. Eine Priorisierung aufgrund des Alters, sozialer Merkmale oder bestimmter Grunderkrankungen oder Behinderungen darf es aber nicht geben.

Was ist eine Triage: Ärzte müssen entscheiden, wer behandelt wird

Und doch wird der Platz auf den Intensivstationen knapp, nicht nur Corona-Patienten brauchten dringend ein Bett. Ärzte müssen Entscheidungen treffen. Planbare, aber notwendige Operationen werden bereits verschoben. Diese sogenannte Ex-Post-Triage stellt behandelnde Ärztinnen und Ärzte vor eine enorme Herausforderung. Sie müssen im Ernstfall entscheiden, wer eine lebensrettende Behandlung bekommt und wer nicht. Wird der eingelieferte Schlaganfall-Patient intensivmedizinisch behandelt oder der Patient mit schwerem Covid-Verlauf*, wenn es nur noch ein Bett im Krankenhaus gibt?

Das ist eine schwere und sehr belastende Situation. Man stelle sich folgendes vor: Eine junge Mutter erhält das letzte Beatmungsgerät einer Klinik, weil sie bessere Überlebenschancen hat als der betagte, chronisch kranke Risiko-Patient, der dieses Beatmungsgerät ebenfalls dringend benötigt. Ohne das Beatmungsgerät sterben beide. Erhält es die junge Frau und nicht der ältere Mann, gilt das rechtlich als Tötung und ist strafbar, denn jedes Menschenleben ist wertvoll, jedem muss geholfen werden. Eine Entscheidung müssen Ärzte dennoch treffen.

Was ist eine Triage: Ärzte stehen bei Behandlung vor einem Dilemma

Dem Deutschen Ethikrat zufolge, eines vom Bundestagspräsidenten berufenen Sachverständigenrats, kann das Gericht in diesen speziellen Fällen angesichts der sogenannten „dilemmatischen Situation“ einen entschuldigenden Notstand annehmen und von einer Bestrafung des Mediziners absehen.

Würden jedoch Hinterbliebene des älteren Mannes aus dem Beispiel Strafanzeige stellen, wäre die Staatsanwaltschaft verpflichtet, ein Ermittlungsverfahren aufzunehmen. Der Ethikrat hat in seiner Empfehlung „Solidarität und Verantwortung in der Corona-Krise“ dazu die Formulierung aufgenommen, der behandelnde Mediziner oder die Medizinerin könne in einem solchen Fall „mit einer entschuldigenden Nachsicht der Rechtsordnung rechnen“. Das heißt: Die Handlung ist zwar nicht rechtens, wird aber auch nicht bestraft aufgrund der schwierigen Situation.

Um das Dilemma einer Triage zu vermeiden und die Lage in den Kliniken nicht zu verschlimmern, ist es Gesundheitsexperten zufolge die Aufgabe eines jeden Einzelnen, sich an die aktuellen Coronaregeln zu halten und, wenn möglich, die Schutzimpfung in Anspruch zu nehmen .*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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