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Ivermectin wohl doch kein Corona-Wundermittel – Studien übersahen ein wichtiges Detail

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Von: Max Partelly

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Das Wurmmittel Ivermectin wurde von manchen einige Zeit als Wunderheilung bei Corona-Erkrankungen gesehen. Doch die ersten Studien übersahen ein wichtiges Detail.

New York – Corona hat die Welt nach wie vor im Griff. Es wird viel dazu geforscht, wie sich die Krankheit verbreitet, wieso sie krank macht und wie man sie behandeln kann. Viele Fragen sind noch offen, aber es gibt auch immer wieder neue Erkenntnisse.

Ivermectin schien dabei zu helfen, Corona-Erkrankungen zu behandeln. Es wurde sogar empfohlen, es früh im Krankheitsverlauf einzunehmen und so den Verlauf milder werden zu lassen. Anhaltspunkte für diese Praxis lieferten keine Verschwörungserzählungen, sondern Studien. Studien, von denen einige eine positive Auswirkung scheinbar attestierten. Viele waren davon überzeugt, dass ein Wundermittel gefunden war. Doch auch wenn die Hoffnung groß war, gab es Meldungen von Fällen, in denen es offensichtlich nicht half und die Patienten trotz Ivermectin-Behandlung mit Corona verstarben.

Ein Team von Forschern sah sich zwölf randomisierte Studien zu Ivermectin-Behandlungen bei COVID-19 an und erkannte, wo der Fehler lag, der mutmaßlich in Österreich einen regelrechten Ivermectin-Hype* auslöste. Der Teufel liegt im Detail, wie die Metastudie zeigt.

Ivermectin als Corona-Wundermittel: Es wirkt offenbar nur in manchen Ländern

Bei der sogenannten Metaanalyse, bei der die Ergebnisse mehrerer Studien verglichen und interpretiert werden, stießen die New Yorker Wissenschaftler auf eine Auffälligkeit. Die Studien, welche eine positive Wirkung auf die Sterblichkeit bei einer Corona-Erkrankung attestierten, stammen primär aus Regionen, die eines gemeinsam haben: Ein Darmparasit ist in ihnen endemisch – kommt dort also vor.

„Es gibt keine Evidenz dafür, dass Ivermectin in Regionen, in denen Strongyloidiasis (Anm. d. Red.: Infektion mit Zwergfadenwurm) endemisch ist, Todesfälle bei COVID-19-Patienten verhindert“, erklären die Autoren. Das bedeutet, dass Ivermectin dort eine Wirkung erzielt, wo die Infektion mit Zwergfadenwürmern passieren kann.

So weit, so gut, doch das ist nicht alles, was die Studie herausfand. Umgekehrt stellten die Wissenschaftler fest, dass die Studien, die in Regionen durchgeführt wurden, in denen Infektionen mit Zwergfadenwürmern selten oder nicht vorkommen, keine oder nur eine geringe Wirksamtkeit von Ivermectin feststellten. Das Studiendesign war es schließlich, welches in der Metanalyse als Fehlerquelle ausgemacht wurde.

Ivermectin verschiedener Hersteller auf weißem Untergrund. (Symbolbild)
Ivermectin galt eine Zeit lang als heißer Kandidat für die medikamentöse Behandlung von Corona. (Symbolbild) © Soumyabrata Roy/Imago

Ivermectin als Corona-Medikament? Studiendesign verfälschte Ergebnisse

In den analysierten Studien wurde die Testgruppe mit Ivermectin behandelt. Logischerweise erhielt die Kontrollgruppe dieses Medikament nicht. Dementsprechend ergab sich eine Verfälschung der Ergebnisse in Regionen, in denen die Anwendung von Ivermectin wegen des parasitären Befalls sinnvoll gewesen wäre.

Die Autoren der Metaanalyse weisen zudem darauf hin, dass die herkömmliche Corona-Behandlung mit Kortikosteroiden eine sogenannte Hyperinfektion mit den Zwergfadenwürmern auslösen kann. Bei einer Hyperinfektion steige auch die Sterblichkeit deutlich an. Dadurch müssten die Ergebnisse der Studien aus den entsprechenden Regionen neu bewertet werden, heißt es in der Metastudie.

Kurz zusammengefasst: In Regionen, in denen Zwergfadenwürmer endemisch sind, war die Sterblichkeit in der Kontrollgruppe höher, weil ohne Ivermectin und mit einer Behandlung mit Kortikosteroiden das Risiko einer Hyperinfektion deutlich höher lag, als bei der Testgruppe. So ergab sich in diesen Studien das Bild, dass Ivermectin die Sterblichkeit bei einer Corona-Infektion senken könne.

Wie geht der Kampf gegen Corona weiter?

Auch wenn der Traum des unerwarteten Wundermittels gegen Corona mit den Erkenntnissen der New Yorker Wissenschaftler wohl endgültig geplatzt sein dürfte, tut sich so einiges im Kampf gegen das Virus. So wurde kürzlich ein weiterer Zusammenhang zwischen Blutgruppen und dem Risiko eines schweren Verlaufs entdeckt – ein Zwischenschritt zu möglichen neuen Behandlungsmethoden.

Für den Sommer scheint es zumindest etwas ruhiger um Corona zu werden. Virologe Hendrik Streeck spricht sogar davon, dass die Maskenpflicht dann fallen könne. Für den Herbst müsste man sich aber vorbereiten. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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