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Gentest vor der Schwangerschaft: Vererbe ich eine Krankheit?

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Von: Kristina Wagenlehner

Eine schwangere Frau liegt auf einer Liege. Links ist ein Bildschirm mit Ultraschall zu sehen. (Symbolbild)
Einen Gentest in der Schwangerschaft ohne konkreten Anlass durchzuführen, ist nicht sinnvoll. Das Risiko einer angeborenen Krankheit liegt unter fünf Prozent. (Symbolbild) © Addictive Stock/Imago

Bin ich selbst oder mein Partner Träger einer Erbkrankheit? Sollten wir vor der Schwangerschaft einen Gentest durchführen? Experten geben Rat.

Münster/Bonn – Hauptsache gesund! Für viele Paare, Mütter und Väter ist das Allerwichtigste, dass das Kind wohlauf ist. Vor einer Schwangerschaft schleichen sich aber oft Ängste und Zweifel ein: Bin ich Träger einer schweren Erbkrankheit? Wird mein Kind gesund auf die Welt kommen? Wenn nicht: Bin ich der Herausforderung gewachsen? Soll ich, um sicherzugehen, vorher einen Gentest durchführen?

Gentest vor der Schwangerschaft: In der Regel nicht sinnvoll

Man weiß es ja oft nicht, ob man selbst oder seine Partnerin oder sein Partner Träger oder Trägerin einer Erbkrankheit ist. Um sicherzugehen, dass das Kind, das im Bauch heranwachsen wird, keine geistige oder körperliche Behinderung hat, überlegen manche einen Gentest im Vorfeld der Schwangerschaft durchzuführen. „In den allermeisten Fällen ist eine solche Furcht unbegründet“, sagt Professor Frank Tüttelmann, Direktor des Instituts für Reproduktionsgenetik der Universität Münster. Das Risiko, dass ein Kind mit einer angeborenen Erkrankung zur Welt kommt, liegt allgemein bei drei bis vier Prozent. In der Regel ist es also nicht sinnvoll, wenn Paare vor einer Schwangerschaft quasi ohne konkreten Grund und Anlass einen Gentest durchführen lassen. Anders kann es sein, wenn sie den Verdacht oder das Wissen um erblich bedingte Krankheiten in der Familie haben. Wie Sie dann mit erblich bedingten Krankheiten umgehen, lesen Sie hier.*

Gentest vor der Schwangerschaft: Eine genetische Beratung

Wer sich unsicher ist oder bereits ein Kind mit einer schweren Krankheit hat, kann eine genetische Beratung in Anspruch nehmen. „Eine genetische Beratung kann etwa auch Eltern eine Entscheidungshilfe bieten, die bereits ein Kind haben, das mit einer schweren Erkrankung geboren wurde“, sagt Tüttelmann. Besonders sinnvoll ist eine Beratung, wenn Partner miteinander blutsverwandt sind. „Zum Beispiel, wenn Mann und Frau Cousin und Cousine sind“, sagt Nicolai Kohlschmidt, Facharzt für Humangenetik und Präsident des Berufsverbands Deutscher Humangenetiker (BVDH). Krankheiten, die vererbt werden, sind unter anderem:

Für Frauen, die bereits mehrere Tot- oder Fehlgeburten hatten, kann eine genetische Beratung aufschlussreich sein. Die Expertinnen und Experten versuchen, die Ursachen herauszufinden und Therapiemöglichkeiten anzubieten. Zugleich haben Paare die Möglichkeit, herauszufinden, wie hoch das Risiko erblich bedingter Erkrankungen wie etwa Mukoviszidose bei ihrem Kind ist. Wer sich für eine Beratung interessiert, findet auf der Internetseite des BVDH geeignete Anlaufstellen und sollte früh dran sein. Denn die Wartezeit für einen Termin beträgt teils mehrere Monate.

Gentest vor der Schwangerschaft: Wie der Gentest abläuft

Ergeben sich im Zuge dieses Beratungsgesprächs Hinweise, dass einer der Partner oder beide möglicherweise Anlageträger einer Krankheit sein könnte, entnimmt der Facharzt oder die Fachärztin in der Regel Blutproben. Im Labor wird aus den Blutzellen DNA isoliert. Mit speziellen Verfahren lassen sich nun unterschiedliche Gene und Veränderungen dieser Gene ausmachen. Bis endgültige Ergebnisse vorliegen, können Wochen vergehen.

Eine 100-prozentige Sicherheit, dass ein Kind gesund auf die Welt kommt, besteht aber auch mit dem Test nicht. „Eine Garantie für ein gesundes Kind gibt es nicht“, sagt Nicolai Kohlschmidt. Das gilt auch umgekehrt. Analyse und Beratung können nicht eindeutig prognostizieren, dass ein Kind tatsächlich krank geboren wird. Deshalb: Paare sollten sorgfältig abwägen, ob ein Gentest vor einer Schwangerschaft sie wirklich weiterbringt. Eine Unsicherheit bleibt immer. „Man muss akzeptieren, dass das gemeinsame Kind womöglich anders als andere sein könnte“, sagt Kohlschmidt. Die Kosten für eine genetische Beratung übernimmt in aller Regel die Krankenkasse. Ungezielte Bluttests müssen Paare zumeist selbst zahlen, so Frank Tüttelmann. Das können mehr als 1.000 Euro sein. (Mit Material der dpa)

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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