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„Ich war schwer depressiv“: Comedian Kurt Krömer packt über seine Erkrankung aus

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Von: Judith Braun

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Kurt Krömer schaut in die Kamera (Symbolbild)
Comedian Kurt Krömer ließ sich in ein einer Klinik wegen Depressionen behandeln. © Malte Ossowski/SVEN SIMON/IMAGO

Comedian Kurt Krömer spricht in der Öffentlichkeit offen und ehrlich über seine Depressionen. Nach einem Klinikaufenthalt fühlt er sich geheilt.

Berlin – Die Depression zählt zu einer der häufigsten psychischen Krankheiten in Deutschland. Jeder fünfte Erwachsene (zwischen 18 und 65 Jahren) erkrankt laut Angaben der „Deutschen Depressionshilfe“ einmal in seinem Leben an einer depressiven Störung. Dennoch gilt die Krankheit lange Zeit als Tabuthema. Auch heutzutage sind Depressionen für viele Patienten noch immer mit Scham und Schuldgefühlen verbunden.

Umso wichtiger ist es, dass in jüngster Zeit mehr und mehr prominente Betroffene mit ihrer persönlichen Krankheitsgeschichte an die Öffentlichkeit gegangen sind. Neben der Schauspielerin Nora Tschirner (40) und dem Sänger Wincent Weiss (29) schreibt auch Comedian Kurt Krömer (47) jüngst in seinem Buch „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst“ über seine Depressionen. In einem Interview mit dem „Norddeutschen Rundfunk“ (NDR) teilt er zudem mit, was ihm persönlich besonders im Kampf gegen die psychische Erkrankung geholfen hat.

Depression: Comedian Kurt Krömer packt über persönliche Krankheitsgeschichte aus

Genau vor einem Jahr spricht der 47-Jährige zum ersten Mal in seiner eigenen TV-Show „Chez Krömer“ öffentlich über seine Krankheit. Für die Folge, in der Comedy-Kollege Torsten Sträter (55) zu Gast war, wurde Krömer für den Grimme-Preis 2022 in der Kategorie Unterhaltung nominiert. Beide TV-Stars unterhalten sich ganz offen über depressive Episoden in ihrem Leben. Auch Sträter lebt seit mehreren Jahren mit der Krankheit. Aufgrund der starken Resonanz entscheidet sich Krömer schließlich dazu, seine Geschichte in einem Buch festzuhalten, wie er gegenüber dem „NDR“ schildert.

Depression: „Chez Krömer“-Folge mit Torsten Sträter schlägt hohe Wellen

Dort sei er schonungslos mit sich selber, so Krömer. Es beschreibt unter anderem Alkoholabstürze und Panikattacken. Sein offener und ehrlicher Umgang kostet ihn jedoch keinerlei Überwindung, meint der Comedian. Offenbar fühlen sich viele Zuschauerinnen und Zuschauer von seinen Erfahrungen angesprochen, was den Comedian wiederum verblüfft. „Bei der Depression hätte ich wirklich nicht gedacht, dass das solche Wellen schlägt“, so Krömer, der auch in der Vergangenheit unangenehme Themen in der Öffentlichkeit platziert, und weiter: „Ich habe nach der Folge mit Sträter fünf-, sechstausend Nachrichten bekommen.“

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Comedian Kurt Krömer ging mit Depression an die Öffentlichkeit - und bekam große Resonanz

Insbesondere Betroffene oder Angehörige von Erkrankten melden sich nach der Sendung bei Krömer. „Was ich da erfahren habe, war fast hundertprozentige Dankbarkeit“, schildert der Künstler. Manche Zuschauer erzählen ihm, dass sie sich ebenfalls schon in einer Klinik behandeln ließen oder einen Aufenthalt planen. Viele Patienten suchen auch Hilfe in ambulanten Therapien, wobei Therapieplätze oftmals Mangelware sind*.

Letztendlich half auch ihm die Klinik, aus der depressiven Episode wieder herauszukommen. „Das, wovor ich am meisten Angst hatte, hat mir im Endeffekt am meisten geholfen. Ich war ja schwer depressiv“, meint Krömer und weiter: „Der beste Ort, wenn du an Depressionen erkrankt bist, ist diese Klinik.“ Mediziner unterscheiden zwar zwischen leichten, mittleren und schweren Depressionen. Die Empfehlung eines Klinikaufenthalts hängt jedoch nicht vom Schweregrad ab.

Depression kann unterschiedliche Anzeichen haben

Eine Depression kann sich durch verschiedene Anzeichen bemerkbar machen. Laut der „Apotheken Umschau“ ist das Gefühl, nichts mehr zu empfinden, charakteristisch für eine depressive Störung. Viele Patienten sind zudem mut-, antriebs- und kraftlos. Das Gefühl von Freude, aber auch von Traurigkeit ist ihnen völlig fremd. Ähnlich erging es auch Krömer. „Du bist nicht in der Lage, Emotionen zu spüren. (...) Ich wäre gerne traurig gewesen. Ich hätte gerne gesagt, ‚ach das ist ja nur ne Traurigkeit‘ und dann guck ich halt einen lustigen Film und dann geht die Traurigkeit wieder weg.“ Der Komiker litt jedoch unter Konzentrationsstörungen und Überforderung mit den einfachsten Alltagsdingen. Als „grauer Schleier über dem Kopf“ beschreibt er seinen Zustand während der Depression.

Kurt Krömer half ein Klinikaufenthalt und Achtsamkeit im Alltag gegen Depression

Neben der Klinik habe ihm vor allem Achtsamkeit geholfen. Ein Wundermittel gegen Depression gibt es eben noch nicht. Er baute Achtsamkeitsübungen, wie „setze dich einfach mal auf eine Parkbank“ und Pausen sowie kleine Auszeiten in seinen hektischen Berufsalltag ein. So gelang es dem alleinerziehenden Vater von vier Kindern, mehr auf sich und seinen Körper zu hören. Inzwischen, so schreibt er in seinem Buch, ist er geheilt. Laut seinen Therapeuten fand Krömer wieder gut aus der Depression heraus. Sein Ziel ist es nun, Depressionen „in den Fokus zu rücken und sie aus der Tabu-Ecke herauszuholen“.

Kurt Krömer ist eine Kunstfigur, hinter der der Schauspieler, Comedian und Autor Alexander Bojcan (47) steckt. Bekannt ist er aus Filmen wie „Nils Holgerssons wunderbare Reise“ und „Die Abenteuer des Huck Finn“. Zuletzt nahm er an der Amazon-Prime-Serie „LOL – Last One Laughing“ von Bully Herbig (53) teil. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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