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Erziehungstipps vom Kinderarzt: „Kindheit ohne aufgeschlagenes Knie ist ein Missverständnis“

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Von: Judith Braun

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Eltern tendieren häufiger dazu, ihre Kinder zu überbehüten. Gefährlicher ist es aber, wenn Kinder keine Erfahrungen machen, so ein Erziehungsexperte.

Die meisten Kinder sind gerne draußen, wo sie mit ihren Freunden und anderen Kindern spielen und toben. Dass es da auch mal zu kleinen Verletzungen kommen kann, ist ganz normal. Viele Eltern ertappen sich allerdings dabei, dass ihr Beschützerinstinkt plötzlich überhandnimmt und sie ihre Kinder ängstlich davor warnen, dass sie vorsichtig sein oder nicht so hochklettern sollen. Manchmal greifen Eltern sogar ein, wo es nicht unbedingt nötig ist: „Komm, ich halte dich fest.“ Dieses Verhalten kann laut dem Kinderarzt und Buchautor Herbert Renz-Polster allerdings Folgen haben.

Erziehungstipps vom Kinderarzt: Kinder müssen sich auch mal Knie aufschlagen

Kind sitzt mit aufgeschürften Bein neben seinem Fahrrad.
Dass sich ein Kind in seiner Kindheit auch einmal verletzt, ist laut einem Kinderarzt normal. Eltern sollten ihre Kinder deshalb nicht überbehüten. © Wavebreak Media Ltd/IMAGO

„Das wirkliche Risiko für die Kinder ist: all das nicht zu erleben“, erklärt der Experte in einem Interview mit Zeit Online. Aus medizinischer Sicht haben Kinder, die selten hinausgehen in die Welt und dadurch wenige Erfahrungen machen, ein hohes gesundheitliches Risiko. „Weil sie nicht in ihren Körper reinkommen“, erklärt Renz-Polster. Demnach hängt damit nicht nur die Entwicklung von Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht zusammen. „Kinder, die wenig draußen sind und sich wenig bewegen, sind auch anfälliger für Unfälle.“

Was erstmal paradox klingt, ergibt jedoch durchaus Sinn: Laut dem Mediziner lernen Kinder, wenn sie Risiken eingehen, sich vor ihnen zu schützen. Anders als bei der Erziehung durch sogenannte Rasenmäher-Eltern, deren Kinder in den Augen der Eltern am besten gar keine Misserfolge erleben sollten. Interessanterweise gibt es laut Renz-Polster dafür auch bereits Zahlen, die dies belegen. Statistiken zeigen, dass, je ungeschickter ein Kind ist, desto höher die Gefahr ist, dass es sich ernsthaft verletzt. Geschicklichkeit kann man allerdings trainieren und es dient genauso wie der Aufbau von Muskeln dem Risikoschutz.

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Erziehung: „Eltern müssen nicht alles wissen, was ihre Kinder tun“, rät Kinderarzt

Selbstverständlich wollen Eltern ihre Kinder schützen. „Eine Kindheit ohne aufgeschlagenes Knie ist ein Missverständnis“, meint allerdings der Kinderarzt. Denn wirklich effektiven Schutz kann es nicht geben. „Das wäre ein Leben unter einer Glasglocke.“ Schließlich nimmt er auch die sogenannten Helikopter-Eltern in Schutz, deren Erziehungsstil von Expertenseiten stark kritisiert wird. So heißt es, sie würden „unselbständige Tyrannen“ und verwöhnte und verhaltensgestörte Kinder erziehen. Seiner Meinung nach ist es allerdings nicht die Schuld der Eltern, dass ihre Kinder – und auch sie selbst – heutzutage weniger Freiraum haben.

„Die Kindheiten heute laufen eher nach Programm. Und da ist immer jemand, der sich sorgt oder Aufsicht führt. Aber ich finde, Eltern müssen nicht alles wissen, was ihre Kinder tun“, so der Erziehungsexperte. Der Nachwuchs würde eben Erfahrungen mit ihren Eltern, aber gleichzeitig auch für die Entwicklung wichtige Erfahrungen alleine machen. „Es ist gut, wenn die Eltern da sind, um das Feuer zu löschen, aber Zündeln muss auch sein.“

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteuren und Redakteurinnen leider nicht beantwortet werden.

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